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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...
2002-06-28
Seelenlandschaften sind Abdrucke. Die Landschaften der Seele sind Landschaften der Erinnerung. Sehnsucht und Heimweh geben sich ein Stelldichein und wissen von sich nur das geringste. Das Geringste ist die hinterlassene Spur.
Ich glaube daran. Die Bilder sind unsere Erinnerungen. Was wir in der Seele aufbewahren, was uns heimsucht, wenn der Wind weht, als würden die Götter uns rufen, ist, es steht schon geschrieben, unsere Heimsuchung.
So viele Heimaten hast du hinter dir gelassen. Wechselnd tragen sie sich an. Das Gebirge, die Wälder, das Meer und die Wüste. Steppe und Taiga, die Savanne, die dich wieder haben will, die dich zurück haben will.
Seelenwanderungen sind von bisher unbedachter Art. Nicht individuelle Seelen wandern über die Jahrhunderte von Körper zu Körper, Besonderem zu Besonderem. Die Seele geht in sich. Binnenwanderungen sind Erinnerungen, aber so plastisch und lebendig, daß sie wie Entdeckungen fremden Landes erscheinen und erlebt werden und die des Staunens bedürfen, um sich im Ursprung wieder zu finden. Das ist aber unmöglich.
Carl Gustav Jung hat bei seiner Ablösung von Sigmund Freud das kollektive Unbewußte hervorgekehrt, das er in der literarischen Überlieferung, den Märchen und Mythen wieder entdeckte.
Zwischen Freud und Jung tat sich auf einmal die Kluft zwischen dem orientalischen und dem okzidentalischen Seelenhaushalt auf. Freuds Assoziationen wurden zur jüdischen Erinnerung, während Jung aus dem Nordischen schöpfte.
Jung hat es später bereut. Wie ein Schatten - der Schatten wird schließlich zum Jungschen Begriff - verfolgten ihn die historischen Konsequenzen dieser Kluft. Es war die Stunde der Wahrheit.
Jungs Stunde der Wahrheit war ein seelisches Konzentrat, eine Art Seelenmonade der analogen historischen Zäsur.
Kollektivgeschichten transportieren kollektivspezifische Erinnerungen, die von Generation zu Generation, berichtend und genetisch, weitergegeben werden. Genese und Bericht sind schließlich nicht mehr oder kaum noch zu trennen. Die Ereignisse sind der Bericht. Andere gibt es nicht oder nicht mehr. Das Zeitliche wurde gesegnet, ewig ist der Bericht.
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