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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...
2002-01-05
Von der Politik Abstand nehmen. Das Gesellschaftliche hintanstellen, etwa zugunsten des Privatlebens. Das ist mir immer wichtiger geworden.
Früher hätte ich gesagt, wo ist der Unterschied, die Politik reicht ins Private herein. Privates gibt es strenggenommen nicht. Und solange die Politik ungefähr so ablief, daß man mit ihren Ergebnissen zufrieden sein konnte, lag der kritische Unterton mehr auf dem Privaten. Habt euch nicht so, es läuft doch alles ganz gut.
Das ist anders geworden. Für mich ist vieles anders geworden. Früher war Resignation Spielgeld, eine philosophische Metapher, mit der sich manches erklären ließ. Aber jetzt ist es ein Abschluß.
Es ist was abgeschlossen, ich weiß nicht was. Irgendwas. Was mir wichtig war, mir Hoffnung gab, das ist vorbei.
Nichts ist mir heute wichtiger als mein Privatleben, meine Familie. Vielleicht ist das ja auch philosophisch fundiert oder fundierbar.
Hier ist Vergangenheit und Gegenwart, hier ist Zukunft, alles beisammen, nicht nacheinander, sondern zur gleichen Zeit. Konkret und nicht abstrakt.
Wenn vier Generationen miteinander leben, gibt es auf jede Frage eine Antwort. Die Politik betrifft mich nicht mehr, was natürlich nicht wahr ist. Sie betrifft uns allesamt und jeden einzelnen, sie entscheidet über uns, unser Leben, unsere wirtschaftlichen Verhältnisse.
Früher hatte ich das Gefühl, gefragt zu sein, als Mensch, als einfacher Bürger. Mag sein, es hing mit dem Kalten Krieg zusammen.
Damals waren auch die sozialen Verhältnisse in einem vertretbaren Rahmen. Der Sozialismus spielte die große Posaune, er war die Zukunft und die soziale Gerechtigkeit.
Der Kapitalismus nannte sich soziale Marktwirtschaft und machte alles viel besser; aus dem Ärmel und ohne Getöse.
Ein Konkurrenzkampf fand statt, den ich, als er tobte, gar nicht wahrnahm. Ich glaubte eben doch an den Klapperstorch und an die menschenfreundliche Seite des Kapitalismus, den ich im negativen Sinne nicht wirklich kennenlernte. Der Staat glich aus.
Die harte Tour läuft erst seit dem Ende des Sozialismus. Niemand will den zurückhaben, nicht einmal seine Anhänger; sie haben sich in den Kapitalismus verliebt und an seine Freiheiten gewöhnt.
Immerhin: Während der Staat bei den Kleinen nur noch feste absahnt, macht ALDI handfeste Sozialpolitik. Zum Ärger der Größern und Grünen.
Kundenfreundliche Preisgestaltung ist humane Konkurrenz wider die Monopole, das ist demokratisch: Opposition. Und stärkt nebenbei auch die Währung.
Das ist mit den Kriegen nicht anders. Die moderne westliche Welt "fürchtet" die - atomare, chemische, biologische, genetische, demografische (!) - Katastrophe und verhindert die kleinen Kriege. Das ist der große Krieg. Die kleinen Kriege waren aber das Salz dieser Erde.
Die Verhinderung der kleinen Kriege ist der große Krieg, er nennt sich bloß anders. Die kleinen Kriege sind die Kriege der Kleinen.
Kleine Kriege sind den Großen nicht an und für sich zuwider. Sie lieben sie als Stellvertreterkriege.
Zuwider und lästig ist ihnen die Souveränität der Kleinen. Die Großen - und Highlander kann zuletzt nur einer sein - haben die Souveränität für sich reserviert.
Die Großen sind sich einig darin, daß der Besitz von Massenvernichtungsmitteln eine Gefahr für die Menschheit darstellt.
Sie vergessen dabei gern, daß sie - und zuletzt als einzige - diese Mordwaffen besitzen - und bereits eingesetzt haben. Die Bevölkerungsexplosion ist die ökologische Rechtfertigung ihrer Völkermordpolitik. Die darf nicht unterlaufen werden.
So ist unterderhand eine globale Zweiklassenstaatengemeinschaft von Herren und Sklaven entstanden. Wer der unteren, also der nichtsouveränen Klasse angehört und sich aus dieser mißlichen Lage befreien möchte, indem er es jenen gleichzutun versucht, wird zum Schelm und Terroristen.
Das hat mit internationaler Gerechtigkeit nichts zu tun; vielmehr demonstriert ein neues Faustrecht das Ende von Balance of Power.
Politische Abstinenz empfiehlt sich jedem Nichtsouveränen. Nur so erlangt er einen Teil des Verlorenen zurück.
Die Politik geht ihn nichts mehr an. Er macht jetzt seine eigene Politik. Auch im Bereich der sonst propagierten Privatisierung des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, letztlich politischen Lebens entsteht eine Zweiklassenwelt.
Jetzt bleibt nur noch die Frage zu beantworten, mit wem die einen und mit wem die anderen sich zusammentun sollen oder schon zusammengetan haben.
Wie ich die Dinge sehe, sind die Nichtsouveränen noch etliche Schritte, wenn nicht Meilen zurück. Früher hatten sie für solche Situationen den Mao Tse-tung, Lin Piaos Theorien vom Volkskrieg, Che Guevara, die Stadtguerilla und ähnliches mehr.
Jetzt sind wir ganz schön aufgeschmissen, wenn nicht bald einem was ganz Tolles einfällt. Den Islam als Klassenkampf- und Befreiungstheorie hatte ich mir irgendwann in den Kopf gesetzt. Aber es reichte mir noch nicht.
Die verwandtschaftlichen Differenzierungen in den alttestamentarischen Berichten über Abrahams Clan schienen mir den Gegensatz zwischen Herren und Sklaven deutlicher als etwa der Quran hervorzuheben.
Alles bedarf des revolutionären Zündstoffs im Zusammentreffen von Theorie und Praxis, Denken und Wirklichkeit.
Den Islam hatte ich bereits vor einem Jahrzehnt als eine Übergangsstrategie zu diesen notwendigen Auseinandersetzungen relativiert. Das mag ebenso für die toranische Beigabe gelten.
Was nun?
Finden wir keine schnelle Antwort auf die drängende Frage? Wo vier Generationen zusammenkommen, gebe es doch, wie behauptet, auf jede Frage eine Antwort.
Wenn wir nur wieder auf den lieben Gott zurückkommen, weil uns Menschliches dazu nicht einfällt, haben wir ein Manko zu verzeichnen.
Feststellen läßt sich schon jetzt, daß es mit der politischen Abstinenz wohl nicht so weit her ist.
Antwort auf aktuelle Fragen kann uns nur aus der täglichen Praxis werden. Theorien, die sich aus der Geschichte herleiten, mögen hilfreich sein, sie können die Konsequenz aus einer konkreten Analyse der konkreten Situation nicht ersetzen. Das ist grundsätzlich nichts Neues. Dabei ist zu bedenken, daß die Nutzung historischer Erfahrung hypothetischen Charakter hat.
Die sachorientierte Prüfung nimmt uns niemand ab, auch kein Gott vom Sinai, der jedem nur raten kann, Herr der Lage und Meister des eigenen Gedankens zu werden.
Wir reden vom Vater der Dinge, dem Krieg, ohne die Mutter zu erwähnen. Wer ist nun die Mutter? Der Frieden ist die Mutter der Dinge.
Der Vater ist die Antwort auf die Mutter; der Vater macht die Mutter überhaupt erst zur Mutter. Ohne den Vater ist keine Mutter, wie ohne die Mutter kein Vater ist.
Das schöpferische Prinzip, eben das männliche, äußert sich in der Störung des Friedens. Inkubation ist der gestörte Frieden.
In der chinesischen Denkwelt haben wir die Urprinzipien Yin und Yang, die ständig miteinander streiten oder harmonieren. Sie machen die Dinge möglich und wirklich.
Das monotheistische Denken hat damit ein Problem am Hals, dessen Lösung womöglich die gesuchte Antwort auf unsere akuten Fragen enthält.
Nehmen wir das babylonische oder indische oder polytheistische, heißt: Prinzip des Friedens und Miteinanders als die Mutter der Dinge, so wird der akute Schöpfungsakt zur Friedensstörung, die Störung des Friedens zur Inkubation als gestörtem Frieden.
Gog und Magog wären wie man and woman und Harmageddon der kommende oder bereits gekommene Schöpfungstag von Yang in Yin, die Wiederzuwendung Gottes.
Der Heiligen Hochzeit Geschöpf und Schöpfung die messianische Zeit.
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