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Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2002-02-10

Avram Kokhaviv

Isis und die Alternative

Über positives und negatives Denken

Isis, die ewige Mutter, der Frieden, der die Schöpfung zusammenhält, das erscheint uns nur so. Die Spannung hindert es, sich einzufalten.

Wie alles sich ereignet: es zu akzeptieren, nicht in Zweifel zu ziehen, ist positiv gedacht, nicht wahr. Pickst dir die Rosinen heraus, die den Blick auf den eintönigen Kuchenteig stören, triffst eine Auslese, schon vollziehst du eine negative Handlung.

Das negative Denken ist das kritische, wem sage ich das, ist die Alternative zu Isis, der Mutter auch als werdender. Die Mutter ist vorübergehend der Engel des Lichts, obwohl du nicht weißt, was daraus hervorgehen werde.

Wolfgang Pohrt sagte mir einmal, wenn du angreifst, hast du recht, sobald du für eine Sache einstehst, sie verteidigst und gutheißt, scheint nichts mehr zu stimmen. Ich habe Pohrts Gedanken ein bißchen fortgesetzt. Denn so ist es, so ist es auch gemeint gewesen. Das negative Denken und Schreiben scheint das wahre, auch das wahrhaftigere zu sein. Als ob niemand recht glauben möchte, daß einer auch mal was Gutes über dies oder das, über diesen oder jenen schreibt.

Die Negation der Negation, ich will damit nicht in den dialektischen Diskurs der sechziger Jahre zurückgleiten, ist aber doch die Ursache solcher Wertungen. Denn die Kritik nimmt sich ja nur das Kritikwürdige vor, möchte man meinen und wünschen, und dann ist sie produktiv, schöpferisch, auch im Sinne der Göttin Isis gut.

Positiv sei der Glaube, die Hoffnung, die Zuversicht; aber ist nicht die Hoffnung auf eine bessere Welt die mehr oder weniger bestimmte Negation der gegebenen? Da findest du, daß im Hebräischen die Zuversicht der Torheit der Gottlosen gleich sei. Dem Sternbild des Orion, an dem die Ägypter hingen, der nicht half und nicht helfen konnte, als Ägypten seine größte Not erlebte. Orion, das war der Gott Osiris, der Vater der Hathor und des Horus, Isis war ihre Mutter. Orion, der größte Jäger, war am Himmel festgemacht, er rührte sich nicht von der Stelle. Seit biblischen Zeiten, als der zerstörerische Gott vom Sinai, dieser erstaunliche Negator und Schöpfer, es erwähnte, ist es so, und lange vor dieser Zeit. Kein Mensch konnte sich erinnern, daß es je anders gewesen. Und die Hoffnung, daß es sich ändern werde, war töricht und ist es geblieben.

Die Hoffnung um der Hoffnungslosen willen, na gut; sie wissen es besser, sie sollten Schluß machen, machen sich was vor, lassen sich etwas vormachen, weil sie es besser wissen, aber leben wollen.

Irgendwer schrieb, daß Optimismus Feigheit sei. Der Mutige schaut der Zukunft ins Gesicht. Das Leben zwischen gestern und morgen ist diese Torheit. Die Dummheit ist eine späte Erscheinung. Stumm und taub sind und waren die Menschen geworden, sie hörten und sprachen nicht mehr, nicht die ewige Sprache der Götter.

Der Optimismus ist die Religion des Fortschritts, daß alles besser werde, nur besser werden könne. Der Optimismus geht von dem entwesten Gedanken aus, daß nichts gut sei. Der Pessimismus fügt nur hinzu: dabei werde es bleiben.

Das schamanische Denken, von Shem hergekommen oder übernommen und anverwandelt: alles ist von den Geistern und von ihnen erfüllt.

Sie hörten und sahen, ehe sie sprachen. Sie lasen die Spuren, von denen die Erde voll war wie der Himmel. Sie brachten es miteinander in Einklang. Die schriftlose Erinnerung ist eine Tautologie. Die Schrift hilft dem nachlassenden Gedächtnis, hat es bedürftig gemacht. Als die Zeichen Schrift wurden, schwand das Geheimnis und mit ihm das Einssein. Nie hätte die Menschheit geboren werden dürfen. Doch es geschah, und wir können ohne Hoffnung auf eine Rückkehr und Heimkehr nicht mehr leben.

Im messianischen Denken ist diese Hoffnung projiziert auf den Messias, der kommen bzw. wiederkommen werde. Die gläubige Christenheit hofft auf die Wiederkehr Christi.

In Wahrheit und wahrhaftig sind die Menschen es, die zurückkehren wollen ins Paradies, in eine jenseitige und gute Welt. Sie sehnen sich heim und verbinden ihren Glauben gewöhnlich mit dem Tode.

Im christlichen Denken ist das Jenseits die Zeit nach diesem Leben oder das Aufgeben der Zeit für eine Zeitlosigkeit im Tode, der mit himmlischer oder höllischer Einkehr verbunden wird, je nach Ausgang des Gerichts. Das Paradies gleich nebenan ist dem christlichen Denken fremd oder im christlichen Geschichtsraum nicht zur Geltung gekommen. Das Schicksal, aus dem Schöpfungszusammenhang herausgefallen zu sein, ist tragisch, weil wir diesen Zustand erkennen und verstehen, aber nicht ändern, nicht rückgängig machen können.

Das schamanische Denken weiß es zeitlos besser.

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