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Der Krieg ist der Vater der Dinge. -HERAKLIT
2002-08-25
Zu:
2002-08-21
Avram Kokhaviv
Biotelie
Eine Chance?
Eine wissenschaftliche Provokation?
Rückantwort und Weiterführung
Ich nehme das ernst.
Gotthilf Foerster hat ein paar Anmerkungen gemacht, auf die ich eingehen will.
(...)
Festzustellen ist, daß alle in der Schriftart New Times Roman wiedergegebenen Sätze eben keine Anmerkungen* von mir sind, auch erinnere ich mich oft nicht an solche Texte, aus denen sich die gegebenen Zusammenhangsdarstellungen ableiten ließen.
Über Abstammungslehre beispielsweise handelt mein Buch ganz und gar nicht.**
Die Entstehung des Menschen ist ein qualitativer Sprung. (...) Der Mensch als Affenart oder Weiterentwicklung des Affen ist arten-biologisch interessant, seinsgeschichtlich jedoch unerheblich.
Der Darwinschen Lehre läßt sich - genauso bedeutungslos - die Behauptung entgegen setzen, daß der Affe vom Menschen abstamme, daß der Mensch eine äffische Frühgeburt sei.
Die fehlende Behaarung und deren Zunahme mit dem Alter läßt das Tierische am Menschen als künftig, nicht vormalig, erscheinen. Die ausgewachsenen menschlichen Schädelformen ähneln denen der Orang-Utan-Kinder.
Nie würde ich bestreiten, daß mit dem Menschen ein qualitativer Sprung vollzogen ist. Daß der Mensch sich wie ein Primatenbaby seine Universalität erhalten hat, nicht in eine Spezialisierung eintrat, ist inzwischen als seine "Fetalisation" verbreitete Überzeugung bei Biologen. Des Menschen Schutzlosigkeit verweist ihn auf den Intelligenzgebrauch. Die Großhirnentfaltung hat aber ebenfalls ihre Geschichte: der Geist ward ihm nicht nur so angehaucht. Denn die Grundabhängigkeit, der Grundzusammenhang mit dem Körperlichen ist durch die Evolution gegeben, die aber noch weitgehend erst zu erforschen ist. (Wenn wir noch dazu kommen: Das Material dazu zerstören wir ja rasant.)
Der westliche (abendländische) Mensch wollte die Welt verändern, wie er sie jetzt vor ihrem Ende bewahren will. Es ist aber seine Geschichte, ist seine Welt, die in Frage steht.
Wie es ein Vorher gab, so wird es ein Nachher geben. Widerrudern ändert nichts, der Fluß ist ein wandernder Weg (Pascal).
Eine Weltstaatstheorie, die nicht totalitär wäre, ist keine. Alles unter einen Hut bringen zu wollen, ist totalitär.
So wie die Kleidung Fellersatz, so ist der Staat Instinktersatz (nach Ansicht mehrerer Gelehrten); die meisten meinen, der Staat löse sich auf: ich meine er wird immer unentbehrlicher. Der Ruf nach dem starken Staat bedroht uns mit Diktatur, wenn wir nicht einen Rechtsstaat gründen, der seinen Namen verdient. Wollen nicht die Islamisten alles unter einen Hut bringen, auch das, was nach der Auffassung von Milliarden anderer Menschen nicht unter einen Hut gehört? Die Verteidigung der Lebensgrundlagen aber ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die nur noch ein Weltstaat bewältigen kann. (Auch hierin herrscht ziemliche Einmütigkeit in der Wissenschaft, wenn viele auch von "Weltgesellschaft" sprechen.)
Dagegen ist die Erkenntnis, daß die Dinge ohnehin so laufen, wie sie laufen können und sollen, eine Theorie der Befreiung. Leibniz wußte es - spät genug - schon vor dreihundert Jahren.
Bequemlichkeit ist ohnehin eine "Befreiung"; war es immer für "die Vielen". Gott sah nach seinem Schöpfungsakt: "und es war alles gut". Aber indem er den Menschen schuf und dessen Erkenntnis zuließ, tritt ihm Kritik entgegen.
Wissenschaft diene der Erkenntnis. Eine Wissenschaft, die sich intentionell - so oder so - verändernd einmischt, ist aus dem Schöpfungszusammenhang bereits herausgefallen.
Eine Wissenschaft, die die Politik beraten will, tendiert zur Verstaatlichung.
Ja und nein. Die biotele Begutachtungsorganisation wehrt eine Interessenbeeinflussung auch von Seiten der Staatsdiener ständig ab. Im Sinne des Aspektes der PLURALITÄT als Vielfalt und im Sinne der SUBSIDIARITÄT, des Aufbaues von unten her, wird ständig versucht, im Sinne des Aspektes der AUTONOMIE Freiheit und Unabhängigkeit zu bewahren und aufzubauen. Die Wissenschaft mischt sich immer verändernd ein, das ist schließlich ihr Wesen. Neugierde des Menschen ist Voraussetzung von Wissen und von Überleben, aber dies ist doch nur eine Seite: denn der Mensch drängt zu AKTIVITÄT, d.h. zum Handeln und zur Macht. Unter dem Aspekt der HYPARCHIE, der Minimierung von Gewalt, Zwang und Bedrohung soll jedes Gesetz, auch jedes Parlamentsgesetz dahingehend überprüft werden, ob das Ziel auch mit weniger Brechstange erreichbar ist und ohne daß es mehr Bevormundung auslöst. Vom Staat und seinen Institutionen - ausgenommen die biotelen Verfahrensregeln - läßt sich die biotele Gutachteninstanz nichts vorschreiben.
Die Freiheit der Forschung und der Lehre ist von der Idee her anti-institutionell.
Wo sie ohne Strukturierung und Organisation nicht auszukommen scheint, geht dies zu Lasten der Freiheit als der Initiation des Menschen, Forschers, Lehrers.
Ideologiekritik heißt auch Untersuchung von Wissenschaft, Erforschung der ihr immanenten Ideologeme.
An wen richtet sich die "wissenschaftliche Provokation", wenn nicht an die Wissenschaften, die den Schaden angerichtet haben? Den Teufel mit Beelzebub austreiben, bringt uns auf biblische Erkenntnisse zurück.
Daß vor Gott tausend Jahre wie ein Tag sind, ist assimilativer (!) Teil der Tradition und keine Neuentdeckung.
Die populäre Wissenschaft ist ein Mythenpark, in dem es von Dinosauriern, Jahrmillionen, Krümelmonstern und Außerirdischen nur so wimmelt.
Wissenschaft war schon früh organisiert; moderne Naturwissenschaft kommt ohne Institutionen überhaupt nicht aus. Bereits in der mittelalterlichen Gelehrtenrepublik, besonders in deren Hoch- und Endphase, wurde der Mangel an zentraler Institutionalisierung zunehmend beklagt. Schließlich verfiel diese Einheit der Wissenschaft im Zuge des um sich greifenden Nationalismus. Immer stärker wird beachtet, daß in den Dialog und die Diskussion auch unter Wissenschaftlern sich sachfremde Emotionen und Empfindlichkeiten einschleichen, zu deren Überwindung institutionelle Vorkehrungen notwendig sind. Ein Beispiel ist die Delphi-Methode für die Wissenschaftlerkommunikation.
http://www.biotelie.de/index.html/Gelehrtenrepublik
Die Vorstellung, irgendwann von einer alles dirigierenden und kontrollierenden Weltregierung beherrscht zu werden, ist danach um so albischer. Der totale Überwachungsstaat als traumatologischer Ausweg, gewissermaßen? Was haben wir zu fürchten, wenn nicht ihn?
Die Riesenorganisationen, die für alles zuständig sein wollen und ihre Bürokratien wuchern lassen, daß einem wirklich angst und bange werden kann, haben uns schon großen Kummer bereitet.
Was sind das für Bürokraten? Die Angestellten der Kontrollkörperorganisation bis zu ihrem Direktor hinauf haben überhaupt keinen Einfluß auf den biotelen Gutachtenprozeß. Der wird getragen von Fachleuten aus allen Berufen, die nach Zufallswahl von Fall zu Fall freiwillig und entlohnt tätig werden. Innerhalb eines Rechtstaates braucht keiner Angst vor zu großer "Überwachung" zu haben. Halt doch, die Kriminellen und vor allem Wirtschaftskriminellen fürchten sich natürlich vor dem Verlust des ihnen heiligen Bankgeheimnisses. Die "moralische" Überwachung durch eine (arbeitslos) lauernde Nachbarschaft kann ebenfalls sehr beengend und bedrückend werden. (Ich rede vom Wedding her; Sie kennen die muslimische Szene am Kreuzberg!)
Foerster läßt anklingen, ich hätte zu früh, wohl zu flüchtig, ja "fahrlässig" reagiert. Die Lektüre seines Werkes belehrt uns eines anderen. Tatsächlich verharmlost der Autor jetzt seine wissenschaftliche Provokation.
Todesstrafe und Zwangsarbeitslager, bei genauerem Hinschauen sogar Völkermord im Sinne von § 220a Abs.1, Ziff.3 StGB, eine allgegenwärtige "Weltpolizei"... werden als Elemente einer "Demokratie-Reform" vorgeschlagen.
Besser ist doch eine allgegenwärtige Weltpolizei in getrennt operierenden Blockkontingenten unter einer rechtsstaatlichen Doktrin als der sich anbahnende Weltbürgerkrieg zwischen fanatisch wegen ihres Glaubens sich bekämpfenden Gruppen. Besser eine systematische Aufsicht in Büros und Fabriken durch international gemischte Lehrlinge und Studenten aller Art als präventive Militärschläge, wie sie von den USA gegen den Irak jetzt geplant werden (müssen?). Zwangsarbeitslager unter strikter ebenfalls internationaler Aufsicht können preisgünstiger betrieben werden als feste Gefängnisse, die wegen Überfüllung längst nicht mehr ausreichen, was zu ähnlichen, aber weit folgeschwereren Ungerechtigkeiten führt, als heute bei uns die Handhabung der Wehrpflicht. (Nur ein kleiner Teil der Pflichtigen werden wirklich eingezogen.) Die Aufsicht der Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International ist dürftig und zudem weit folgen- d.h. erfolgsärmer. Die Scharia geht doch wahrhaftig nicht humaner mit Gesetzesbrechern um. Die Todesstrafe ist nur die allerletzte Drohung und der Vorbehalt der höchsten weltlichen Autorität gegenüber einem organisierten Verbrechertum, dem selbst Menschenleben nichts gilt, und das daraus seine Überlegenheit über den Staat ableitet. (Wer herrscht denn in unseren Gefängnissen, etwa in der Anstalt Tegel?)
Das ist alles in Auszügen nachzulesen. Knebeln UN-Apparate und Europa-Bürokratie unsere Freiheiten nicht schon genug? Vergessen wir nicht, daß die ökofaschistische Bewegung von Brüssel ausging und nun nicht wieder weichen will.
Das Subsidiaritätsprinzip, für das Foerster eintritt, steht all dem im Wege, oder andersherum: Die großen ressort-übergreifenden und welt-umfassenden Superbehörden legen alles lahm, was mit Subsidiarität ursprünglich gemeint war. Das eine verträgt sich nicht mit dem anderen.
Indes: Die Überbürokratie wird die omnipotenten Gutachter letzten Endes isolieren und ausschalten. Die Ohnmacht der Allmacht ist eine andere, aber ebenso alte Geschichte.
BIOTELIE stellt ja auch ein anvisiertes europäisches Staatsgebilde in Frage, da unter einem globalen rechtsstaatlichen Dach kaum noch Bedürfnisse dafür bestehen. Der biotele Gutachter hat überhaupt keinerlei Machtbefugnisse: er ist an die Sachlage gebunden und an die Checkliste der biotelen Zielsetzung. Nur punktuell sind Gutachtenübereinstimmungen zu erzielen; und über deren Ergebnis stimmt noch die Mehrheit der Betroffenen ab. Der "omnipotente" oder allmächtige Gutachter ist entweder eine Fehldeutung oder eine Unterstellung!***
Um der Sache die Pointe zu entlocken, die ihr innewohnt, kommen wir auf Biotelie zurück, auf den Zweck, das wesentliche Ziel. Der Begriff eines Agnostikers assoziiert nicht zufällig den Gott vom Sinai, der sagt: Ich bin das Leben. Chaj.
Dagegen habe ich nichts einzuwenden; diese Pointe wurde in Band 1 (e-book) übrigens ebenfalls gezogen und dieses Zitat bereits getätigt. BIOTELIE aber warnt zugleich davor, unseren Denkapparat zu überschätzen und uns in Spekulationen so weit zu steigern, daß wir die organisch-organismische Grundlage unseres Geistes über Mythen, Analogien usw. außeracht lassen. Bekanntlich schämt sich die Christenheit traditionsgemäß geradezu ihrer Körperlichkeit. Wenn "Leben" im geistlichen Sinne ausgeprochen wird, so ist dies mir auf die Vernachlässigung der körperlichen Komponenten verdächtig. Und bitte, Herr Lummert oder sonst wer, erklären Sie mir den Sinn des von Allah angeordneten Abschlachtens der Ungläubigen im "Heiligen Krieg", "zum bestimmten Termin" oder "Jüngsten Gericht" (wie die Christen sagen). Sollte das Zusammenleben mit Nicht-Muslimen mit dieser Drohung wirklich derart belastet werden? Für mich ein Ansporn mehr, dieses irdische Leben noch mit der Zielrichtung Dauer heftig zu verteidigen. Einem Anwärter auf die Ewigkeit mag dies vielleicht gering, ja verächtlich erscheinen. Aber mein Buch will ja dem Frieden und dem Zusammenleben dienen.
*Die bei Kokhaviv erwähnten "Anmerkungen" Foersters beziehen sich auf dessen Beitrag vom 20.08.2002: Entgegnung zur Kritik von Avram Kokhaviv
**Foerster erwähnte Darwin in seinem Beitrag vom 20.08.2002: Entgegnung zur Kritik...
***Die Macht der Gutachter ergibt sich implizit aus ihrer Schlüsselfunktion, der (von) ihnen (sich) zugedachten Autorität qua Fachkompetenz. Es läuft zuletzt auf ein Spezialisten-Regime hinaus. Wo bleibt die demokratische Legitimation?
kkk NET red
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