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Die Freiheit ist unsere Sicherheit
2002-02-23
Aus dem Bus oder der Straßenbahn aussteigen. Aus einem fahrenden Zug aussteigen, aus dem Flugzeug über Manhattan. Vom Kutter springen, ehe die Küste in Sicht ist.
Aus der Politik aussteigen. Als Staat.
Das kann man alles machen, wenn einem danach ist. Aus dem Diskurs aussteigen, die Debatte verlassen, die Kommunikation hinter sich tun. Das ist möglich wie vieles andere auch.
Aussteigen ist nicht gleich Aussteigen. Ob auf dem Bahnhof oder während der Fahrt, das ist nicht das gleiche, schon gar nicht dasselbe.
Nach dem Ausstieg sieht alles ganz anders aus. Du begrüßt deine Freunde in der Flughafenhalle oder auf der Intensivstation, falls du nicht schon im Blechsarg liegst und nur noch Formalitäten verursachst. So einer macht halt Scherereien.
Wer aus einer Talkshow plötzlich aussteigt, spielt vielleicht nicht gleich mit seinem Leben, obwohl man nirgendwo ganz sicher ist.
Steigst du aus dem Geschäft aus, einem florierenden oder gerade bankrott gehenden Unternehmen, hernach ist alles anders, aber eben anders anders, nicht auf gleiche Weise.
Vielleicht bist du so oder so arm wie eine Kirchenmaus.
Du kannst im 42. Stock aussteigen, aus dem Fahrstuhl oder durchs Fenster. Der Flug vom Dach ist eine Sensation und ein perfekter Ausstieg.
Nach deinem Ausstieg steigen auch andere aus, wer weiß. Das Gesetz der Serie ist tatsächlich ein Gesetz, nicht nur geflügeltes Wort oder Aberglaube.
Wenn einer geht, verändert sich das Koordinatensystem. Starke Rolle, starkes Loch, schwache Rolle, schwaches Loch, da mag man sich auch täuschen, aber ausgeglichen werden muß, so oder so, in beiden Fällen, auf jeden Fall. Sonst leidet die Statik. Ein Laden braucht sein Gleichgewicht, die innere Verteilung, wie es sich gehört.
Der Aussteiger der sechziger und siebziger Jahre hatte zwei Seiten, eigentlich existierte er mindestens zweimal. Aussteiger war nicht gleich Aussteiger.
Der eine ertrug das gesellschaftliche Leben nicht und sprang in die Freiheit, der andere lebte nur noch von seinem Vermögen.
Der eine folgte seiner innegewordenen Idee, vertraute auf alles und sprang ins Nichts, der andere zog seine Altersruhe vor.
Der schwierige Weg und der leichte Weg. Mit Geld ist es keine Kunst. Ohne Geld war's eine Lebenskunst höchsten Ranges.
Wer im Flughafen aus der Maschine steigt, tut, was alle tun, die aufs Fliegen nicht verzichten wollen.
Wer unterwegs aussteigt, wer das Fliegen ernst und sozusagen beim Wort nimmt, wer einfach mal sehen möchte, wie's dahinter aussieht, der, ja der ist möglicherweise auch imstande, eine Passagiermaschine auf dem Linienflug mit friedlichen Normalaussteigern an Bord ins World Trade Center umzudirigieren.
So kann jeder mal den zweiten Ausstieg kennenlernen. Den totalen, unwiderruflichen.
Und auf das Erlebnis verzichten, beim eigenen Begräbnis dabei zu sein. Die neue israelische Politik richtet sich offensichtlich darauf ein, doch noch dabei sein zu dürfen.
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