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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...

2002-06-27

Felix Pech

Ein orthodoxes Islambild

Wie Todfeinde unter einem Dach überwintern

Die Abweichung ist von fataler Größe. Byzanz soll mit Mekka einig werden: als programmierte Widersprüchlichkeit.

Das christ-orthodoxe Islambild findet seinen Platz unter den Dächern Rußlands.

Der russische Reichsgedanke deckt sämtliche Völkerschaften ab.

Unabhängig von ethnischer Kultur und Religionszugehörigkeit leben die Völker Rußlands unter dem Schirm des Reiches.

Das russische Volk ist das herrschende Reichsvolk. Darin unterscheidet es sich von den unterworfenen Völkern.

Die eingegliederten und angeschlossenen Völker des Reiches sind dies nicht aufgrund ihrer freien Entscheidung.

Rußland hat es immer verstanden, den Anschein von Freiwilligkeit zu erwecken.

Die Unterworfenen wurden ihrer souveränen Führer entledigt. Hörige Freunde Moskaus oder Petersburgs übernahmen deren Rolle.

Das russische Reich ist ein Friedensreich. Wer das Reich nicht anerkennt, ist ein Friedensfeind.

Rußland und Frieden und Welt sind dasselbe. Das Wort MIR hat die Bedeutungen von Welt, Weltall, Erde, Reich und Frieden. Die russische Sprache dient der russischen Politik: Rußland ist die Welt des Friedens. Das Universum ist Das Russische Reich.

Wer sich der Zentralgewalt Rußlands unterwirft, ist ein Freund des Friedens.

Ein Islam, der mit Rußland in Frieden leben will, muß sich unterwerfen. Rußland hatte und hat in "seinen" islamischen Republiken willfährige Friedensfreunde, die im Bedarfsfall den (weißen oder roten) Zaren erfolgreich um "Hilfe" anrufen.

Die anfängliche Absicht, Rußland in seiner Reichsform interessant, unter Demokraten akzeptabel zu machen, erhält einen Dämpfer.

Um mit Rußland - im Sinne von Rechtsstaat und Demokratie - Frieden schließen zu können, muß man Rußlands Geschichte vergessen.

Oder alles muß sich von Grund auf so ändern, daß man - auch ohne zu vergessen - Rußland politisch erträglich finden kann.

Wir haben ein mindest zwiefaches Defizit an Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit zu verzeichnen.

Islamische Republiken unter der Fahne Rußlands haben nicht mehr, aber auch nicht weniger Freiheit und Demokratie als alle anderen islamischen Staaten, ob nun Republiken oder Königtümer.

Offenbar haben wir zunächst dieses Hauptproblem zu erkennen.

Im "Osten" wird die demokratische Staatsform als typisch westlich, mithin unübertragbar relativiert.

Der Islam wehrt sich mit Händen und Füßen gegen den demokratischen Gedanken, der vertrage sich nicht mit der Einzigen Souveränität Allahs, was natürlich ebenso fürs Judentum und fürs Christentum gilt.

Die Demokratie als Rechtsstaat und mit dem Prinzip von Gleichheit vor dem Gesetz ist auch auf die Torah zurückzuführen.

Explizit als Demokratie ist diese Staatsform eine Erfindung der Griechen. In Griechenland ging die demokratische Idee - sie galt nur für die herrschenden Schichten - mit der Philosophie einher, die aus dem Verlust ernster Religiosität entstanden war.

Die Demokratie per Gesetzesgedanken an die toranische Botschaft vom Sinai anzubinden, geht nicht ohne Augenzwinkern. Strukturell hat die Gemeinschaft des biblischen Volkes nichts Demokratisches vorzuweisen.

So bleibt die Demokratie ein Produkt des Atheismus. Der Gleichheitsgedanke nahm Abschied vom Gesetz, um sich als Instrument des Relativierens zu bewähren.

Alles ist gleich, und alles ist erlaubt, so gelangte die wahrhaft letzte geistige Botschaft des vergangenen Jahrhunderts in dieses.

Die Botschaft des Alles-ist-erlaubt scheint von Dauer zu sein.

Doch traut dem Scheine nicht, Verdammte!

Entrinnen werdet Ihr nicht.

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