2001-12-29

Avram Kokhaviv

Israel und der Iraq

Analytische Einschätzung oder Wunschdenken von Israels Military Intelligence?

Im Golfkrieg trat es erstmals hervor: Der militärische Geheimdienst Israels empfahl seiner Regierung eine konzeptionelle Änderung ihrer Politik gegenüber dem Iraq.

Auch wurden - über saudische Quellen - Nachrichten ventiliert, wonach Bagdad damals mit dem Gedanken spielte, den Israelis einen Tausch vorzuschlagen: Der Iraq übernimmt alle Palästinenser aus den besetzten Gebieten. Israel erkennt als Gegenleistung die Annexion Kuwaits durch Bagdad an.

Gebietstausch also gewissermaßen. Wahrscheinlich sollten die Palästinenser in Kuwait angesiedelt werden, wo ohnehin schon viele von ihnen lebten.

Das israelische Institut für strategische Studien hält die Iraq-Strategie der Regierung in Jerusalem für falsch. Israel hatte angekündigt, daß es im Falle eines Angriffs zurückschlagen werde. Das Institut warnt nun davor, sich auf diese Weise in eine arabisch-israelische Konfrontation zu manövrieren. Der Iraq verfüge über 25 Flugzeuge, die einen Einsatz gegen Israel fliegen könnten, aber das sei nicht weiter tragisch. Auch der Einsatz von chemischen Mitteln, Gas, könne einer geschützten Bevölkerung nicht sehr schaden.
Das Institut spricht von Kräfteverhältnissen. Was ist davon zu halten? Soll Israel vor einer militärischen Selbstüberschätzung bewahrt werden? Ist der Intelligence-Dienst an einer militärischen Klärung der Situation nicht interessiert - weil "Klärung" womöglich das Ende Israels, weil den Zusammenbruch der westlichen Politik im Nahen Osten bedeuten würde?
Oder hat das Institut bereits verstanden, daß sich im Verhalten Saddams in der Kuwait-Frage, die er zugleich mit der Palästina-Frage verknüpft sehen will, eine Chance verbirgt? Saddam, der es kategorisch ablehnt, Kuwait wieder aufzugeben, setzt dies mit Palästina gleich, nämlich mit der Weigerung Israels, die besetzten Gebiete zu räumen.
Heißt das nicht, daß Iraq und Israel sich darauf einigen könnten, die von ihnen okkupierten Gebiete zu annektieren?
Das Institut beklagt, daß es zwischen der Regierung Bush und dem Regime Saddams keine Verständigung, kein gegenseitiges Verständnis gebe. (6.1.91) seite 28*

Im aktuellen Krieg 2001 gegen den Terrorismus kommt aus israelischer Geheimdienst-Quelle** eine ähnliche Nachricht.

Über Jordanien und die Türkei bietet Bagdad den USA einen Deal an. Die Iraqer wollen den Konflikt mit Amerika beenden und in der Anti-Terrorismus-Koalition mitarbeiten. Die Botschaft Saddams lautet: Wir haben umfangreiche und sehr detaillierte Informationen über die Infrastruktur des Terrorimus. Wir haben genaue Erkenntnisse über die Organisationen, ihre Ressourcen, über ihre waffentechnische und kommunikative Ausstattung. Vor allem aber: wir kennen die Personen und wissen, wo und wie sie zu finden sind.

Wenn die Nachricht Substanz hat, bietet der bislang Böseste der Bösen seinen bis dato Todfeinden und Verfolgern sich als Plaudertasche an. Der Böseste der Bösen will mithelfen, den Allerbösesten der Allerbösesten zur Strecke zu bringen. In Mafiakreisen wäre so ein Mann nun seines Lebens nicht mehr sicher. Immer vorausgesetzt, daß die Nachricht stimmt. Und wenn sie nicht stimmt, aber geglaubt wird, müßte der Beschuldigte erst einmal das Gegenteil beweisen.

* Horst Lummert in kuckuck, Band 7 (Zitat der Internet-Fassung wurde geringfügig präzisiert)

** Vgl. DEBKAfile's Exclusive Intelligence Sources: Iraqi Military Intelligence Feelers on Quiet Deal with US
20 December 2001

kokhaviv publications > NewCatch > online exclusive
kokhaviv publications > NewCatch > security > What happened on Sept. 11
kokhaviv publications > NewCatch > countercens

© Copyright 1999 - 2011 kokhaviv publications