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Der Krieg ist der Vater der Dinge. -HERAKLIT
1988-08-04
Tel Aviv, 4/8/88
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 26.7.88, das gestern hier eintraf. Leider schildern Sie darin einen fremden Sachverhalt. Das "Dilemma", von dem ich sprach, besteht zwischen Ihnen und mir, mithin nicht für mich allein. Die "Schwierigkeiten", die hierbei entstanden sind, wurden unmittelbar durch Ihr Verhalten verursacht. Die israelischen Behörden kommen erst in zweiter und dritter Linie in Betracht, wenn auch natürlich aufgrund gesetzlicher Bestimmungen, die so fundamental falsch sind, daß sie irgendwann geändert werden müssen. Israel braucht eine geschriebene demokratische Verfassung. Was Sie aber tun, wirkt in einem entgegengesetzten Sinne. Sie machen objektiv die Politik der rechten "Orthodoxie" (so apostrophiert, weil - wie ich längst erkennen mußte - von "richtiger Lehre" nicht die Rede sein kann). Ich habe beim Innenministerium regulär die Aliyah beantragt *. Es gibt dort also einen offiziellen Aktenvorgang. Die schriftliche Bestätigung von Ihrer Seite gehört zu dessen Ergänzung mit dazu. Sie können jetzt nicht so tun, als ginge Sie das alles nichts an. Zwischen Ihnen und mir - samt meiner Familie - besteht ein - unerfüllter - Vertrag. Verträge bedürfen nicht einmal der schriftlichen Form. Ich habe Sie nicht gebeten, mir in irgendeiner Weise "behilflich" zu sein, sondern Ihr Versprechen einzulösen; den Bruch Ihres Rabbinerworts wieder zu heilen. Sie haben nicht mich, sondern sich - nämlich moralisch - verletzt. Was Sie getan haben, verstößt - im juristischen Sinne - gegen die guten Sitten. Was ich oder die israelischen Behörden daraus machen, steht hier und jetzt gar nicht zur Debatte. Daß es mir bei allem noch um mehr geht als lediglich die Durchsetzung meines persönlichen Rechts, wird hier bereits deutlich. Um Rat und Unterstützung habe ich indessen Herrn Rabbiner Levinson, Heppenheim, gebeten. Vielleicht ist es Ihnen möglich, sich von ihm eine Kopie meines an ihn gerichteten Schreibens vom 27.7.88 (wie auch eine Kopie der Kopie meines Schreibens an den hiesigen Rabbiner Borer) zu erbitten. Ich möchte zunächst noch eine Antwort abwarten, ehe ich die Korrespondenz von mir aus freigebe (abgesehen von den Kosten für die zahllosen Kopien, die ich immer wieder anfertigen lassen muß). Insgesamt ist mir daran gelegen, Sie - unabhängig von unserem speziellen Streit - auf dem laufenden zu halten, da ich immer noch hoffe, daß wir in den Grundsatzfragen übereinstimmen. Ihre Prinzipientreue kam nicht nur ziemlich spät, sie kam vor allem am falschen "Objekt" (Subjekt) zum Zuge, ohne hier freilich jemals zur Geltung kommen zu können. Ich habe mich gefragt, ob Ihre - plötzliche - Anti-Lummert-Entscheidung - denn Sie hätten Monate früher kategorisch die Absage erteilen können und müssen - nicht doch noch andere als die vorgegebenen Gründe haben könnte. Ich denke dabei an Ihren Informationsstand, dessen Quellen möglicherweise überprüft werden müßten. Meine publizistisch-politischen Ambitionen mögen meinem privaten Leben nicht gerade förderlich sein. Mir ist das nicht neu. Ich verlange nicht mehr und nicht weniger als eine korrekte und differenzierte Beurteilung. Was Sie bisher getan haben, hat eine befremdliche innere Dialektik.
Geschrieben im Liegestuhl am Tel Aviver Strand von Ihrem gez. H. Lummert
* und damit die israelische Staatsangehörigkeit begründet und also erlangt - kkk
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