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Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2002-05-30

Sam Wonder

Mein Abenteuer mit Telekom

Was ist dagegen das Wellenbad mit der T-Aktie, nichts. Vielleicht besteht ein Zusammenhang, aber das weiß ich natürlich nicht. In diesen Tagen fällt der Kurs und fällt und fällt. Das haben sie nun davon.

Ich ahnte es von Anfang an. Ein alteingefahrener Behördenbetrieb wie das Fernsprechamt, was für eine Erinnerung, mein Gott, so was läßt sich nicht von heute auf morgen privatisieren.

Die Zweifinger-T-Reklame der deutschen Schauspieler blies das Geschäft ganz schön auf. Wie sollte das gutgehn? Es lief schon unsolide an. Auch gutgläubige Kleinstaktionäre machen Mist.

Wie konnte der Laden funktionieren - auf der anderen Seite das alte Personal mit seiner neuen Furcht vor Entlassung?

Die ackerten auf Deibelkommraus.

Meine Telefonanlage funktioniert zwar, aber die Kabelverlegung ist die reine Verspottung des alten Fernsprechamts.

Der erste Monteur arbeitete tüchtig und korrekt, sauber und penibel. Das war der Letzte vom Stamm.

Kam aus dem Osten, dachte wahrscheinlich, im Westen, da ist alles besser, klappt alles, rauscht alles.

Geht es den Bach runter, treten wir einen Schritt zurück, oder zwei. In der DDR wäre er vielleicht beim Überwachungsdienst der Stasi gelandet, aber das gibt es ja nun alles nicht mehr.

Die nächste Montage wurde durch Erweiterungsbedarf fällig.

Diesmal schickten sie den Pfuscher vom Dienst. Der arbeitete mit einer Spritzpistole, die sonderte flüssigen Klebstoff ab.

Das Kabel wurde nicht angeheftet, sondern angeklebt. Es hielt, solange der Monteur da war.

Bald lösten sich die Strippen und hingen von Wänden und Decken.

Nun bin ich ein äußerst geduldiger Mensch. Ich reg mich über so was nicht auf, rufe nicht an, schreibe nicht, beschwere mich nicht.

Ich kann mir vorstellen, daß ich auf normale Menschen den Eindruck eines Dummkopfs mache, der sich alles bieten läßt. Mit dem können sie's machen.

Ich erlebe solche Situationen, ich genieße sie geradezu.

Das hatte ich schon als Kind an mir. Oft mußte ich weinen, wenn ich sah, worüber andere Menschen sich freuten.

Sie schüttelten den Kopf, wenn ich unter der Sonne spazierte, sie auf dem Weg zur Arbeit.

Das lag mir, zu arbeiten, wenn sie ihre freie Zeit verschliefen, und den Tag zu genießen, wenn sie ackern mußten.

Ich hatte es nötig wie sie. Im Rückblick kommt es mir vor, als hätte ich nie wirklich gearbeitet, sondern das Leben immer nur genossen.

Die Schattenseiten vergesse ich schnell, und wenn ich mal was Gutes tat, vergesse ich es auch. Das ist wahr.

Bin ich um so dankbarer für die Wohltaten, die sie mir bereiten. Deshalb bin ich nicht gleich blöd, nein, das würde ich nicht sagen.

Meine alte T-Anlage, die sechs Zimmertelefone, Faxgerät und drei Computer, iMac, wohlgemerkt, miteinander verbindet, hatte ich in Miete.

Nach etlichen Jahren, in denen sie sich reichlich amortisiert haben mußte, fragte ich bei Telekom freundlich an, ob sie mir das Ding nicht überlassen wollten, ohne weitere Gebühren zu erheben.

Da hatte ich nicht mit Telekom gerechnet. Die sind nicht so großzügig, wie man es sich nach der teuren TV-Werbung denken möchte.

Die machten mir erst mal eine Rechnung auf, so daß ich für weitere Monate insgesamt rund 150 Mark zahlen sollte, was ich sogar tat, weil ich aus der Miete raus wollte.

Die Geschichte ist noch nicht zuende. Der technische Fortschritt kennt kein Halten. Ich brauchte noch einen Anschluß, hörte was von ISDN und Dsl.

Die Lösung deiner Probleme. So kommst du flugs ins Internet, umgehst die Steinzeittechnik. Da sind sie heillos vergangen.

Die schöne Form ruft, Technik kennt ihre Schleichpfade und Seiteneingänge. Ich also ran ans Neue.

Wie machen wir das? Ganz einfach. Hotline der Telekom anrufen, meldet sich eine freundliche Dame und fragt nach meinem Begehren. Ich, so und so. Sie, na da machen Sie das und das.

Von diesen freundlichen Damen gibt es eine kleine Armee. Die freundlichen Herren kommen hinzu. Mit jedem Anruf stellst du eine neue Verbindung her. Jedesmal taucht ein neuer Name auf.

Der erste Eindruck ist hervorragend. Da sitzen kompetente Leute, Fachkräfte, die genau Bescheid wissen.

Bis du irgendwann merkst, daß manche dies sagen, andere das. Anfangs wird es dir noch nicht bewußt.

Schnell sind die tüchtigen Leute dabei, wenn du laut an einen Auftrag denkst, das eine und das andere Tech-Stück bei ihnen zu kaufen. Freundliche Beratung bis zur Bestellung.

Hinterher stellt sich heraus, daß du das Falsche bestellt hast. Die Beratung war zwar nicht gezinkt, aber was ähnliches. Sie wollten was verkaufen und dich für dumm bei der Gelegenheit gleich mit.

Es geht weiter. Die ganze wortreiche Empfehlung hatte nur Hand oder nur Fuß. Läßt du dich darauf ein, mußt du dich bald völlig neu einrichten.

Ein Monteur hätte mich zuvor an Ort und Stelle ("vor Ort") beraten müssen.

Natürlich, das hätten Sie veranlassen müssen. Sie haben uns nicht damit beauftragt.

Ich wußte von dieser Einrichtung nichts, Sie haben es mir nicht gesagt.

Am besten, Sie kaufen eine größere Anlage, die hat höhere Kapazitäten, macht weniger Ärger und kostet das Doppelte.

Ja, das wird wohl das Beste sein.

Soll ich die neue Bestellung aufnehmen?

Ich habe die alte Auftragsrechnung bereits bezahlt. Was mache ich mit dem falschen Gerät?

Ihr Pech.

Das kann ich unterschreiben.

Es genügt, wenn Sie mir den Auftrag durchgeben.

Auf einige Verdrehtheiten habe ich verzichtet. Ich weiß jetzt aber gar nicht, ob die Geschichte komisch ist.

Wenn ja, wo stehen die Lacher?

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