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Der Krieg ist der Vater der Dinge. -HERAKLIT
1982-10-22
Ich las die Briefgeschichte (Schwarzer/Recher) im stern: ist Hildegard Rechers Leserbrief gekürzt wiedergegeben?
Ich frage, weil ich es unerhört fände, an der Schwarzer-Auslassung lediglich die, Frau Recher betreffende, "Sippenhaft" zu beanstanden, die anderen Punkte in Alice Schwarzers Brief, die sich sowohl auf Sie als vor allem aber auch auf Fragen grundsätzlicher Natur beziehen, jedoch so einfach hinzunehmen.
Gab's in dem stern-Gespräch neulich (zusammen mit Lea Fleischmann) nicht auch ein paar Ungereimtheiten - resultierend vielleicht aus dem verspäteten Abdruck?
Sie haben mir früher einmal meine Kritik an der israelischen Außen- und Militärpolitik vorgeworfen. Ich glaube, daß ich auch heute nichts von meiner Beurteilung des Nahost-Konflikts zurückzunehmen habe.
Aber damals war Israel - politisch - stark. Heute hat es alle Welt gegen sich. Da ist es die verdammte Pflicht politischer Vernunft, auf die Größenverhältnisse hinzuweisen.
Das kleine Israel wird angegriffen, als wär's eine Supermacht. Aber während man sich bei Super- und anderen Großmächten gern die Mühe macht, zwischen Herrschenden bzw. Regierenden und Regierten usw. zu unterscheiden, wird in Sachen Israel allzugern alles in einen Topf geworfen. Die Deutschen reiben sich schon lange die Hände dabei.
Ich weiß nicht, wie das politische Klima im Lande jetzt ist, jedenfalls nicht aus eigener Anschauung.
Ich kenne das Israel von 1966/67 als ein ringsum von Feinden umgebenes, im Innern freies Land, wo die arabische Minderheit in aller Öffentlichkeit Fernsehsendungen aus den - mit Israel verfeindeten - Ländern empfangen konnte. Israel hatte damals noch kein eigenes TV.
Die unter den gegenwärtigen Umständen beispielhaft funktionierende parlamentarische Demokratie, die drei- bis vierhunderttausend Demonstranten (mehr als 10% der Gesamtbevölkerung) gegen den Krieg in Libanon: ich finde, das ist doch sehr lehrreich.
Und ebenso lehrreich ist die breite Reaktion der sogenannten Linken in Deutschland, die längst nur noch das Etikett Neue Rechte verdienen. Wovon sie lernen könnten, das ignorieren sie einfach.
Vielleicht dies noch (nebenbei): es hat mir keinen so guten Eindruck gemacht, daß Sie nach Ihrem begründeten Weggang von hier nach Israel weiterhin in hiesigen Zeitungen erschienen, die ja doch maßgeblich zu der neuerlichen Misere hierzulande beigetragen haben. Ein bißchen inkonsequent, fand ich.
Ihre Geschichte über Theodor Lessing allerdings könnte ein Beispiel sein, nicht zuletzt auch die über Joseph Wulff, wie's trotzdem ginge.
Ich hätt's gern etwas aggressiver, "militanter" (Schwarzer) - auf gar keinen Fall aber als vom verhinderten Deutschen; kurz: stolzer.
Ist es wahr, daß Sie in der BRD herumgefahren sind nach Mitteln für eine eigene Zeitung? Sowas stört mein Bild.
kkk NETWORK red
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