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Der Krieg ist der Vater der Dinge. -HERAKLIT

2002-04-29

herrhansche@aol.com

Brennpunkt*, VIELEN Dank für diesen Beitrag!

Horst Lummert: Die vergessene Alternative
Aus YISHMAEL ALEPH** vom Juni 1990 / Auszug nach kkk-feder 25/26, 1999

Mich stört in diesem Artikel die für meine Begriffe zu idealistische Perspektive auf einen Multikultistaat darin. Dies im Prinzip auch nur deshalb, weil er nicht funktionieren wird. Die meisten Juden wollen doch keinen gemeinsamen Staat, wo dann die aus Gaza und Westbank stammenden Millionen von Arabern wahlberechtigt und gleichberechtigt wären. Man kann das sogar verstehen. Auch die Palästinenser dürften schwer von diesem Vorschlag zu überzeugen sein.
Daraus ergeben sich drei Perspektiven:
1) Annektion von Westbank und Gaza nebst "Transfer" der Araber. Furchtbar. Problem: Dies ist elementar faschistisch, zudem würden die dann folgenden Gegenreaktionen der Araber Israel auf Dauer in seiner Existenz bedrohen.
2) Unterdrückung der Palästinenser in Westbank und Gaza. Das haben wir jetzt im Prinzip. Problem: Egal, wie Israel dies umsetzt, daraus ergibt sich Terror und der Verlust der politischen Perspektive für Israel. Die Täterrolle Israels ist durchaus kein Segen für Israel.
3) Rückzug aus den Gebieten und ein palästinensicher Staat. Das ist leider auch nicht ohne Weiteres tragfähig, meine ich. Problem: Auch hier hat Israel weiterhin das Terrorproblem. Man kann den Hass nicht mit einer Unterschrift besiegen.
Aus israelischer Perspektive - unter Sicherheitsgesichtspunkten - erscheint kurzfristig Variante 2) "sicherer". Am Palästinenserstaat kommt Israel aber trotzdem nicht vorbei. Das Terrorproblem wird nicht so schnell wegzuräumen sein, aber in Variante 3) ist es geringer. Israel sollte die Chance nutzen, dass dort ein wahrhaft demokratischer arabischer Nachbar entsteht.
P.S. Im Übrigen sind die Palästinenser bzw. ihr gewählter Führer Arafat zu weit gegangen, als sie die Rückkehr der Flüchtlinge nach Israel zur Bedingung machten. Außer einer symbolischen Zahl von Rückkehrern ist dies für Israel unzumutbar.
herrhansche@aol.com

* Ein Link zu unserer Website erscheint beim Brennpunkt, an den sich die Zuschrift richtet: www.stopdiearisierung.de

** Der Beitrag - Israel / Palästina. Angst vor der Zukunft oder Die vergessene Alternative - wurde nach Aufzeichnungen aus Israel 1988 etwa um die Jahreswende 88/89 in Berlin geschrieben und erstmals - in den Vierteljahresheften kuckuck, projekt YISHMAEL, Heft 1 (Aleph), das am 20. Juni 1990 erschien - ungekürzt veröffentlicht.

In kuckuck feder 25/26, 1999, erschien im Anschluß an den Beitrag Das Ende des Wortes - ausdrücklich Zur zionistischen Position auf den Vorseiten: Die vergessene Alternative. Aus YISHMAEL ALEPH vom Juni 1990 / Auszug.

Daher die Nachbemerkung: Der kuckuck lebt aus seinem Widerspruch. Krieg oder Frieden, der den Namen verdient, das ist hier die Frage.

Vgl. Horst Lummert: Die vergessene Alternative

Die vergessene - demokratische - Alternative, die bereits 1990 "vergessen" war, ist nicht überholt, aber in dieser schwierigen Phase der Auseinandersetzungen kaum diskutabel. In Kriegszeiten zieht jeder sich auf seine engsten Positionen zurück. Langfristig ist weder der Zionismus noch der palästinensische Nationalismus eine Alternative zur Demokratisierung des gesamten Nahen Ostens, wobei eine regionale Konföderation durchaus ins Auge gefaßt werden kann. Mit "Multikulti" hat das nichts zu tun. Ein demokratischer Islam diene als ferner Orientierungsstern.

Im übrigen basiert der Nahostkonflikt nicht auf "Haß", der ja jederzeit in "Liebe" umschlagen könnte, Palästinenser und Israelis sind einander sehr ähnlich; er resultiert aus komplizierten historischen Zusammenhängen, geostrategischen und ökonomischen Interessenlagen, Intendanzen, für die die streitenden Parteien nur das Bühnenspiel besorgen. Es sind immer Dritte, die den Frieden nicht wollen. Von denen gibt es nur allzu viele.

kkk

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