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Der Krieg ist der Vater der Dinge. -HERAKLIT
1988-07-07
Tel Aviv, 7.7.88
meine ersten Grüße aus Israel möchte ich gleich mit einer ebenso herzlichen wie dringenden Bitte verbinden. Sie wissen, daß Ihre Handlungsweise nicht (sozusagen) das letzte Wort in unserer Sache sein konnte. In Wahrheit hatten Sie ja doch ein Versprechen einzulösen, und eben darauf, nämlich auf der Einlösung dieses Versprechens, bestehe ich natürlich nach wie vor. Sie wissen, daß Sie mit Ihrem Rabbinerwort bei mir und meiner Familie hoch in der Kreide stehen. Aus unseren Gesprächen, aus meiner Arbeit, aus der ganzen Art und Weise, wie meine Familie der Gemeinde näherkam, wissen Sie so gut wie ich, daß Ihre Zustimmung nur noch eine Formsache sein konnte. Für mich war die Frage einer evtl. "Prüfung" von vornherein problematisch, weil ich mein ganzes Leben als eine Serie von Prüfungen sehe, die mich genau dorthin führen mußten, wo Sie sich jetzt querstellen wollen. Das ist völlig absurd, seitdem ich die Entdeckung machte, daß der potentielle "Prüfling" bestimmte Kernfragen, um die es hier geht, ernster nimmt als sein potentieller "Prüfer". Ich sehe nur eine Möglichkeit, aus diesem Dilemma herauszukommen: Sie schicken mir eine quasi-amtliche Bestätigung nach Tel Aviv, aus der klar hervorgeht, daß die Bedingungen, die aus dem Geiste der Torah an uns gestellt sind, von eben dieser ganzen Familie erfüllt werden. Sie brauchen da aus Ihrem Herzen überhaupt keine Mördergrube zu machen. Sie wissen, daß dies der einzige moralisch vertretbare Weg ist. Ich bin keineswegs geneigt, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Außerdem verstehe ich gar nicht, warum Sie auf die Gelegenheit verzichten wollen, einen Schachzug gegen die hiesigen etablierten religiösen Engstirnigkeiten zu tun. Ich bestehe, um es kurz zu machen, auf der vollen "Anerkennung" - ohne Wenn und Aber. Ich werde das durchfechten - ohne Unterrichtung, ohne "Prüfung". Dies ist auch im Sinne und nach dem Selbstverständnis meiner Frau. Wir legen den allergrößten Wert darauf, als diejenigen "akzeptiert" zu werden, die wir sind, jeweils ganz individuell. Ich glaube, daß Sie uns in dieser Beziehung imgrunde auch richtig verstehen werden. Dies alles steht nicht im Widerspruch zum Zwecke des A-Visums (1 Jahr), das wir inzwischen erworben haben. Was hier zu lernen und zu studieren ist (Hebräisch, Judaistik), soll vom Überflüssigen so weit wie möglich freigehalten werden. Viel anderes bleibt noch zu tun, zu lernen, zu erfahren und zu verstehen. Israel macht im Moment vielleicht eine seiner interessantesten Reifungskrisen durch. Mit der Bitte, dieses Schreiben mit dem nötigen Interesse aufzunehmen, das der hier vorliegende "Fall" durchaus verdient, bin und bleibe ich fast unverändert
Ihr gez. H. Lummert
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