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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...
2001-12-18 online-Fassung
Der Iraq-Coup entpuppt sich als ein raffinierter Anschlag auf die aktuelle Politik Washingtons, auf die Rolle der USA - nicht nur im Nahen Osten, sondern in der Welt und ganz besonders in Europa.
Es ist, als wollte da jemand den Amerikanern das Heft aus der Hand nehmen und die Dinge ganz anders regeln, jedenfalls nicht so, wie sie soeben erst anzulaufen scheinen. Mir ist noch nicht klar, von wo präzis die Initiative ausgeht.
Amerika hat im Moment so viele Verbündete, die diese Nahost-Politik - wenn die Analyse stimmt: der sichere Weg in ein Desaster für die Weltmacht USA - unterstützen. Washington hat in dieser Sache "Freunde" in der ganzen Welt, bei den UN, die sich eigentlich ursprünglich gegen die USA verschworen hatten.
Werden wir Zeugen eines historischen Reinfalls? Hat sich Washington verfahren; täuschen, blind und taub machen lassen?
Die pessimistische Einschätzung ruft nach einem genialen Gedanken, der aus der Sackgasse herausführt...
Die sozusagen philosophische Aufgabe: genau zu überlegen, wo in der hier ausgelegten Analyse und ihren Konsequenzen der Fehler ist, die Öse, wo wir einhaken können, um der Entwicklung einen anderen Sinn zu geben oder zu entlocken.
Jetzt geht es nämlich nicht mehr um neue Weichenstellungen, sondern um die Erkenntnis der Quellen und des Wesens der im Keim bereits vollzogenen Veränderungen.
Die Weichen sind gestellt, es ist die Frage, ob wir das auch richtig begriffen haben. Ob wir alles - und alles in seinen inneren und äußeren Konsequenzen - verstanden haben. Haben wir etwas übersehen, was hier eine wichtige Rolle spielen könnte, Mächte, Kräfte, die jetzt zum Zuge kommen wollen? (21.9.90) seite 008
Der sowjetische Außenminister Schewardnadse hat gestern vor der UNO eine Rede gehalten, die aufhorchen lassen und nachdenklich machen sollte. Er vergleicht die Politik Saddam Husseins mit Terrorismus, droht mit militärischer Gewalt für den Fall, daß der Iraq nicht nachgibt, und regt die Bildung einer schnellen UN-Eingreiftruppe an.
Die ganze Welt - von Washington, London, Paris und Bonn, Madrid, Rom über Moskau, Kairo, Riad, Teheran, Damaskus bis Peking und Ottawa, Tokio und Neu Delhi, falls ich nicht noch ein paar Hauptstädte vergessen habe - geeint gegen den iraqischen Diktator, den die militärischen und industriellen Großmächte über ein Jahrzehnt hin buchstäblich "aufgebaut" haben, so daß ein kritischer Beobachter dieser martialischen Szene doch eigentlich den Eindruck gewinnen muß (!), es sei ein Buhmann aufgebaut worden, eigens zu dem Zweck, eines Tages eine Situation hervorzurufen, wie wir sie heute haben, und auf die man nun angemessen "reagieren" kann.
Der erstaunliche Aufwand beim beabsichtigten "Abbau" des bislang Protegierten scheint in keinem rechten Verhältnis zu dem angegebenen Grund zu stehen. Es heißt, das Öl sei immerhin ein einleuchtendes Urmotiv. Aber die massive Reaktion auf Saddams Kuwait-Invasion hat mehr Unruhe ins internationale Börsengeschäft gebracht als die vorgegebene Ursache.
Warum setzt die westliche Industrie- und Kapitalwelt ihre Wert- und Preisstabilität einer solchen Erschütterung aus, wie sie durch den beispiellosen militärischen und propagandistischen Aufwand jetzt hervorgerufen wird?
Man droht dem Sack die Schläge an, aber gemeint ist der Esel.
Saddam in Bagdad ist objektiv "ein Mann des Westens", so etwas wie ein "agent provocateur", der den "christlichen" Industriemächten den Vorwand liefert, die als Gefahr empfundene islamische Renaissance zurückzuschlagen.
Die Wiedergeburt des Islam als eine geschichtslogische Perspektive für die Zukunft soll verhindert werden.
Das wird, wenn ich es richtig sehe, zwar nicht gelingen, sondern am Ende dem Islam zu moralischen und geistigen Siegen verhelfen; aber wenn Gott seine Feinde mit Erfolg strafen will, schlägt er sie mit Unwissenheit, Blindheit und Taubheit.
Die "christliche Welt" wird mit dem besten Gewissen gegen Saddam in den Krieg ziehen, eine Metamorphose ihres "Feindes" erleben und damit ihr eigenes Schicksal besiegeln.
Wenn diese Deutung stimmt, kann im Rückschluß festgestellt werden, daß nicht nur die traditionell christlichen Länder gegen den Islam mobilmachen.
Das hinduistische Indien ist dabei. Vor allem jedoch fällt das Engagement Pekings auf. Das atheistische - buddhistisch-konfuzianisch-kommunistische - China stellt sich einer Herausforderung, die mehrere Gesichter trägt.
China sieht sich den westlichen Demokratien, der eigenen Geschichte und nicht zuletzt dem Islam ausgesetzt. In der Beziehung zum Islam ist China in einer ähnlichen Lage wie die Sowjetunion.
Jetzt soll Ismaels Stunde schlagen. Nur Gott kann ihm helfen. Seine Feinde wissen noch nicht, daß er's tun wird. (26.9.90)
Israel muß, wenn es sein Land nicht verlieren will, die islamische Karte spielen. Israel steht vor der gefährlichen Alternative, für die Erhaltung seines Staates (und Landes) einen hohen Preis zu zahlen. Seine Freiheit und Unabhängigkeit liegen bereits in der Waagschale der Geschichte. Hoffentlich wissen das die Araber nicht so genau. Es werden Fehler gemacht, die sich nicht korrigieren lassen. (27.9.90) seiten 013/014
Palästinenser griffen israelischen Polizeiposten auf dem Tempelberg an. Lage völlig unübersichtlich. Zwei arabische Krankenhäuser melden Aufnahme von Dutzenden Verletzter, je sechs Toten. So die 16.00 Uhr Meldung Rias Aktuell von Ulrich Sahm aus Israel, der von den oben genannten Ursachen (Provokationen etc.) nichts sagt.
Wird auch von arabischer Seite geschossen? Das wäre eine neue Qualität in den Auseinandersetzungen.
Andere Quellen sprechen von israelischen Siedlern, die den Streit angefangen hätten. Von 14 verletzten Juden ist die Rede.
Martin Wagner aus Tel Aviv in Rias 16.20 Uhr: Sukkoth. Tausende Juden beten an der Westmauer. Plötzlich werden von oben, vom Tempelberg Steine hinabgeworfen auf die betenden Juden.
Auf dem Tempelberg hatten sich viele tausend Palästinenser getroffen. Der Muezzin soll gerufen haben: Allah akhbar. Tötet die Juden.
Auch ein prominenter Palästinenser soll in der Moschee - oder im Felsendom? - gewesen sein. Oder vor einigen Tagen schon?
Die Polizei stürmte den Berg, wo die Palästinenser inzwischen eine Polizeistation angriffen.
Bis jetzt schon 28 Tote. Man weiß, wie es zu so vielen Opfern kommen konnte. Mehrere hundert Verletzte. 16.30 Uhr. Polizei schoß scharf.
Jüdische Extremisten hatten versucht, am Tempelberg den Grundstein für einen neuen Tempel zu legen, sagen hiernach wiederum arabische Quellen.
Provokation. So oder so. Von wem ging sie aus? Ein gewisses Maß an Organisiertheit darf für beide Seiten angenommen werden. Unschuldig ist da keiner mehr.
BBC London, 17.30 Uhr: Alles in allem ist das wohl so gelaufen: Am Anfang war das Gerücht. Flugblätter gingen um. Die Tempelgetreuen wollten den Grundstein für den neuen Tempel legen. Dies mobilisierte die Palästinenser. Daraus ergab sich das Folgende: Sie trafen sich auf dem Tempelberg, während unten an der Westmauer viele hundert Juden sich zum Gebet versammelt hatten. Als die Steine herabfielen, entstand unter den Betenden Panik. Die Männer flohen auseinander. Viele kopflos. Die Polizei schoß, hatte Gasmasken angelegt, stürmte auf den Tempelberg. Sukkoth. Heute ist der 19. Tishri. (8.10.90)
Saddam Hussein spaltet das arabisch-islamische Lager. Der Streit mit Israel eint es. Einem panarabischen Nationalismus ist Israel unverzichtbar. Unter diesem Gesichtspunkt ist Saddam Hussein umgekehrt für Israel und den Westen ein Faktor, der aus der bisherigen Sackgasse herausgeführt hat. Israel hatte jedenfalls eine Zeitlang Ruhe. Das ist seit gestern anders.
Saddam hat gedroht, er werde eine neue Rakete zum Einsatz bringen, wenn Israel nicht sofort die besetzten Gebiete freigebe. Israel müßte auf solche Kriegs- und Vernichtungsdrohungen, die sich seit langem periodisch wiederholen, unmißverständlich reagieren, aber es rührt sich nicht, um bei Gelegenheit nun gegen Steinewerfer mit scharfer Munition vorzugehen. (9.10.90) seiten 017/018
In vielen (indischen) Bundesstaaten kam es zu schweren Unruhen zwischen Hindus und Moslems. Nach inoffiziellen Angaben gab es über hundert Tote. In der nordindischen Stadt Ayodyha geht es um einen Tempelplatz, auf dem seit dem 16. Jahrhundert eine Moschee steht. Die Hindus wollen die Moschee abreißen und einen Tempel an der Stelle errichten. Es sei der Geburtsort des Gottes Ram oder Rama.
Es wird deutlich, daß der Religionskrieg gegen den Islam und der Krieg der oberen gegen die unteren Kasten wesentlich identisch sind. Der Islam ist gleichsam die "natürliche" Religion für die entrechteten "niederen" Kasten. Daß die herrschenden Kasten das sehr gut begriffen haben, zeigen sie mit dem massiven Einsatz jener "Niederen" als Politmob im Straßenkampf gegen die Moscheen. (3./4.11.90) seite 024
Um den großen Krieg oder auch nur den offenen konventionellen Schießkrieg zu vermeiden, wurden und werden nun Ersatzkriege geführt, die man mal "Terrorismus" nennt, ein andermal "Krise" samt "Management" oder "Jugendkriminalität", "Soziale Probleme", "Drogensucht".
Es sind jedesmal Kriegshandlungen von der Art, die man entweder selber inszeniert, um dem Gegner ein Signal zu senden: Sieh her, ich mach mich grad kaputt - oder ins Land hineingetragen werden. Es läßt sich zuletzt nicht mehr unterscheiden, womit wir es im Einzelfall wirklich zu tun haben.
Der sozusagen "philosophische" Kompromiß besteht darin, daß die Situationen, Grob- und Feinzustände, daß konkrete Vorgänge nicht mehr richtig wahrgenommen und also auch nicht mehr genau bezeichnet und definiert werden. Die Begriffe kommen ins Schwimmen, und plötzlich kehrt sich alles in sein Gegenteil, das Gute wird jetzt "böse" genannt, das Böse zum "Guten" befördert.
Die Verhinderung des Krieges ist nicht Frieden, ist auch nicht die Abwesenheit von Krieg, sondern eine neue Formenvielfalt des Krieges. Der Krieg findet statt; als Angst- und Panikmache vor dem Krieg, als Terrorismus, Drogenkriminalität, organisiertes Verbrechen, Medienkampagnen, Desinformation und als ein merkwürdiger Konsens in Lug und Trug.
Der materielle und der Nerven-Krieg - das ist eins - wird im eigenen Lande gegen die eigene Bevölkerung geführt. "Um Schlimmeres zu verhüten." Aber es gibt in der Tat nichts Schlimmeres.
Die seelische Vergiftung und geistige Verseuchung greift auch auf den menschlichen Körper über. Neue Epidemien zerstören die humane Substanz der Gesellschaft auch biologisch.
Die Politik der "Verhinderung des Krieges" ist demnach eine Lüge und eine Täuschung. Die Hinausschiebung des Krieges holt ihn faktisch herein. (6.1.91) seite 027
Wahrheit und Freiheit. Freiheit oder Wahrheit. Eine Wahrheit, die Freiheit nicht einschließt, ist keine. Eine Freiheit aber, die die Wahrheit ausgeschlossen hat, ist nicht erhaltenswert. Ist der Krieg ein Beitrag zur Befreiung der Wahrheit, richtet er über Lug und Trug?
Die Freiheiten der westlichen Gesellschaft sollen nicht darüber hinwegtäuschen, daß hier die Wahrheit keine Chance hat. Ihre Befreiung würde diese Gesellschaft auf den Kopf stellen - oder buchstäblich wieder auf die Beine. Damit aber ist das Todesurteil über sie schon gesprochen. Der Schein sagt uns freilich etwas anderes. (6.2.91) seite 036
Rund um den Islam tut sich einiges, das sich vielleicht noch nicht richtig deuten läßt. Es sieht nach politischer und militärischer Einkreisung aus. Wenn "der Islam" keine offensive Strategie entwickelt, sind böse Zeiten zu erwarten. Terrorgruppen werden sich neu profilieren.
Wahrscheinlich hat der Krieg gegen den "islamischen Fundamentalismus" eine Qualität erreicht, die dem Islam keine Wahl mehr läßt. Die islamische Revolution wird kämpfen müssen, aber auf offenem Feld nicht kämpfen können. Individualisierung ist wieder gefragt. Der Partisanenkampf hat seine Stunde. (10.4.92)
Mittlerweile kommen in Afghanistan die Verhältnisse in eine neue Ordnung. Jetzt wird es sich bald zeigen, ob der Islam die Kraft ist, die im richtigen historischen Moment der Wahrheit das Bett macht. Ob seine Kraft ausreicht. Mein Verdacht ist neu: daß er bereits manipuliert wird; daß er gar nicht ist, was er zu sein vorgibt. (17.4.92) seiten 105/106
Der Völkermord in Bosnien ist ein Fokus, in dem sich ein allgemeinerer Krieg gegen den Islam sammelt. Der großserbische Chauvinismus ist nur eine Gelegenheit, auf diesem Wege einen Schritt weiterzukommen.
Tatsächlich reiht sich die "Bundesrepublik Jugoslawien" (aus Serbien und Montenegro) ein in die Staatengemeinschaft der antiislamischen Diktaturen, Monarchien, Formaldemokratien.
Rund ums Mittelmeer haben sie sich etabliert. Von Marokko über Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Jordanien, Iraq, Syrien bis zur Türkei haben wir es mit solchen Staaten zu tun, in denen der "Islamische Fundamentalismus" unterdrückt, seine Anhänger verfolgt, in Lager gesperrt, gefoltert und ausgerottet werden.
Diese (islamischen) Staaten sind des Westens Kollaborateure und Quislinge. Serbien gesellt sich jetzt zu ihnen.
Die Internierung, Folterung und Ermordung jener moslemischen Männer, derer die Serben habhaft werden konnten, ist neben der "ethnischen Säuberung", also der systematischen Vertreibung und Ausrottung der nichtserbischen Bevölkerung aus Bosnien-Herzegowina und Teilen Kroatiens, ein gutes Beispiel für das Dilemma zwischen Moral und politischem Interesse, in das der Westen geraten ist.
Die Todeslager für die Moslems, die Ausrottung und Vertreibung, der ganze Mordterror kann unter den Augen der "erschrockenen" und "empörten" Welt geschehen, ohne auf ernstzunehmenden Widerstand zu stoßen, weil Serbien mit seinen Verbrechen gegen die Menschlichkeit dieser Welt lediglich vorexerziert, was den islamischen Völkern insgesamt noch blüht.
Es läßt sich bereits voraussehen, daß der Westen in dem Moment militärisch eingreifen wird, da islamische Staaten, in denen es sich schon rührt, den bedrängten Moslems helfen wollen.
Bei der Behandlung der Antagonismen ist zu bedenken, daß wir es nicht mit einem Krieg des christlichen Europa gegen die islamische Welt zu tun haben. Ein solches christliches Europa gibt es gar nicht mehr. Im Gegenteil.
Das Christentum wird sich letztlich mit dem Islam verbünden müssen - gegen eine atheistische, nihilistisch-ökofaschistische Welt. Der Papst hat bereits zu erkennen gegeben, daß er die Lage ähnlich beurteilt. (7.8.92) seite 111
Aus der Türkei kommen regelmäßig Vorwürfe gegen Deutschland, gegen Europa. Europa solle sich schämen, daß es zusieht, wenn in Bosnien gemetzelt wird. Die mitunter schrillen Töne des NATO-Partners sind drauf zurückzuführen, daß die Türkei selbst in Zugzwang gerät, wenn nicht bald etwas geschieht.
Der Druck kommt vom Islam, der sich unterhalb der Regierungsebene und der offiziellen Türkei politisch und militant im Volke organisiert hat.
Es ist schon gesagt worden, daß Europa in Bosnien sich so still verhalte, weil es einen islamischen Staat auf europäischem Boden sowieso nicht zulassen werde. Es könnte in dieser Angelegenheit ein türkisches Einverständnis geben.
Alle islamischen Staaten, deren Regierungen sich als antiislamische Kollaborateure des "Westens" hervorgetan haben, stehen vor dem gleichen Dilemma wie die Türkei.
Der westliche Krieg und der Nachkriegsdruck auf den Iraq bringen auch diesen in eine Doppelrolle. Einerseits ist Saddam ein antiislamischer (antischiitischer) Vortruppführer des Westens, andererseits ist er ein machtbewußter Araber, der sich auf sein Volk stützen kann, wenn er keine Fehler macht. Da das Volk mit Sicherheit das Gemetzel auf dem Balkan richtig verstehen wird, muß Iraqs Führung sich "islamisieren". Es ist durchaus denkbar, daß Saddam Hussein just in dem Moment stürzt, da er eben dies versuchen will.
Der arabische Nationalismus ist spezifisch antiislamisch. Der westlich-islamische Konflikt hat sich in die "islamischen"/antiislamischen Nationalstaaten hineinverlagert. Was dort als ein "Bürgerkrieg" erscheint, ist in Wahrheit der importierte Krieg des Westens gegen den Islam. Es kann nicht oft genug gesagt werden:
Der Westen führt diesen Krieg nicht als „Christentum". Die Religion des Westens wie der gesamten "modernen" Welt ist der ökologische Nihilismus, ein purer Ökofaschismus. Weltanschaulich haben wir es also mit einem ökofaschistischen Krieg gegen den Islam und seine monotheistische Überlieferung zu tun.
Die prekäre Bündnislage bringt endlich ans Licht, daß der Islam heute die einzige Religion ist, die jene historisch tradierten Wertvorstellungen vertritt und für sie kämpft, auf die einst Europa sich gründete.
Eine Zivilisation, die ihre geistigen Ursprünge verrät, bereitet sich den Untergang. Diese tieferen Zusammenhänge sind geschichtlich verhüllt; denn was fallen soll, wird blind sein, während es fällt. (7.8.92) seiten 112/113
Malcolm X oder Die islamische Hoffnung für Amerika. Mohammeds Lehre liegt auf dem Tisch. Inzwischen führt Israel seinen neuen Krieg gegen die (iranisch orientierte) Hisbollah im Libanon weiter. Was sich Israel davon verspricht, bleibt rätselhaft.
Eines läßt sich feststellen: Israel ist von seiner jahrzehntelangen antiarabischen zu einer antiislamischen Strategie übergegangen. Damit hat es sich fast unauffällig den arabischen - nationalistischen, antiislamischen, pseudodemokratischen - Diktaturen zugesellt.
Die russische Armee interveniert in Ossetien gegen den Aufstand der Inguschen, die einst von der UdSSR aus ihrer Heimat irgendwohin nach Sibirien deportiert worden waren und jetzt ihr Recht und ihr Land zurückfordern.
Russische Truppen sollen jetzt ganze Inguschen-Dörfer ausgerottet haben. Ein britischer Korrespondent (BBC) weiß nicht, wie die Regierung Jelzin, die den Befehl für den Einmarsch gab, das verantworten wolle. Jelzin ist z.Zt. in London zu einem Staatsbesuch, bei dem er auch mit der Königin zusammentreffen soll. Unter- und Oberhaus empfingen ihn bereits, und er hielt eine großartige Rede, während zur gleichen Zeit seine Befehle gegen dle Inguschen ausgeführt werden. (10.11.92) seite 138
Unter dem Deckmantel der UNO schicken die USA 30.000 Soldaten nach Somalia, um die Lebensmittellieferungen für die Verhungernden militärisch abzusichern, und die Welt soll das glauben.
Man muß sich nur die Landkarte ansehen, um die strategische Bedeutung Somalias sofort zu erkennen.
Erstmals in der Geschichte der UNO intervenieren ihre Truppen ohne Zustimmung des betroffenen Landes. Das ist wichtig!
Die islamische Welt westlich des Iran ist damit komplett unter US-Kontrolle. "Den Terror nach Amerika tragen", könnte der Leitspruch einer neuen islamischen Gegenoffensive werden. Bis jetzt wird der westliche Terror in den Islam hineingetragen. Der größte Teil der islamischen Länder erlebt den terroristischen Druck von am Westen orientierten Quislings-Regimen.
Die Korrektur des Weltgewissens geht einher mit der Korrektur des Wissens. Information und Desinformation wirken ungetrennt auf die Geister und Gemüter. Solange Wahrheit und Lüge gemeinsam auftreten, steht die Wahrheit letztlich in Diensten der Lüge. Was die Zeit daran heilt, kommt gewöhnlich zu spät. (5.12.92) seite 141
Vor einigen Tagen Bombenanschläge auf Hotels in Yemen, wo amerikanische Marines auf ihre Verschiffung nach Somalia warten.
Saddam Hussein erkennt die Flugverbote nicht mehr an.
US-Flugzeugträger wird von Somalia an den Golf verlegt.
Merkwürdige Unruhen in Somalia. Massaker Stamm gegen Stamm.
Wo französische Fremdenlegionäre zum Einsatz kommen, ist für die einheimische Bevölkerung Vorsicht geboten. TV-Bilder zeigen US-Soldaten bei brutalem Vorgehen gegen somalische Jugendliche ("Banditen").
In Tadschikistan Tausende von Moslems auf der Flucht vor Kommunisten aus dem Norden.
Moslemische Offensive in Bosnien erwartet.
Der "westlich"-islamische Konflikt nimmt Gestalt an.
Ein deutsches Gericht hat festgestellt, daß christliche Türken, die wegen ihrer Religion in der Türkei Schwierigkeiten bekommen, Anspruch auf Asyl in Deutschland haben. Als Beispiel wird angegeben: Wenn christlichen Wehrpflichtigen bei der Einberufung die "Zwangsbeschneidung droht". ISMAEL steht im Zentrum westlicher Bemühungen, wie man sieht. Deutschlands Zukunft wird sich an dieser Frage entscheiden.
Die 415 "Fundamentalisten" aus Gaza und Westbank, die von den Israelis nach Südlibanon deportiert wurden, liegen dort in Schnee und Kälte und glauben an Gott und seine weise Voraussicht. Israel hat wieder einmal einen Fehler gemacht.
Der "Westen" steckt mit einem Fuß in der Falle, wie es scheint. Die islamische Offensive kraucht langsam heran. Ihr werdet Schlimmes erleben, ein böses Erwachen.
Wenn die Amerikaner glauben, mit ihrem Militär den gesamten Nahen Osten vor dem Islam und seiner Revolution "schützen" zu können (zu "müssen"), so mögen sie in diesem Glauben ihren politischen Verstand verlieren. Und Deutschland wird bald zeigen müssen, ob es seine neue, künftige Souveranität auch verdient, ob es ihrer würdig ist.
Auch in Tadschikistan richtet sich die "westliche"/kommunistische Aggression gegen Moslems ("islamische Fundamentalisten").
Agenturbilder zeigen uns weißbärtige Männer mit Turban unter Bewachung eines bewaffneten jungen Soldaten. Es wird auf den ersten Blick klar, wie "Feinde" aussehen müssen, wenn heute alles seine Ordnung haben soll.
Französische Soldaten erschossen einen Somalier, der die Mauer zur französischen Botschaft in Mogadischu überklettern wollte. So sehen humanitäre Einsätze aus. In Sarajewo wurde Boutros-Ghali jetzt allerdings ausgebuht.
Schreckensherrschaft der Kommunisten in Duschambe, der Hauptstadt von Tadschikistan. Ein Augenzeuge berichtet in BBC: nicht "angebliche", sondern tatsächliche Schreckensherrschaft.
Viele hundert Tote. Die Welt ist ein einziger Schlachthof. Aber wir wollen genau hinsehen: Nicht jeder schlachtet. Hinter der Bosheit der Menschen ist nichts als Unwissenheit. Indem sie glauben, sich vom "Überlebten", "Alten" und "Vergangenen" einer großen Religion und Jahrtausendkultur loszumachen, metzeln sie die Zukunft. Doch dieses Schlachtopfer wird so nicht angenommen. Ihr seid verloren. (31.12.92)
Schwere Gefechte in Somalia während des US-Präsidentenbesuchs (Bush). Nur Somalis beteiligt.
Die Waffenstillstandsvereinbarungen zwischen den "zwei" Bürgerkriegsparteien werden entweder nicht eingehalten oder durch eine dritte Kraft gestört.
Da von einer Verletzung des Waffenstillstands durch die Vertragspartner nicht die Rede ist, kann es sich wohl nur um eine dritte, in den deutschen Sendern bisher ungenannt gebliebene Kriegspartei handeln.
Jedenfalls wird mit schweren Waffen (Artillerie) gekämpft.
Diese dritte Kraft kursiert im Moment unter der allgemeinen, im übrigen natürlich diskriminierenden Bezeichnung "Banditen".
Wer und was verbirgt sich hinter dem Sammelbegriff "Banditen" in Somalia?
Somalia wird zu 99% von Moslems bewohnt. Die "zwei" Bürgerkriegsparteien sind jedoch "weltlich".
Der einstige sozialistische Staat, der noch der sozialdemokratischen Regierung Schmidt die Befreiung der Flugzeuggeiseln in Mogadischu erlaubte, kam später, mit dem Zusammenbruch des Sowjetreichs, in politische Wirren.
Die daraus hervorgegangenen "zwei" gegnerischen Parteien, die sich schließlich unter UN-Aufsicht auf einen Waffenstillstand einigten, lassen sich grob als "sozialistische" und "kapitalistische" Politrichtungen bezeichnen.
In den Augen der "bewaffneten Banden", die weiterkämpfen, müssen die zwei Waffenstillstandsparteien als Kollaborateure der UN-Interventionstruppen erscheinen.
Der Sender CNN brachte vor kurzem einen Bericht, worin ein "Banditen"-Führer gezeigt wurde: er trug einen Vollbart und auf dem Kopf eine Kappe.
Sollte es sich bei den "Banditen" tatsächlich um islamische Gruppierungen handeln, wäre das Stillhalteabkommen der säkularen Bürgerkriegsparteien logisch.
Sie überlassen die Vernichtung oder Entwaffnung der "Banditen" (Moslems) - ihrer gemeinsamen Gegner! - den "Spezialisten" aus amerikanischen "Marines" und französischer Fremdenlegion.
Doch offenbar hatte dieser Plan einen Webfehler. Er bedachte nicht die Traditionen des Landes und das stolze Bewußtsein des Volkes. Aidid besann sich schnell, nahm den Kampf, diesmal jedoch gegen die Eindringlinge, wieder auf.
In einem Haus, das er aufgeben mußte, wurde ein aufgeschlagenes Exemplar des Koran gefunden. Das war ein Signal an Somalia und an die westliche Welt. (1.1.93)
Präsident Bush unterschrieb mit Präsident Jelzin in Moskau den START-II-Vertrag und erledigt wahrscheinlich noch ein paar andere Dinge. Die Umstände lassen die Vermutung zu (bzw. machen sie fast zwingend), daß es nach der Ära Bush eine russisch-amerikanische Abkühlung geben wird.
Innenpolitik oder Außenpolitik, das kann für eine Weltmacht keine Alternative sein. Im Zweifelsfall wird immer die Außenpolitik Vorrang haben, das ergibt sich aus der Natur der Sache. Eines mit dem anderen so zu verbinden, daß das Volk nicht gleich merkt, was wirklich gespielt wird, ist eine Frage des propagandistischen Geschicks, aber auch der tatsächlichen Gewichteverteilung, schließlich eine Frage der Etats für die einzelnen Ressorts.
Die bestimmenden Kräfte liegen außerhalb Amerikas. Die USA können sich nicht aus der Weltpolitik heraushalten; aber sie werden vermutlich versuchen, sich zeitlich so zu begrenzen, daß sie nicht das Bild eines ständig in aller Welt intervenierenden Staates vermitteln.
Die seit längerem überall diskutierten und konzipierten "schnellen Eingreifverbände" lassen auch schon erkennen, daß die Blitzoperation ("Blitzkrieg") ein Mittel der Interventionspolitik sein wird.
Die technischen Möglichkeiten werden voll genutzt. Der Schein einer friedlichen und zivilen Welt soll ja bestehen bleiben. Das flinke Militär sorgt für kleine Überraschungen, was auch den Unterhaltungswert erhöht; ansonsten wird eine durchgehende Desinformation die Menschen weitestgehend im unklaren lassen.
Desinformation bzw. Scheininformation wird sowieso mehr und mehr unsere Welt bestimmen. Die Zeit der vielen unabhängigen Nachrichtenquellen und -vermittler ist vorbei.
Spätestens der Golfkrieg hat uns gelehrt, wie das funktioniert. Es wird die totale Rund-um-die-Uhr-Berichterstattung vorgespiegelt, wie sie CNN produziert, wo ein Nachrichtenmonopol besteht, das uns knappe Nachrichtenblöcke, wechselnd mit Werbeblöcken, Wetter- und Börsenberichten, vierundzwanzig Stunden am Tag in steten Wiederholungen über den Bildschirm ins Wohnzimmer sendet.
CNN hat 27,5% der n-tv-Aktien erworben. Seither erreicht uns ein ziemlich ausgedünntes Programm, was seinen Nachrichtenwert angeht. Irrig ist die Annahme, durch die Anknüpfung an CNN hätten wir nun den Anschluß an die große weite Welt.
Richtig und entscheidend ist die Nachrichtenkontrolle, ja in gewisser Weise eine Nachrichtenzensur, die jetzt ganz unauffällig vor sich gehen kann.
Das Instrument der runden Fehlinformation wird in Zukunft mehr denn je zur Geltung kommen. Denn vieles muß verheimlicht werden. Wer sich ein halbwegs zutreffendes Bild vom Geschehen machen will, dem bleibt nur noch der eigne (analytische und synthetische) Verstand.
Medienkonsumenten als Agenten der Desinformation zu begreifen, ist eine praktische, aufmerkende, intelligente Selbsterfahrung und Selbstschulung. Die Verhältnisse sind dadurch auch etwas klarer geworden. Die Dialektik der Umstände bringt die täglichen kleinen Wunder zuwege. (3.1.93) seiten 142/143/144/145/146
US-Raketenangriff auf Bagdad. Nuclear-Anlage getroffen, heißt es zunächst. Es war jedoch eine Werkzeugmaschinenfabrik.
Wer provoziert wen?
Das Geschick des Westens, einen gewollten Krieg nicht selber anzufangen, ist bekannt.
Wer auf eine Welt von Mitspielern zurückgreifen kann, hat es leicht, einen "Feind" zu isolieren und weitere Züge vorzubereiten, ob in Europa, in Nahost oder anderswo.
Die Ausschließung eines Landes durch nachhaltige "schwarze Propaganda" hat ihre eigene Geschichte. Wer vom Westen systematisch diffamiert wird, muß mit Krieg rechnen. (17.1.93) seite 152
Elektronische "Überwachung", "Steuerung", "Kontrolle"... ist Möglichkeit und Wirklichkeit einer totalen Weltherrschaft.
Der historische Sachverhalt:
Die Abschaffung - durch Vernichtung und Selbstvernichtung - "totalitärer" Herrschaftssysteme - nationalsozialistischer, faschistischer und sozialistischer bzw. kommunistischer Observanzen - war die Bedingung für einen Totalitarismus, der erstmals seinen Namen verdient.
Der totalitäre Gedanke nährt sich aus der "modernen" Naturwissenschaft. Die menschliche Ethik ist den Versuchungen des Wissens offensichtlich nicht gewachsen. Es erscheint bereits sinnlos, mit ethischen Beweisführungen und moralischen Argumenten gegen sittlich ungebundene "Wissenschaften", ihre Hervorbringungen und Rechtfertigungen (Selbstrechtfertigungen) anzugehen.
Eher läßt sich beobachten, daß die "wissenschaftlichen" Faktizitäten ihre "normative Kraft" verändernd auch auf das sittliche Verhalten und, daraus hervorgehend, ethische Verständnis, mithin auf die Ethik in Praxis und Theorie ausüben.
Die Heilung der wissenschaftlich geschlagenen Wunden durch Wissenschaft ist eine Glaubensfrage, fast wie ein Aberglaube. (13.6.93) seite 178
Die Entmachtung Amerikas ist eine innere Angelegenheit der Amerikaner. George Kennan meint, die USA seien ein Monsterstaat, der in etwa zehn kleinere Staaten aufgeteilt werden sollte.
Eigentlich müßten die Europäer alle wieder nach Hause gehen und den Ureinwohnern Platz machen. Desgleichen die Afrikaner.
Wo haben wir Vergleichbares: daß ein ganzer Kontinent neu besiedelt wurde und die einstigen Bewohner fast vergessen sind?
"Amerika" ist ein wahrhafter "Monsterstaat": Rassismus und Völkermord sind für "Amerika" konstitutiv.
Der "historische Glücksfall" ist nur die Sonnenseite dieser Geschichte. (1.7.93) seite 185
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