|
Die Freiheit ist unsere Sicherheit
2002-05-01
Aus Erfurt ist zu lernen, daß die deutsche Demokratie nicht in der Lage sein wird, sich vor ihren inneren Feinden zu schützen.
Ein junger Krimineller besorgt sich - übern Schützenverein ganz legal per Waffenschein - eine Handfeuerkanone, die jedem unbescholtenen Bürger verboten (!) ist, richtet ein Massaker an, hält eine Stadt in Schach, das Land, den Kontinent, die Medienwelt in Atem - und kein Mensch hat ihn daran hindern können?!
Die Ermordeten von Erfurt gehen auf das Konto eines Staates, der die freien Bürger zu seinen Intimfeinden erklärt hat. Die Beschneidung ihrer Rechte ist ihm Gesetz. Nicht einmal der Hausmeister hatte eine Waffe.
Der Staat fällt jedem Bürger, der sich schützen und wehren will, in den Arm. Das selbstverteidigungsfeindliche Waffenrecht ist ein Verbrechen an der bürgerlichen Freiheit.
Eine beliebige Gruppe von Kriminellen oder Politkriminellen könnte es dem Killer jederzeit nachtun, lästige Lehrer (!!) aus dem Wege räumen, unsympathische Nachbarn, Rivalen, Rothaarige, Vollbusige, stolze Nasen, sonstige Unliebsame vernichten und die Macht im Lande übernehmen.
Ehe die deutsche Demokratie erwacht, und sie kann gar nicht wirklich wach werden, weil ihr die wehrhaften (!) Demokraten fehlen, ist es immer schon zu spät.
Deutschland demonstriert "unser" allergrößtes Verständnis für den Verbrecher und kehrt damit die erfolgreichste Seite der Deutschen heraus: sie haben sich mit beachtlicher Verve zu Jammerlappen und Feiglingen gemacht, nicht machen lassen, sie haben es selbst getan, frei nach der innenpolitischen Diakonie der evangelischen Kirche.
Die "Erziehung zum Frieden" trägt reiche Frucht, erweist sich an solchen Beispielen als die pure Kapitulation vor jedem kriminellen Aggressor. Wer diese Erziehung zu verantworten hat, der hat Erfurt zu verantworten.
Wer das Volk entwaffnet, wer die Menschen systematisch per Gesetz daran hindert, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen, wenn der Staat sie mit ihren Sorgen allein läßt, ist pflichtvergessen und macht sich schuldig.
Zu den sofort einsetzenden ministeriellen und mediellen Bemühungen, notwendige Umdenkprozesse gleich im Keim zu ersticken, möchte ich nichts weiter sagen. Es reicht, mit ansehen zu müssen, wie - immerhin: der Täter war 19! - nun alle 18-, 19- und 20-Jährigen zu Unmündigen und potentiellen Mördern degradiert werden.
Die politischen Genien wollen das Mündigkeitsalter wieder - wie zu Kaisers und Hitlers Zeiten! - auf 21 anheben. Aber irgendwann, irgendwann wird ja vielleicht auch über die Deutschen der heilige Geist sich ergießen.
Wir haben uns tatsächlich gefährlichen Politikern und Komplizen der Schwerstkriminalität ausgeliefert, die unter der Maske der Friedfertigkeit den inneren Kriegsverbrechern die Lampe halten und Rückendeckung garantieren. Kein Killer soll fürchten müssen, daß ihm irgendwer mal an den Wagen fährt; daß einer zurückschießt.
Das deutsche Volk ist ein Volk von Mitläufern geblieben, jedenfalls fordern es seine Wortführer ständig wieder auf, zu kuschen und klein beizugeben, auf die Hilflosen aber einzudreschen, falls die es wagen sollten, sich zu wehren gegen die staatlich sanktionierte Kriminalität.
Daß im deutschen Sprachgebrauch das Wort "sanktionieren" doppelwertig, ja, widerwertig ist, spricht für sich schon Bände.
Der miserable Zustand des Volkes ist das Ergebnis - deutscher - politischer Entscheidungen.
Nach dem Vorbild des Erfurter Massakers wird der nächste politische Putsch gegen die Demokratie ablaufen, falls nicht auch die Putscher so deutsch sind, daß sie auf halbem Wege stehen bleiben und sich selber erschießen.
Das wäre dann wieder ein Segen, wenn man dabei nicht gerade an den 20. Juli 1944 denkt. Da zerbrach die Tatkraft der Verschwörer prompt an der falschen Stelle. Für Hitler hatten sie solche Schwächen niemals an den Tag gelegt.
Die krokodilstränenreichen Nachgesänge der deutschen Politiker zu Erfurt täuschen darüber hinweg, daß die ermordeten Lehrer bislang keine Würdigung erfahren haben. Vielleicht mußten sie sterben, weil sie gute Lehrer waren.
Ein Primitiver beseitigt im Handstreich ein gutes Dutzend kluger, erfahrener, hochgebildeter Lehrer und Pädagogen.
Das Zahlenverhältnis sollten wir uns einprägen, wenn wir an die Beziehungen zwischen dem menschlichen Geist und der menschlichen Blödheit denken. In Erfurt stand der Blödmann auf gegen Vertreter und Tradierer einer hochentwickelten Zivilisation. Und sie waren ihrem Mörder hilflos ausgesetzt.
Aus diesem Grund könnte allerdings auch die ersten Zweifel hegen, wer sich in der Sache so sicher wähnt wie ich in diesen Zeilen. Vielleicht hat der Massenmörder Robert Steinhäuser nur das getan, was diese Zivilisation sich ohnehin schon antut, ohne daß darüber auch nur ein Hahn mehr kräht.
Die Beschränktheit ist zum Letzten entschlossen, während die Weltoffenheit sich eher vollmacht, als daß sie die Vollmacht sich erteilte: zu verteidigen, was wert ist, verteidigt zu werden.
Der Sieg der Schwachköpfe über die Intellektuellen ist das, was wir früher Faschismus nannten, der damals noch versnobt auftrat, was wir heute nicht mehr brauchen. Heute läuft alles ganz normal und unauffällig ab. Es ist bezeichnend, daß das Erste, was den Nachbarn an dem Killer auffiel, seine Unauffälligkeit war.
Psychologie ist Glückssache. Menschenkenntnis bleibt rar.
kokhaviv publications > NewCatch > online exclusive
© Copyright 1999 - 2002 kokhaviv publications