|
Die Freiheit ist unsere Sicherheit
2002-08-21
Ich nehme das ernst.
Gotthilf Foerster hat ein paar Anmerkungen gemacht, auf die ich eingehen will.
Ich nehme für mich in Anspruch, Mitte der sechziger Jahre den Gottesbegriff in die linke Diskussion eingebracht zu haben.
Als Urhypothese ist Gott ein denkerischer - kein beterischer oder ritueller - Begriff.
"Gott" ist der Polarstern des Denkens. Mit ihm korrespondiert das principium individuationis.
Institut & Organisation des mündigen Menschen ist das geschriebene Wort. Die Freiheit ist seine Sicherheit.
Individuation ist ein universelles Gesetz, weil für jedermann gültig.
Es schließt die Transzendenzen kurz, bedarf keiner Vermittler.
Die Wiederentdeckung der Lehre vom Sinai als einer apodiktischen Wissenschaft ist rational und zugleich synthetisch prä- und postrational.
Die sokratische Agnosia beschreibt die Grenzen der bekennenden Unwissenheit.
Charles Darwin ist keine unerwünschte Person. Daß der Mensch ein Tier bzw. aus der Tierwelt hervorgegangen sei, ist eine Binsenwahrheit.
Die Entstehung des Menschen ist ein qualitativer Sprung.
In dem, worin er sich von den anderen Tieren unterscheidet, das Produkt einer langen Entwicklung zu sehen, ist fehlgedacht. Evolution ist ein moderner Mythos.
Der Mensch als Affenart oder Weiterentwicklung des Affen ist arten-biologisch interessant, seinsgeschichtlich jedoch unerheblich.
Der Darwinschen Lehre läßt sich - genauso bedeutungslos - die Behauptung entgegen setzen, daß der Affe vom Menschen abstamme, daß der Mensch eine äffische Frühgeburt sei.
Die fehlende Behaarung und deren Zunahme mit dem Alter läßt das Tierische am Menschen als künftig, nicht vormalig, erscheinen.
Die ausgewachsenen menschlichen Schädelformen ähneln denen der Orang-Utan-Kinder.
Die Mutation aus dem Tier ist das Besondere, das den Menschen - seit es ihn gibt und er sich weiß - bewegt, über sein Wesen nachzudenken. Auch unsere Diskussion reiht sich hier ein.
Ich denke, daß die Versuche, das zivilisatorisch Verdorbene zu retten, Teil dessen sind.
Die bei Foerster postulierte Teilhabe an der Natur schließt eine operative Trennung des Menschen von dieser aus.
Die modernen Naturwissenschaften sind ein Kernstück der Moderne, die es zu kritisieren gilt.
Korrektur-Versuche sind naturimmanente Gesellschaftsspiele.
Der westliche (abendländische) Mensch wollte die Welt verändern, wie er sie jetzt vor ihrem Ende bewahren will. Es ist aber seine Geschichte, ist seine Welt, die in Frage steht.
Wie es ein Vorher gab, so wird es ein Nachher geben. Widerrudern ändert nichts, der Fluß ist ein wandernder Weg (Pascal).
Eine Weltstaatstheorie, die nicht totalitär wäre, ist keine. Alles unter einen Hut bringen zu wollen, ist totalitär.
Dagegen ist die Erkenntnis, daß die Dinge ohnehin so laufen, wie sie laufen können und sollen, eine Theorie der Befreiung. Leibniz wußte es - spät genug - schon vor dreihundert Jahren.
Wissenschaft diene der Erkenntnis. Eine Wissenschaft, die sich intentionell - so oder so - verändernd einmischt, ist aus dem Schöpfungszusammenhang bereits herausgefallen.
Eine Wissenschaft, die die Politik beraten will, tendiert zur Verstaatlichung. Die Freiheit der Forschung und der Lehre ist von der Idee her anti-institutionell.
Wo sie ohne Strukturierung und Organisation nicht auszukommen scheint, geht dies zu Lasten der Freiheit als der Initiation des Menschen, Forschers, Lehrers.
Ideologiekritik heißt auch Untersuchung von Wissenschaft, Erforschung der ihr immanenten Ideologeme.
An wen richtet sich die "wissenschaftliche Provokation", wenn nicht an die Wissenschaften, die den Schaden angerichtet haben? Den Teufel mit Beelzebub austreiben, bringt uns auf biblische Erkenntnisse zurück.
Daß vor Gott tausend Jahre wie ein Tag sind, ist assimilativer (!) Teil der Tradition und keine Neuentdeckung.
Die populäre Wissenschaft ist ein Mythenpark, in dem es von Dinosauriern, Jahrmillionen, Krümelmonstern und Außerirdischen nur so wimmelt.
Die bescheidene Überlegung, daß der Zeitfaktor den Erfolg ausschließt, hindert die Mythologen nicht, nach "intelligentem" Leben im All zu forschen. Jedes und alles ist intelligent, aber das ist nicht gemeint. Sie suchen ihr Spiegelbild.
Im Zeitalter der Medien nimmt es niemand so genau damit, erwartet ohnehin jeder nur Hokuspokus. Einigen geht es dennoch über die Hutschnur, sie rufen nach law and order.
Das Chaos und die Ordnung der Generäle (Saint-Exupérie) sind die zwei Seiten der Medaille.
Wo Gotthilf Foerster sich freien Geistes und kritisch mit politischen Theorien, Praktiken und ihren wechselseitigen Widersprüchen auseinandersetzt, sind seine Aufzeichnungen mit Vergnügen zu lesen (S.183 ff.).
Die Beobachtung, daß die Studentenbewegung wesentlich von der DDR und ihren Staatsorganen beeinflußt und beherrscht war, kann jeder bestätigen, der die Zeit aufmerksam miterlebte.
Die Vorstellung, irgendwann von einer alles dirigierenden und kontrollierenden Weltregierung beherrscht zu werden, ist danach um so albischer. Der totale Überwachungsstaat als traumatologischer Ausweg, gewissermaßen? Was haben wir zu fürchten, wenn nicht ihn?
Die Riesenorganisationen, die für alles zuständig sein wollen und ihre Bürokratien wuchern lassen, daß einem wirklich angst und bange werden kann, haben uns schon großen Kummer bereitet.
Foerster läßt anklingen, ich hätte zu früh, wohl zu flüchtig, ja "fahrlässig" reagiert. Die Lektüre seines Werkes belehrt uns eines anderen. Tatsächlich verharmlost der Autor jetzt seine wissenschaftliche Provokation.
Todesstrafe und Zwangsarbeitslager, bei genauerem Hinschauen sogar Völkermord im Sinne von § 220a Abs.1, Ziff.3 StGB, eine allgegenwärtige "Weltpolizei"... werden als Elemente einer "Demokratie-Reform" vorgeschlagen. Das ist alles in Auszügen nachzulesen.
Knebeln UN-Apparate und Europa-Bürokratie unsere Freiheiten nicht schon genug? Vergessen wir nicht, daß die ökofaschistische Bewegung von Brüssel ausging und nun nicht wieder weichen will.
Das Subsidiaritätsprinzip, für das Foerster eintritt, steht all dem im Wege, oder andersherum: Die großen ressort-übergreifenden und welt-umfassenden Superbehörden legen alles lahm, was mit Subsidiarität ursprünglich gemeint war. Das eine verträgt sich nicht mit dem anderen.
Indes: Die Überbürokratie wird die omnipotenten Gutachter letzten Endes isolieren und ausschalten. Die Ohnmacht der Allmacht ist eine andere, aber ebenso alte Geschichte.
Um der Sache die Pointe zu entlocken, die ihr innewohnt, kommen wir auf Biotelie zurück, auf den Zweck, das wesentliche Ziel. Der Begriff eines Agnostikers assoziiert nicht zufällig den Gott vom Sinai, der sagt: Ich bin das Leben. Chaj.
Siehe auch:
Gotthilf Foerster, Entgegnung zur Kritik von Avram Kokhaviv, im Kritischen Forum
Avram Kokhaviv, Aufreizung zum Widerspruch: Perspektiven. Zu einer negativen Utopie
Felix Pech, Die Wasserschleife
Horst Lummert, Biotelie. Was ist das?
Gotthilf Foerster, Biotelie. Die Chance. Auszüge aus seinem Buch
Materialien:
kuckuck network
Qimoserien
Newcatch
kokhaviv publications > NewCatch > online exclusive
kokhaviv publications > NewCatch > security > What happened on Sept. 11
kokhaviv publications > Kritisches Forum > Was ist Biotelie?
© Copyright 1999 - 2002 kokhaviv publications