free download kokhavivpublications.com NewCatch - online exclusive The Dynasty

Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2002-03-28

Avram Kokhaviv

Durchatmen, immer wieder durchatmen

Mit Bianca Di Palma in der Ewigen Stadt

Bianca Maria Johanna Di Palma: Mord im Palazzo Spada. Commissario Caselli hinter den Kulissen. Roman
© Eichborn AG, Frankfurt am Main, März 2002

Ein Bildungsroman für den gehobenen Stadtbesuch. Der Leser erfährt viel über die italienische Renaissance, über Baustile, Architekten, Kunst- und Kulturgeschichte, von der griechischen bis zur nordischen Mythologie.

Der erste Eindruck, daß im Kontext des Romans die Beschreibungen von Einzelheiten in Ausstattungen, an Bildwerken, an Schmuck und Garderobe handelnder Personen, und die Blumen mit den komplizierten lateinischen Fachbezeichnungen, was stark an Romanliteratur der vorvorigen Jahrhundertwende erinnert und den überwältigten Leser wie systematisch vom Handlungsverlauf abschneidet, dieser erste Eindruck weicht einem zunächst weniger deutlichen, doch mit jenem einhergehenden zweiten: dem von der Liebe zur italienischen Sprache.

Die Autorin führt ein glückliches Leben in dieser Sprache, und die barocke Schreibweise, wo es um die Schilderung von Oberflächen und Äußerlichkeiten im übertragenen Sinne geht, kommt vielleicht aus dem italienischen Temperament. Es blüht und atmet und ist im übrigen doch wiederum sehr stark in Konventionen eingebunden.

Die unüberhörbare Liebe zur italienischen Sprache konkurriert mit einer gewissen Affinität zum italienischen Adel, der aber nicht wirklich vor uns erscheint.

Da sind Szenen aus dem Alltag, besonders im letzten Drittel des Buches, durchaus glücklicher geraten, so daß ein winziger Zweifel einkehrt, ob die Autorin ihren Weg denn gefunden habe.

Der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten ist die Arabeske. Dies gelte zumindest für Italien - und muß, glaube ich, verstehen, wer das Buch liest.

Die Autorin ist in ihrem Herzen, ihrem Sprachgefühl, auch wenn sie deutsch schreibt, Italienerin. Leider denkt sie auch ständig daran.

Der Leser durchlebt es Zeile für Zeile, wenn ihm die langen Namen der römischen Straßen, der Villen und Paläste, die umständlichen Namen und Titel der alten Aristokraten, auch wo sie jung, über Zunge und Lippen rollen.

Di Palma liebt das Spiel mit diesen schönen Wortklängen, und wer es nicht nachempfindet, versteht nicht, was uns die Autorin mitteilen will, versteht manches vielleicht falsch.

Was kümmert uns die Handlung des Romans, solange wir an der Sprache und am kostbaren Inventar der alten Häuser unser Vergnügen haben.

Regieanweisungen wie in einem Drehbuch. Der Mann steckt sich nicht einfach eine Zigarette an, sondern nimmt sie, das habe ich jetzt nachgestellt, aus der ihm gegenüber direkt unter dem Gemälde aus dem 13. Jahrhundert auf dem türkisfarbenen Marmor-Sims aufruhenden Silberschale mit der filigranen Gravur. Bei einer filmischen Aufbereitung ist so was hilfreich.

Die Arabeske dient dem Täter, weil sie die Ermittlungen behindert. Ein tot aufgefundener homophiler Schauspieler hatte eine alte Adelssippe aus den Fugen gebracht.

Der Kriminalfall bleibt trotz interessanter Ansätze belanglos. Der sizilianische Commissario mit der deutschen Mutter und der Erinnerung an Kaiser Friedrich II. plus Richard Wagner ist wie zufällig - oder halt nicht zufällig - da hineingeraten.

Schon ärgerlich, wenn nach der Lektüre wehmütige Erinnerungen aufkommen, als sei man wo gewesen und plötzlich herausgerissen worden. Die römische Legende lebt.

kokhaviv publications > NewCatch > online exclusive
kokhaviv publications > Buchbesprechungen

© Copyright 1999 - 2002 kokhaviv publications