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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...
2001-09-17
Betr.: Presseclub bei ARD am 16.9.
Bez.: (sinngemäß) Ihre Frage, was sich ändern würde, wenn es plötzlich Israel nicht mehr gäbe.
Ihre oben wiedergegebene hypothetische Frage sei folgendermaßen beantwortet:
Wenn es den Staat Israel nicht gäbe bezw. nicht gegeben hätte, dann gäbe es gleichwohl immer noch die Kashmir-, Kurden-, Albaner- und weitere Probleme. Aber das Palästina- und damit das Araber- und Muslime-Problem gäbe es nicht. Das heißt, daß ohne den Zionismus die muslimische Reaktion auf den Kolonialismus des Westens schwächer wäre.
Diese Antwort freilich soll nicht die Tatsache abdecken, daß der Zionismus das sozusagen moralisch legitime Resultat des fast 2000-jährigen europäischen Antijudaismus und Antisemitismus ist. Der Zionismus kommt also von sehr weit her.
Wo also ist denn da "das Böse" zu verorten? Etwa bei ibn Ladin oder doch bei Europa? Oder provokant gefragt: bei Scharon oder bei Arafat? Sie wissen, daß hypothetische Fragen dieser Art nur Appelle an irrealistische Affekte sind und daß der, der sie einwirft, solche Affekte beabsichtigt. Hängt das Urteil darüber, was "das Böse" und "das Gute" ist, vom Standpunkt ab? Ihrer ergibt sich aus Ihrem Namen.
Aus allen diesen Gründen glaube ich nicht, daß der Ausbruch des übelsten Irrationalismus weltweit sich jetzt noch verhindern ließe. Journalistenrunden sollten uns erspart werden. Jetzt hilft bestenfalls nur noch beten.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Unterschrift
(T. E. Knapp)
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