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Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2002-01-17

Avram Kokhaviv

Wenn du ein noch aus nicht wissest

Neulich ein Gespräch mit dem Peruaner, der in Köln studiert

Was er von dem Krieg in Afghanistan halte.

Das sei ein Dilemma.

Ob es ein schmutziger oder ein gerechter Krieg sei.

Das komme auf die Sicht an.

Was er denn denke, welche Sicht die seine sei.

Schwer für einen "Drittweltmann", eine Meinung zu äußern, die daheim nicht erwünscht, mithin politically incorrect ist?

Nun haben wir diesen Krieg in Afghanistan.

Im Zweifelsfall schlage ich mich zu den Schwächeren.

Das wären ja die Taliban, kommt der Einwurf aus Kolumbien.

Gibt es den gerechten Krieg? Wenn sich Schwächere gegen Überstarke zur Wehr setzen, ist das wohl gerecht, oder nicht?

So wäre der Terror gerecht?

Eine Grundfrage lautet, was der Terror auf Manhattan mit Afghanistan zu tun habe.

Eine andere: Warum bombardieren die USA nicht ihre Verbündeten Kuwait und Saudi-Arabien, wo die Suicid-Piloten herkamen?

Die Taliban haben gesagt, daß sie Osama Bin Laden nicht an Ungläubige ausliefern werden. Das ehrt einen Moslem.

Was hat Osama Bin Laden mit den Anschlägen auf Amerika überhaupt zu tun? Das ist bisher unerfindlich.

Ein Riese ist der Schrecken seiner kleinen Nachbarn. Wehren sich die Kleinen dagegen, nennt ein Riese es schrecklich ungerecht, weint das Krokodil dicke Tränen.

Jedes Märchen ist so erzählt und aufgeschrieben, daß der Lauscher und Leser die Hypokrisie erkennt; die Sprache läßt eine andere Deutung nicht zu.

Der arme Riese, dem so fürchterlich zugesetzt wird, ist wirklich zu bedauern. Der Satz läßt sich nur spöttisch verstehen.

Der Riese schlägt um sich, trifft jedesmal einen Schwachen, doch niemals den Schuldigen, den es vielleicht auch gar nicht gibt, wenn man von dem Riesen mal absieht.

Die Angriffe auf Amerika waren schreckliche Ereignisse; das ist nicht spöttisch gemeint.

Der Angegriffene war und ist eine Supermacht, die darauf reagieren muß, reagiert hat und immer noch reagiert.

Ihre Schläge sind wie Schläge ins Wasser.

Die Fama unterliegt einer bestimmten Gesetzlichkeit.

Wenn im Altertum Städte verwüstet wurden und Weltreiche stürzten, gingen viele Menschen zugrunde, Gerechte und Ungerechte.

Die Überlieferung spricht uns nicht oder kaum von den Menschen. Sie sagt uns: Sehet, dieser hochmütige Herrscher, dieser allmächtig sich dünkende Imperator stürzte wie sein Reich, wie seine Werke stürzten, nur die Ruinen sind uns geblieben.

Wenn wir die alten Stätten betreten, um nach älteren Spuren zu forschen, vergessen wir gern, daß nicht wir, nicht Leute wie wir, in diesen Mauern lebten und liebten und herrschten und Gott oder die Götter versuchten.

Ich sehe mich als Bausklaven oder Schmiedeknecht oder Hiobsboten, als einen der Unvergessenen, die niemals vergessen werden konnten; denn niemand hatte sie je gekannt.

Wahrscheinlich schrieb ich auf, um es irgendwo wegzulegen oder zu verlieren.

Doch Leute wie wir?

So wird es mit Amerika sein. Seine zahl- und namenlosen Opfer werden die Nachricht überbringen, werden es ihren Kindern und Kindeskindern hinterlassen:

Der Riese stürzte zu einer Stunde, als er sich unstürzbar dünkte. Er hatte den Glauben an die Zeit zu den Akten gelegt.

Er war der zeitlose Abschluß der Geschichte.

Da geschah es.

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