|
Der Krieg ist der Vater der Dinge. -HERAKLIT
1988-08-00
Tel Aviv im August 88
ich wende mich mit meinen "Problemen" jetzt an Sie, nachdem ich bisher bei Rabbinen Israels und Deutschlands keinen oder nur geringen Erfolg hatte.
Mir ist bewußt, daß ich mit der Gleichsetzung von "anerkannten" und "nichtanerkannten", d.h. also von orthodoxen und Reform-Rabbinern eine heikle Tat begehe. Mir ist wiederholt gesagt worden, daß ich gegenüber der Orthodoxie (" ") niemals von meinen Kontakten zu Vertretern der religiösen Reform sprechen solle. Aber ich werde mich hüten, hier etwas aus taktischen oder opportunistischen Gründen zu verschweigen.
Ich füge diesem Schreiben Kopien meiner Briefe an die Herren Stein (Berlin), Borer (Tel Aviv) und Levinson (Heppenheim) bei, aus denen Sie ersehen können, daß es eigentlich schon um mehr geht als um meine persönlichen Schwierigkeiten.
Mein Enthusiasmus für diese Idee, den Gott Abrahams, Isaaks und Israels, wächst von Tag zu Tag. Zur Frage steht die "Wiedererkennung" meiner Familie in diesem Land. Das kann nur ein verständiger, der Erkenntnis der Wahrheit dienender Akt sein. Zur Rede steht ein geprüftes Torahwissen - die Befreiung der Wahrheit. Die gemeinsame Erkenntnis ist die Chance Israels, seinen inneren Frieden, die verlorene Freundlichkeit und Gerechtigkeit wiederzufinden. Nur so kann Israel gedeihen, nur so kann eine nur scheinbar selbstbewußte, in Wahrheit selbstgerechte und verunsicherte religiöse Minderheit sich mit der abtrünnigen Mehrheit wieder versöhnen. In einem mehrfachen Sinne geht es um den Abriß der Zäune. Solange der Gott Israels auf diese Weise verhüllt und verhöhnt wird, wird nicht Frieden sein in Israel. Jeder Sedur ist gesetzwidrig. Die Gleichstellung der nachbiblischen Überlieferung mit der Torah Gottes ist eine Häresie ohnegleichen.
Ich stehe also tatsächlich vor einem Kompetenzproblem. Diejenigen, die mich nach ihren selbstgemachten Ordnungen und Grundsätzen nicht "anerkennen" können, die kann ich meinerseits ebensowenig anerkennen. Sie aber haben Macht, die sich politisch und also gesamtgesellschaftlich auswirkt, während ich mich auf das Wohlwollen Gottes stütze, dessen Namen ich heilige, ob ich ihn nun ausspreche oder nicht. Das gibt mir Kraft und die Gewißheit, die ich brauche, um diesen steinigen und sandigen Weg gehen zu können. Helfen Sie mir oder helfen Sie mir nicht - es bleibt doch nur eine politische Frage, die von Ihnen dabei gelöst werden kann. Aber denken Sie auch daran, daß eine Prüfung ansteht. Ich aber bin schon "geprüft" genug. Ich will nicht "konvertieren", ich bin zurückgekehrt, und ich wünsche, daß man dies zur Kenntnis nehme. Ich habe noch viel zu tun und möchte meine Zeit nicht mit Lappalien verschwenden. Walten Sie Ihres Amtes. Die Trennung von Religion und demokratischem Staat ist ohnehin nur noch eine Frage der Zeit. Nehmen Sie die dunklen Schatten von Israel, machen Sie's wieder licht.
Sehr nachdenklich bin ich - Ihr H. Lummert
Eine Kopie dieses Schreibens geht an das Innenministerium in Tel Aviv zu meinen Alijah-Akten.
kokhaviv publications > Kritisches Forum > Wer ist Jude?
© Copyright 1999 - 2002 kokhaviv publications