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Der Krieg ist der Vater der Dinge. -HERAKLIT

1982-12-30

Horst Lummert

Aus einem Brief an

Henryk M. Broder
Jerusalem

Ich habe mir das profil-Heft aus Wien schicken lassen. Zu Ihrem interessanten Israel-Report will ich mich noch äußern. Heute möchte ich nur meine ersten Eindrücke weitergeben nach der Lektüre Ihrer Schwarzer-Geschichte. Ja. Wie fange ich an. Vielleicht so:

Sie sind ein Opfer des Feminismus geworden. Ehe Sie Alice Schwarzer begreifen, voll und ganz, werden Sie erst einmal Henryk Broder begreifen müssen. Sie werden die persönlichen Voraussetzungen, sozusagen den individuellen Boden Broder prüfen, analysieren, halt mal in Augenschein nehmen müssen; denn offenbar gab's da eben doch recht gute Aufnahmebedingungen für Feministisches.

Alice Schwarzer hat irgendwann einmal irgendwo geschrieben: "Wenn ich ein Mann wäre, würde ich kämpfen." Sie wußte, was sie sagte.

Aber Sie wußten und wissen offenbar bis heute nicht, was mit diesem Krieg gegen die "Männergesellschaft", gegens "Patriarchat" eigentlich gemeint ist, was damit fortgesetzt und vollendet werden soll nach der Unterbrechung anno 45.

So kann es eben geschehen, daß auch Sie (Seite 69 profil) die sogenannte Frauendiskriminierung in eine Vergleichsreihe mit dem Antisemitismus stellen; daß Sie jene merkwürdige Meldung über den ersten "weiblichen Rabbi einer jüdischen Gemeinde" (Seite 67) nicht jüdisch, sondern antijüdisch (nämlich antipatriarchalisch) kommentieren - die "Fälschung" also nicht darin erkennen, daß eine fast sechstausend Jahre geschützte historische Kostbarkeit einer gleichsam babylonischen Mode und Feindseligkeit aufgeopfert werden soll, sondern diese skandalöse Verfälschung obendrein befördern helfen, indem Sie auftrumpfen: Seht nur, das gibt's schon viele Male!

Alle Emmas und Emils dieser Welt machen da ihre Mäuler breit zu einem antisemitischen, antijüdischen Grinsen.

Sagen Sie mir, bitteschön, wo in aller deutschen, europäischen, westlichen, christlichen Welt, wo der Feminismus das große Sagen hat, gibt es so etwas wie "Frauendiskriminierung"?

Es gibt im Gegenteil, in - exakt - der Gegenrichtung etwas, was einer systematischen Volksverhetzung schon ziemlich nahe gekommen ist.

Daß die Betroffenen das gar nicht merken, liegt am Bübchen, das zuhause immer für Mammi plädiert im häuslichen Zweifelsfall, das ist klar.

Wissen Sie, es ist doch allerbeste biblisch-jüdische Tradition, zum Beispiel einen Rabbi, der unbeweibt und kinderlos ist oder wäre, für eine halbe Sache zu halten. Dem fehlen ja ganz wesentliche Erfahrungen, wie sollte der also authentisch unterrichten können, nicht wahr.

Alice Schwarzer hat gerade erst im Beauvoir-Zusammenhang (Januar-Emma) erwähnt, wie Sartres "Lebensgefährtin" (ich sage: seine Intimfeindin) von Frauen gefragt worden sei, ob ihr nicht was fehle und so.

Schwarzer: Sartre ist sowas noch nicht gefragt worden. Nja, ich frage so.

Die ins hohe Alter verlängerte Pubertät kann man ja nun nicht mit höherer Reife verwechseln.

Andere Sache: Emma-Dezember: Die germanische "Göttin" kommt wieder. Die Rebarbarisierung der Deutschen wandelt auf gesicherten Pfaden.

Emma-Januar: "Neue Männer braucht das Land", "adrette... schlanke, ranke" "Hünen" sind gefragt.

Haben Sie feministische Literatur nicht gelesen? Empfehlung: Phyllis Chesler, Frauen - das verrückte Geschlecht. Rowohlt Sachbuch 7063 (1977). Mit einem Vorwort von Alice Schwarzer.

Wenn Sie die propagierten "Amazonen" lesen wie die Schwestern der SS-Mord-"Eliten" - dann lesen Sie richtig.

Sie ahnen ja schon "ein verinnerlichtes antisemitisches Programm".

Einen der "Programmierer", übrigens, glaube ich in Professor Gunnar Heinsohn entdeckt zu haben. Vor Ihnen liegt einen weites Forschungsfeld.

kkk NETWORK red

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