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Die Freiheit ist unsere Sicherheit
2002-02-21
Der Spaß an der Freud. Sich freuen und noch Spaß daran haben. Lebensziele aufgestellt, nur um ein Ziel, dann noch eins. Nahziel und Fernziel. Das Ferne räumt dem Nahen den Platz frei.
Das ist doch ganz einfach: Wenn du nur das Häuschen mit der Linde vorm Dach siehst, endet die Landschaft mit dem kleinen Haus. Es bildet den Horizont, danach kommt nichts mehr.
Hast du ein Fernziel, weit hinten, kannst du getrost deiner Hütte entgegensehen. Es ist noch nicht das Ende.
Der Landschaft ist es egal, ob du ein paar Ziele mehr oder weniger steckst, auch mit dem Ergebnis wirst du nicht viel anfangen können. Der Weg indessen ist dir sicher.
Den Weg, das Wie, wie du hinkommst, wohin du willst, deine Ziele richten es aus. Die Ziele bestimmen den Weg! Kilometersteine am Straßenrand sind Zwischenstationen; sie helfen dir, die Zeit nicht nach Minuten zu zählen.
Auf der Straße. Mit dir? Du träumst, lebst weitweg, in Wolken und Himmeln, Erinnerungen, Phantasien. Du bist auf diesem Wege nicht von dieser Welt.
Wie wenn du schreibst oder einem andern Handwerk nachgehst. Wenn du arbeitest, um die Welt zu vergessen. Jede Kunst gibt dir, was ohne Gott fehlt.
Gottes Hilfe ist nicht für jeden Fall gedacht. Nicht bei jeder Gelegenheit kannst du Gott anbetteln, daß er dir aushelfe. Gott pumpt man nicht an. Man fragt ihn nur, wie man's anstellen soll.
Auch den Trick mit den Zielen hast du von ihm. Alles bleibt abstrakt, ich weiß nicht, von was abgezogen, wenn du über deine Sorgen nicht sprechen willst.
Deine Verhüllungsliteratur ist so unverhüllt, sie tarnt sich nicht einmal, das macht sie so absurd, wenn man's versteht, daß die Welt auf einmal wieder schön wird.
Das Leben ist unerträglich, wenn alles reibungslos abläuft. Ohne Stolpersteine auf dem Feldweg bist du ein sterbender Asphaltwandrer. Die Langeweile schafft dich noch. Wie machst du das bloß, in dieser Leere dich zurechtzufinden? Wie schaffst du das bloß?
Ich lasse mir nicht in die Karten gucken. Liebesgeschichten schreibe ich nicht auf. Einer vom alten Schlag. Ich beweise, daß die Welt ihre Schönheiten und ihre Schwächen hat, diese mit "ä", wie Schwären, das Häßliche, Schäbige, Niederträchtige, Erbärmliche und Jämmerliche. Mir wird noch mehr einfallen.
Rund um die Uhr, dieser Alltag. Meine Vorliebe fürs Handwerkliche... Ich habe in der Schmiede gewuchtet, Kartoffeln geerntet, die Baumwolle über den Sommer gebracht, konnte nicht bleiben, bis es so weit war.
Pferde striegeln, einspannen, den Sattelgaul, das Handtier wechseln. Rinder mit Rüben gefüttert. Ich habe Steine wachsen sehen. Es wollte nicht enden. Und keine Kuh gemolken.
Die Hilti-Maschinen, die ich reparierte, existieren nicht, weil Hilti seine Maschinen selbst repariert.
Auf dem Bau alles gemacht und vieles ausgelassen, bis sich die Eisen bogen, doch nicht geflochten und nicht gelogen, nur mein Leben ausgeschmückt, Akzente gesetzt.
Himmelkreuzdonnerwetter, hätte jeder getobt, ich blieb geduldig und fand mich ins Geschick. Ein tolles Leben. Oft bis zur Erschöpfung.
Dabei bin ich reich geworden, unermeßlich reich geworden. Reich in der Liebe, reich an Kindern, reich in der Seele. Ich bin der Beweis. Meine Trauer ist ganz anderer Art.
Mein Denken und Schreiben hat sich, hat mich vom Leben abgelöst. Ich trete aus allem heraus und betrachte mein Leben, meine Familie, unsere Zukunft von außen und tief innen zugleich.
Ich bin der Adler am Himmel und der Maulwurf in den Gründen unserer Existenz, der Rabe, der seine Figuren macht, sich seins denkt, ohne mehr als Krah zu sagen, ein bißchen mehr, aber nicht viel mehr.
Der Rest ist nicht Schweigen, sondern Quatschen.
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