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Die Freiheit ist unsere Sicherheit
2002-05-30
Der Kommunismus war eine Ideologie, die sich als historische Wissenschaft verstand. Hinter dieser Religion verbargen sich reale Machtzentren.
Was dazumal als sozialistische Revolution und internationaler Kampf der Arbeiterklasse über die Bühne ging, waren Inszenierungen, Propaganda der Tat.
Der ideologische Kommunismus verlor seine Überzeugungskraft mit dem Ende seines Vaterlandes, dem Verschwinden der Sowjetunion.
Wer dies durchschaute, wußte hinter den landesweiten und kontinentalen Aktionen und Kampagnen die Kommunistische Internationale bzw. den verlängerten Arm sowjetischer Deutschland- und Europapolitik.
Hinter dem ideologischen Streit der zwei Linien standen die Rivalen Moskau und Peking.
Der Islam bietet ein ähnliches Bild: die zwei Linien von Sunna und Schia. Dahinter verbergen sich Machtzentren.
Das Land der Schiiten ist das Land der Perser, der Iran. Die Sunniten ordnen sich nach mehreren staatlichen Energiefeldern.
Eine wichtige historische Unterteilung ist die Trennung der nichtarabisch-asiatischen von den arabischen Sunniten.
Wenn man den umgekehrten Weg geht und von den Staaten her ordnet, wird es durchsichtig und klarer.
Ägypten hat eine ambivalente Kontrollfunktion im afrikanisch-nahöstlichen Grenzbereich. Eine islamische Lehrautorität hat ihren Sitz in Ägypten.
Der König von Marokko konkurriert auf religiöser Ebene mit dem König von Jordanien. Beide führen sich in direkter Linie auf den Propheten Mohammed zurück.
Libyens revolutionärer Einfluß ist zurückgegangen. Auch Ghadafi erhebt theologische Ansprüche.
Ein besonderer Faktor ist das streng wahhabitische Saudi-Arabien, dessen Königsfamilie einerseits sich mit dem Westen ölgeschäftlich arrangiert, andererseits die islamische Guerilla, den Terrorismus, unterstützt und in Afghanistan offensichtlich auch lanciert hat. Mekka ist die islamische Orientierung.
Nach Auflösung des Osmanischen Reiches bleibt die laizistische Türkei ein Machtfaktor im islamischen Raum. Der religiöse Einfluß ist kemalistisch und sufistisch verdeckt
Religiös strengere Staaten wie Pakistan und der Sudan changieren in der Farbe.
Der Fundamentalismus hat sich zurückgezogen und mag da und dort terroristisch agieren.
Weltlich scheinende Staaten wie Syrien und Iraq sind genauso wie die noch- oder vollreligiösen Pakistan, Iran, Saudi-Arabien, Sudan in der Guerilla-Szene engagiert.
Gegen das gen West tendierende Ägypten sind dergleichen Vorwürfe nicht erhoben worden. Die Enthüllung fundamentalistischer Übergriffe als maskierte Militäroperationen begründet allerdings einen ernsten Verdacht.
Die Staaten dirigieren den Terror, nicht der Terror die Staaten. So viele islamische Staaten es gibt, so viele religiöse Richtungen und so viele Terror-Organisationen gibt es. Das gilt auch für nicht-islamische Staaten.
Der Islam Mohammeds, des Propheten, der Religionsstifter, Staatsmann und militärischer Eroberer in einer Person an der Spitze einer staatlichen Macht war, existiert seit Mohammed nicht mehr.
Nach ihm entstanden neue Machtzentren, die sich auch religiös umdefinierten.
Der Islam verlangt von der staatlichen Organisation das besondere religiöse Bekenntnis. Die quranische Legitimation.
Alles im Islam trägt verschiedene Gesichter. Wer sich kundig machen will, muß die Staatengeschichte studieren, nicht die Religion. Das ist für den kuckuck eine neuere Sicht.
Hier ging es stets um die schriftlich fixierte Idealgestalt des Islam.
Beim Judentum war die hebräische Überlieferung bewußt zu machen.
Die meisten Juden, die ich kenne, wissen von dieser Überlieferung herzlich wenig, was ein sündhaft unmöglicher Zustand ist.
Wie ein typischer Jude seinen Rabh, so fragt ein typischer Moslem seinen Hodja, wenn er ein religiöses oder rituelles Anliegen hat.
Wie aber die sozialistische Idee zur Abschaffung des Klassenunrechts auch nach der historischen Niederlage des Sozialismus ihre Gültigkeit behält, so ist die Idee des Islam und des Monotheismus unberührt von der Notwendigkeit, die Staatenpolitik genauer in Betracht zu ziehen, um den Stellenwert des Islam als Weltreligion neu zu definieren.
Hamas, Djihad, Hisbullah und wie sie alle heißen sind die militärischen Instrumente von Staaten, Clans und Geheimorganisationen. Dieselben Strukturen, die sich in den siebziger Jahren sozialistische Namen zulegten, sind heute islamisch etikettiert.
Das ist keineswegs der reine Betrug. Der historische Abschied vom Sozialismus der Sowjetunion hat, wie gesagt, die Grundidee und vor allem die soziale Grundproblematik nicht aus der Welt geschafft.
Die historische Gestalt, die sich als neuer politischer Träger des Gedankens erweist, setzt die revolutionäre Tradition fort.
Die Probleme sind geblieben, die Versuche, sie zu lösen, dauern an.
Der machtpolitische Mißbrauch ist niemals auszuschließen, solange es Menschen gibt.
Ebenso werden Menschen, solange sie leben, bereit sein, für eine höhere Gerechtigkeit auf Erden zu kämpfen und Opfer zu bringen.
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