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Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2002-08-19

Avram Kokhaviv

Wer oder was rettet uns vor den Rettern?

Ihre Blindheit!

Gotthilf Foerster, Biotelie. Die Chance zur Rettung von Natur und Menschheit. Von der Fiktion zum Sachbuch. Einführung in Methodik und Korpus einer anthropo-ökologischen Staatslehre. Band 3, Sanktionswesen. Mit einem Geleitwort von Dr. Dr. Werner Schneider, Freiburg im Breisgau März 2002
© by Sekante-Verlag, Berlin. 1. Auflage (vermutlich von Band 1 - kkk) Juni 2001

Der vorliegende 3. Band der Reihe trägt im Inhaltsverzeichnis den ausführlichen Titel: 6. Kapitel § 6 Hyparchie - Sanktionswesen.

Das versteckte Hauptanliegen der Buchserie: die Bildung einer zentralen Weltdiktatur im biotelischen Geiste.

Dieser Geist - Zweck und Endziel (telos) des Lebens - halte sich jedoch zurück.

Die Ideologie soll - mehr oder weniger - geheim bleiben, auch nicht an Schulen gelehrt werden. Gedacht ist an den biotelischen Konsens einer akademischen Elite.

Die Gedankenführung erinnert an den späten Herbert Marcuse, der einer Diktatur der Intellektuellen das Wort redete und von seiner "progressiven" Vorstellung abweichendes Denken unterdrücken und eliminieren wollte. LaRouche fällt einem zu Platon ein.

Der Autor rüstet mit dem Anspruch, die Demokratie retten zu wollen, zum Generalangriff gegen sie.

Der Ökologismus kommt in abgewandelter Form daher und bleibt bei der Einschätzung, eine übergreifende Instanz zu sein, der sich alle politischen und gesellschaftlichen Belange unterzuordnen haben.

Eine fixe Idee wird autonom wie im späten Mittelalter die Hexerei samt ihrer Verfolgung. Sie malen das Phantom an die Wand und mobilisieren die ganze Welt dagegen.

Wer sich nicht fügt, hat mit schärfsten Sanktionen zu rechnen. Der Weltregierung steht eine hochgerüstete Weltpolizei zur Verfügung.

Ein Totalitarismus der aktuellen Art, die einem Tritt-in (sic!) gefallen muß. Gibt es eine Gefahr für Demokratie und Freiheit der Menschen, so haben wir sie in dieser Welt- und Ökoretterei.

Laßt die Finger davon, hört auf mit dem Quatsch - und auf diejenigen, die es seit Menschengedenken wissen!

Die Welt läßt sich nicht verbessern und nicht verschlechtern. Nur die Köpfe, die es nicht verstehen, geraten deswegen gern in Verwirrung. Auch das gehört dazu.

Es ist immer wieder erstaunlich, zu welchen gemeingefährlichen Absonderungen die sogenannte Wissenschaft des Westens imstande ist.

Es fing so harmlos an. Ustad Tarik T. Knapps Umrisse und Details einer islamistisch-revolutionären Weltstrategie - eine eher moralistische, rückzieherische Positionsbestimmung, auch Knapp kommt ja von dem Ökologismus nicht weg - hatten es dem Sekante-Verlag angetan. Er bat um Nachdruckrecht, was Knapp ihm erteilte. Auch bei Knapp, übrigens, ist das "Welt"-Denken konstitutiv wie bei Foerster.

Nun fiel dem Verlag sofort auf, daß bei den Kokhavim ein Aufsatz steht, der ebenfalls das Wort Strategie im Zusammenhang mit dem Islam im Titel trägt. So wurde dieser Beitrag dem andern gleich angehängt.

Die Transzendentalen Vorfelder einer euro-islamischen Strategie suchen sich allerdings im Nachdruck - inhaltlich - vergebens. Foerster hätte dazu eine andere Überschrift wählen müssen.

Der Auszug sagt weder etwas von Transzendenz noch von Vorfeldern. Damit waren und sind nämlich ein paar etymologische Auffälligkeiten gemeint, die bei Sekante aus irgendwie wohl verständlichen Gründen unter den Tisch fielen.

Der oder die Herausgeber nahmen lediglich die Gelegenheit wahr, einen Ausschnitt, der sich auf die Feindstaatenklauseln in der UN-Charta und die damit verbundene internationale Rechtslage Deutschlands bezieht, vorzustellen.

Das kleine Versehen mit der Autorenverwechslung ist im Internet korrigiert worden, das ist alles okay. Darum geht es mir auch gar nicht. Vielmehr sehe ich nun einen willkommenen Anlaß, mich einmal - einmal mehr - mit den weltverbesserischen - gefährlichen - Phantastereien auseinander zu setzen, die seit Öko-Tagen besonders in Deutschland florieren.

Das Buch ist ein wunderbares Beispiel für das verbreitete Mißverstehen von Naturgesetzlichkeit und der Rolle des Menschen in der Geschichte.

Der vielfältig erfahrene Mediziner und selbstbestimmte Agnostiker Gotthilf (!) Foerster bringt eine Mischung aus Platon, Darwin und Ökofaschismus aufs Tapet, daß es mir die Sprache verschägt, wenn er das Gemisch als Substrat einer Demokratie-Reform anbietet.

Internet-Bestrebungen - www.sekante-verlag.de - und die neue Buchreihe machen offenkundig, daß der Versucher sich als einen der sprichwörtlichen Rufer in der Wüste versteht.

Im Gegensatz zur in Deutschland allgemeinen Übung wollen wir das Unterfangen nicht totschweigen, sondern kräftig zausen und in eine Reihe mit anderen, ähnlichen Versuchen seit Jahrtausenden stellen, deren trefflichster jener von Babylon war, dem Gott schließlich mit der Verwirrung der Sprachen ein sträfliches Ende setzte.

Gebt doch auf! Die Welt funktioniert anders. Die größte Bedrohung für Frieden, Natur und Menschheit geht von ihren selbsternannten Rettern und Schützern aus.

Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist der von den Friedfertigen angestrebte ewige Frieden, eine mit Samtpfötchen gestreichelte Natur und eine Menschheit, der die zu ihrem Selbstschutz notwendige Aggressivität ausgetrieben wird.

Der Krieg ist der Vater der Dinge, wem gefällt das schon, aber es ist die reine und ewige Wahrheit, nachzulesen - spätestens - seit Heraklits und biblischen Zeiten.

Sekante bestätigt aufs neue, daß die göttliche Weltordnung - mit staatlichen Zwängen gegen bürgerliche Freiheiten - zwar nicht beseitigt, aber ins Visier genommen werden kann. Die Blindheit der Weltverbesserer ist ewig wie das Gesetz Gottes, das sie abschaffen wollen.

"Biotelie... erklärt die Nichtachtung der Tatsache, daß der Mensch ein integraler Bestandteil der Natur ist, durch die Politik, für ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Denn auf die Mißachtung und Vergewaltigung der Natur hin schlägt diese unbarmherzig zurück" (41). Dieser - im Text eher nebenher erscheinende - Satz ist der Schlüssel zu Verständnis und Schaden des weltverbesserischen oder retterischen Anliegens.

Wenn der Mensch Bestandteil der Natur ist, beißt sich die Katze in den Schwanz, bleibt die "Nichtachtung dieser Tatsache durch die Politik", die doch ein Werk naturintegraler Menschen ist, bleibt somit die Blindheit des Menschen für diese Tatsache völlig belanglos.

Die Vergewaltigung der Natur durch den Menschen wird zur naturgemäßen Selbstvergewaltigung, das heißt zu einer Absurdität, die sich nur auflösen läßt mit der Erkenntnis, daß "die Natur" sich nicht "vergewaltigen" läßt, daß "sie" vielmehr der große Vergewaltiger ist.

Wenn sich hierbei überhaupt die Frage der - politischen, menschlichen - Gewalt stellt, so ist es die jener Gewalt, die der Autor den Herrschenden zur massiven Bekämpfung des - Prä- und Post-September-Phantoms - "Terrorismus" anrät.

Foersters operatives Anliegen ist es, der angelaufenen Antiterrorismus-Koalition die letzten konzeptionellen Dienste zu leisten, Zuwiderhandelnden und Denkenden mit Weltstaatsgewalt in die Parade zu fahren.

Er ist ein Vertreter der weißen Rasse, die sich "bedroht" fühlt und der kommenden Welt die Zähne zeigt. Da sie dabei auf unzulängliche Denkressourcen zurückgreifen muß, ist ihr endliches Scheitern vorgezeichnet.

Ein Opfer der eigenen Propaganda, wird diese Zivilisation, sollte ihr nicht was Gescheiteres einfallen, am Ende zugrunde gehen: viel Unheil über die Welt verbreitend.

So will es nun mal die Geschichte: der inneren Natur nach. Ihr Schöpfer und Gesetzgeber hat es so eingerichtet, ob es uns paßt oder nicht. Selbst unser Hadern ist Bestandteil des Plans.

Siehe auch:
Gotthilf Foerster: Entgegnung zur Kritik von Avram Kokhaviv

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