2002-05-30
Sprachliche Festlegung ist kein Unglück. Keins von vornherein. Wird in der Schule über ein Thema geschrieben, hat es seine Ordnung.
Mit einem Titel den Essay bestimmen, der müde hervorkriecht, von Anfang an...
Aber so ist das Thema, assoziativ geladen. Die Meditation hat soeben begonnen.
Schon liegst du fest und weißt nicht, wohin dich wenden. Gehst nach rechts oder "da lang", wie der junge Löw es bestimmt, nach links, vorwärts. Alles ist vorwärts, auch wenn du zurückgehst.
Räumlich mag man noch streiten, zeitlich gibt es kein Zurück. Kein Ausscheren. Die Diktatur der Zeit erlaubt keinen Richtungswechsel.
Wüßte ich, was mich erwartet. Du wirst es erfahren. In diesem Moment scheint nach Tagen wieder die Sonne.
Der Mai ist so ein sprichwörtlicher April. Paddelst dich durch. Ruderst über den See des Monats.
Mit Martin Walser setzte sich der kuckuck vor zwanzig Jahren wegen des Films Holocaust auseinander. En passant. Das sollte reichen.
Niemand sage, es sei ihm jetzt wie Schuppen von den Augen gefallen.
Mittlerweile bin ich nachsichtig geworden. Außerdem ekeln mich die Denunzianten, die über Walser herfallen.
Schirrmacher hielt die Laudatio auf den Verfemten, damals in der Paulskirche, die Dankesrede nahm Bubis zum Anlaß, Walser an den Pranger zu stellen. Und alle hatten applaudiert. Nun applaudierten sie wieder.
Walser klappte nicht zusammen. Bei ihm weiß man allerdings nie, ob er's mal wieder mit einer Partei versuchen möchte. Nach der DKP im vorigen Jahrhundert in diesem mit der NPD?
Ein lange gehätschelter Literat der Nachkriegszeit trifft auf eine neue Generation.
Grundsätzlich trennt ihn nichts von seinen Kritikern. Die finden nur jetzt das Haar in der Suppe, weil new readers ihnen auf die Finger schauen. Und Schirrmacher fuchtelt sich frei.
Der Jubel über den Ausschluß stellt sich unter Verdacht. Jubel ist launisch wechselhaft, und ein Ausschluß kann doch jeden treffen.
Grüß mich nicht Unter den Linden!
Schreibende schließen einander nicht aus. Er war doch euer Kumpel, Leute.
Er war's dann wohl.
Mein Herz zerreißt an den Nägeln, mit denen es an Israel und Deutschland geheftet ist.
Die eine Seite wurde ans Brett genagelt zu Israel im Jahre des christlichen Herrn 1966, ich glaube, es war die linke, der natürliche Platz. Das tat richtig weh.
Die rechte geht nach Deutschland. Der Nagel wird überflüssig, er nimmt die Gestalt der Umstände an.
Das reißt nicht mehr, das wird zur Gewohnheit.
Wo es blutet, fallen die Tropfen auf heiliges Land. Ich kann es nicht ändern. Ich hol dich da raus.
Wer im Fluß versinkt, soll gerettet werden.
Die linke Seite hat oft geblutet. An Bergen, Wäldern, im Märchen an Bächen und Seen. Es sind Narben geblieben. Ich spüre sie nicht.
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