Buchausgabe:
Avram Kokhaviv, Die Schriften entheiligen!
Herausgegeben von Alexander Becker © 2000 kokhaviv publications

Der Text stützt sich auch auf frühere Aufzeichnungen. Wiederholungen und Widersprüche dienen der Erkenntnis. kkk

2001-12-10 online-Fassung

Avram Kokhaviv

Die Schriften entheiligen...

So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.
Matthäus 20:16, 22:14

Den heiligen Kern erhalten... Denn YISHMAEL - das ist Torah Left!

Der Erstgeborene hieß Qain. Er war der Sohn Adams und Evas. Adam war von Gott aus dem Irdischen erschaffen worden. Eva entstand aus der Rippe Adams. Qain aber wurde als erster Mensch auf Erden von einem Manne gezeugt, von einer Frau geboren. Qain ist der Erstgeborene par excellence.

Sein Bruder Abel stand gleichwohl, wie es schien, höher in der Gunst Gottes. Qain erschlug ihn dafür. Ja, Qain tötete seinen jüngeren Bruder Abel um Gottes willen. Mit dieser Tat setzte Qain Gott in die Pflicht gegen ihn, den Erstgeborenen.

Gott verdammte und zeichnete ihn für die Tat, schonte sein Leben und verfügte über ihn einen siebenfältigen Schutz. Qain hatte sich die Gunst und die Achtung Gottes erkämpft, indem er auf seinem Recht bestand.

Der Name Qain bedeutet so viel wie Waffe oder Speer. Abel - eigentlich: Havel - ist ein Lufthauch, eine Vergänglichkeit, ja, ein Götze, ein Nichts. Sein oder nicht sein... Die Namen der Brüder sagen deutlicher als Qains Tat und Gottes Urteil, wem die Erde - von Anfang an - zugedacht war.

Die Entrechtung des Erstgeborenen liegt im Plan der Heilsgeschichte. Gegen diesen Plan spielen wir den biblischen Trumpf aus: Die Ersten werden die Letzten sein. Der Kosmos liefert uns dazu die Bestätigung als Gesetz.

So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.
Matthäus 20,16; 22,14
Amaleq ist das erste unter den Völkern; aber zuletzt wird es umkommen.
4.Mose 24,20
Gesegnet bist du, Ägypten, mein Volk, und du, Assur, meiner Hände Werk, und du, Israel, mein Erbe!
Jesaja 19,25
Und der Herr sprach zu Mose: Schreibe dies zum Gedächtnis in ein Buch und präge es Josua ein; denn ich will Amaleq unter dem Himmel austilgen, daß man seiner nicht mehr gedenke.
2.Mose 17,14
Und zur Mitternacht schlug der Herr alle Erstgeburt in Ägyptenland vom ersten Sohn des Pharao an, der auf seinem Thron saß, bis zum ersten Sohn des Gefangenen im Gefängnis und alle Erstgeburt des Viehs.
2.Mose 12,29
Und der Herr redete mit Mose und sprach: Heilige mir alle Erstgeburt bei den Israeliten; alles, was zuerst den Mutterschoß durchbricht bei Mensch und Vieh, das ist mein.
2.Mose 13,1.2

Die Ausrottung des Erstgeborenen steht nicht erst seit dem Exodus auf dem Plan, sie ist das heilsgeschichtliche Programm per se. Die sogenannte Heilsgeschichte ist die historische Umkehrung göttlichen Gesetzes.

Die Bewertung dieser Heilsgeschichte wird darüber entscheiden, ob die ewige, vermeintlich von Gott aufgetragene Intrige gegen die Erstgeburt, gegen das Recht des Erstgeborenen, der Menschheit zum Heil gereicht oder eine Katastrophe ist, die Katastrophen gebiert.

Der Krieg gegen das Erstgeburtsrecht ist der Grundkonflikt der Menschheit, der sich in sämtlichen kleinen und großen Kriegen seit Anbeginn realisiert.

Die Psychoanalyse hat von diesem Tatbestand abgelenkt, indem sie den Vater-Sohn-Konflikt in den Mittelpunkt stellte. Beide Konflikte verhüllen weitgehend die Rolle der Mutter. Die Intrige gegen den Erstgeborenen ist ebenso wie der sogenannte Ödipus-Komplex mutterbestimmt. Die Favorisierung des Jüngern und Jüngsten zieht sich wie ein roter Faden durch die biblische Geschichte.

Ismael wird durch Sarah um sein Erstgeburtsrecht betrogen, Esau durch Rebecca. Der Betrug hat die Verleumdung zur Begleiterin. Später sind es die Jüngsten Benjamin und David, die gegen die Ersten ausgespielt werden. Die Geschichte hat ihnen keineswegs recht gegeben. Der Betrug hat sich nicht ausgezahlt. Wird damit die Politik der Frauen von der Geschichte widerlegt?

Die Ersten werden die Letzten sein und die Letzten die Ersten: der Satz verheißt die Offenbarung eines Mißverständnisses. Er ist eine Kritik der Heilsgeschichte und ihrer Idee. Die Geschichte als Umweg über zahllose Stationen des Irrens und Fehlens ist identisch mit der sogenannten Heilsgeschichte. Die Verblendung kommt aus der menschlichen Natur und ist auch nicht heilbar.

Die Heilung, mithin die Erfüllung der Verheißungsgeschichte, käme einer Zerstörung des Menschen gleich. Die Unheilbarkeit der Menschennatur ist gleichwohl dazu angetan, zum Beweggrund des Denkens zu werden.

Die historischen Versuche, mit der Heilung dennoch anzufangen, sind zahlreich. Die großen Religionen legen Zeugnis davon ab, wie der Mensch seit Anbeginn aus seiner Haut herauskommen will. Die Beschneidung der Vorhaut ist mehr als eine Symbolik; sie verhilft dem Erstgeborenen zu seinem Recht. Eine psychosomatische Konsequenz, die sich dem allgemeinen Wissen immer wieder entzogen hat. In der Heilsgeschichte verbirgt sich die Umgehung der einzigen Möglichkeit.

Ein Maßstab ist die Intelligenz. Eine höhere Intelligenz des Nachgeborenen macht dem Ersten zu schaffen, so sehr, daß er verzichten muß. Das Urbeispiel wird uns mit Esau und Jakob vorgeführt. Die Besessenheit Jakobs, den Erstgeburtssegen zu erlangen, ist nur aus seiner Intelligenz und der Kraft, die Gott ihm verlieh, zu begreifen. Wenn das die reine Wahrheit ist. Der Zweitgeborene wußte Segen und Recht mehr zu schätzen als der Erste, für den sie gedacht sind. Die Überlieferung stellt uns Esau als behaart und also unwürdig dar. Eine bemerkenswerte Sicht. Die Legende ist gerüchthaft und polemisch wie die Nachrede Sarahs wider Ismael.

Hier ist das Macht- und Erbbesitz-Motiv noch deutlich. Spätere Überhöhungen und Idealisierungen lenken nur davon ab, daß es stets um konkrete Belange gegangen ist.

Das Heil der Welt vom materiellen Besitz und von der Macht über die Menschheit abhängig zu machen, mag absurd erscheinen, ist aber das A&O der Welt- und Menschheitsgeschichte.

Götter herrschen, weil sie die besseren Gedanken und Einfälle, die überzeugenden Zukunftsmodelle haben. Das läßt sich wissenschaftlich verifizieren. Es gibt objektive Kriterien, anhand derer wir messen können und das historische Gewicht einer Lehre feststellen müssen, wenn wir nicht blind bleiben wollen.

Es wird schwer sein, die biblische Lehre unter Wert zu veräußern oder gar ausschließen zu wollen. Die Wahrheit läßt sich nicht exmittieren, was allerdings eine kritische Revision von Lehre und Geschichtsübermittlung nicht nur nicht überflüssig, sondern - essentiell - notwendig macht. In der Revision der biblischen Geschichte steckt womöglich mehr Gebot und Verheißung als bisher vermutet. Die Dogmatisierung der Torah, ihre einseitige, tendenziöse Auslegung und philosophische Vernachlässigung ist ein - existentielles! - Problem für die Menschheit. Deren Zukunft bedarf einer gründlichen Prüfung unseres Torahwissens.

Für den gemordeten Abel/Havel wurde Set geboren. Aber die Namensgebungen in der Set-Linie sind so offensichtlich der verdammten Qain-Sippe entlehnt, daß kein Zweifel bestehen kann: Nicht für den toten Abel/Havel, sondern für Qain und seine Nachkommen sollte Ersatz geschaffen werden. Qains Familiengeschichte wurde mit einer Wiederholung der Namen bei Set abgedeckt. Noah, der die Flut überlebte, hat einen Vater namens Lamakh, der freilich von Set herkommt. Der herausragende Erzvater Lamakh, der von Gott siebenundsiebzigmal Verschonte, war aber ein Nachkomme Qains. Die Abdeckung der Geschichte geht so weit, daß der Erstgeborene Jakobs, Ruben, seinen Ersten Henoch/Chanokh nennt. Chanokh war der Erstgeborene Qains.

Der Erstgeborene soll aus der Geschichte verschwinden. Sein Name wird von der Folge getrennt. Qain bleibt nur noch als Brudermörder in Erinnerung, dessen Mal auf der Stirn ihn für alle Zeiten abgestempelt habe. In Wahrheit ist das Qains-Mal eine Warnung an alle, die dem Erstgeborenen zu nahe treten wollen. Es ist kein Schand-, sondern ein Schutzmal, Zeichen eines Privilegs.

Die Tendenz, das Privileg des Erstgeborenen zu erlangen, es ihm streitig zu machen, zieht sich durch die ganze sogenannte Heilsgeschichte. Die Heilsgeschichte ist die Geschichte eines ewigen Versuchs, das Recht und den Segen des Erstgeborenen sich zu erdienen, zu erlügen, zu erdichten, um das Privileg des Ersten zu betrügen, Intrigen zu spinnen, Ränke zu schmieden, dem Tode auszuliefern.

Was wir erkennen können, ist, daß es niemals richtig gelingt; daß Gott seine schützende Hand über den Erstgeborenen hält und die Feinde letzten Endes leer ausgehen.

Am Erstgeborenen wird die Dialektik der Geschichte zum ersten Mal greifbar. Die Dinge entwickeln sich anders, als es den Anschein hat. Der Mensch denkt, den Erstgeborenen ablösen, betrügen, übervorteilen, ersetzen zu können, während Gott, der dieser Hinterlist zuzustimmen scheint, in Wahrheit - von langer Hand - die Wiedereinsetzung des Ersten vorbereitet.

Gott ist seinem Erstgeborenen niemals untreu geworden. Eine messianische Zeit wird es offenbar machen, wird darüber aufklären, daß die Betrüger, nicht ihre Opfer, aufs Gericht zugehen. Das Strafgericht Gottes wird das Recht des Erstgeborenen als im Prinzip unverletzlich deklarieren, als kosmische Regel, ein Gesetz Gottes.

Anfang ist Schöpfung. In jedem Erstgeborenen ist das Staunen Qains, als er die Welt betrat und ihr Licht erblickte. Erinnerung ist das genetische Wissen, Zeuge des Anfangs gewesen zu sein; die Gewißheit, Zeugnis ablegen zu müssen vom Schöpfungsakt Gottes.

Dem Ersten gehört die Welt ganz allein. Die Nachgeborenen ahnen es, haben unter dem Anspruch des Ersten zu leiden und planen seinen Sturz. Der Erstgeborene ist mehr als ein Vater, dem die Söhne die Autorität nur neiden.

Vom Erstgeborenen geht eine Gefahr aus. Der Erstgeborene ist eine Bedrohung für jeden, der nach ihm kommt. Die Bedrohung, die für ihn selbst von jedem Nachgeborenen ausgeht, wird nicht erkannt, weil der Anwesende groß und stark und unbesiegbar, die Kommenden aber klein, schwach und hilfsbedürftig erscheinen.

Welche Gefahr sollte von einem gewickelten Baby ausgehen, wenn nicht die, daß es die Zukunft bestimmen wird. Der Erstgeborene fürchtet die Überzahl, die schnöde Rivalität, fürchtet die reine Quantität gegen seine Qualität des Erstgeborenseins. Er denkt sich außer jeder Konkurrenz. Seine Furcht ist begründet. Der Heilsgedanke will die Herrschaft des Ersten und Einzigen brechen. Im Erstgeborenen inkarniert sich Gott jedesmal neu in seiner Einzigkeit und Allheit. Wie der Eine Gott den Göttern, so nimmt der Erstgeborene den Nachgeborenen das Recht, den Platz, den Eigenwert.

Der Erste ist aber auch der Vater seiner Söhne und Töchter, der Erste einer Sippe, einer Linie, einer Genealogie, eines Stammes, eines Volkes, einer Rasse. Das Wort Rasse weist ausdrücklich auf diesen Anfang hin, auf den Ersten. Er will seinen Samen streuen und mehren, will sich ausbreiten gegen die andern. Der Ausschließlichkeitsanspruch des Erstgeborenen ist der Same Gottes, ist Zwietracht, Krieg und Brudermord.

Wenn Gott jede Erstgeburt ausdrücklich für sich reklamiert, so wohnt dem der Wunsch nach Frieden inne. Heilsgeschichte als Entmachtung und Entrechtung der Erstgeburt, des Erstgeborenen in seiner ewigen Wiederkehr, hat also eine Logik der Schöpfung mit sich. Entmachtung, Entrechtung und Herausnahme des Ersten, Vertreibung, ja, Abtreibung der Erstgeburt, ist eine Vorwegnahme der Ausschließung Gottes.

Gottesverständnis und die Analyse der Heilsgeschichte machen Gott als den Gesetzgeber überflüssig, verzichtbar, unnötig. Das ist aber nur prinzipiell richtig.

Die Sterblichkeit des Menschen garantiert den Mißerfolg des Lernens. Jeder Mensch muß von vorn anfangen, kann nirgendwo anknüpfen, beginnt mit den ersten Fingerübungen, kann somit auf den Lehrer - und also auf Gott als den Begründer von Lehre und Gesetz - nicht verzichten.

Die messianische Zeit bleibt eine Utopie, ein Niemalsland und Nirgendwo. Messianische Elemente bleiben wünschbar und vorstellbar. Gottes Schöpfungswerk macht das Undenkbare denkbar. Unsere Phantasie vergißt gern, wem und welchen Umständen sie sich verdankt. Ohne Gott ist der Mensch verlassen. Nur Gottes Segen vermag Licht licht, das Schöne schön, das Gute gut zu machen. Ohne ihn kehrt sich alles ins Gegenteil, und das Verhängnis nimmt seinen Fortgang.

Die Kraft der Erstgeburt ist unabweisbar und unüberwindbar. Der Erstgeborene setzt sich durch, weil er die Ängste der Späteren nicht kennt. Nicht kennt, solche Ängste? Er hat sie zerpflückt und verarbeitet, aus ihnen Mut geschmiedet. Er hatte keine Wahl. Er wäre sonst untergegangen. Darum überlebt er die Generationen und kann sich von ihnen nichts erhoffen. Die Ersten werden zuletzt gebraucht, weil das Ende der neue Anfang ist. Die Wende braucht die Ersten als Letzte, die Letzten als Erste des Neubeginns. Krieg und Frieden treffen ihre Auswahl.

Der Typus, der Krieg und Krisen beherrscht, ist ein anderer als jener des Friedens. Beide werden, scheint's, gebraucht; aber der Krieg als der Vater der Dinge erklärt die Vaterschaft Qains, des Ersten und Waffenträgers, wie der Name es von Anfang an vermeldet. Der Erstgeborene ist der Träger des Krieges. Die Heilsgeschichte ist eine Geschichte des Friedens, des Intervalls, der Wartezeit zwischen Krieg und Krieg. Zwietracht ist die Saat Gottes; im Krieg realisiert sich das Schöpfungsprinzip. Was wir Dialektik der Geschichte nennen, ist der Krieg als das Wesen der Geschichte, ist das Pulsen des Blutes. Es gibt nirgendwo Frieden. Wo Frieden zu herrschen scheint, reißt ihm der Erstgeborene das Heft aus der Hand, so wird Krieg. Qain wurde verbannt, es sollte die Strafe sein. Seine Strafe aber war und ist und bleibt sein historischer Auftrag. Er sorgt für die Dialektik der Geschichte. Sobald er sich auf den Weg macht, ist Krieg unterwegs. Auch Ismael ist Krieg.

Er wird ein wilder Mensch sein. Er wird gegen jeden kämpfen und jeder gegen ihn. Er lebt getrennt von seinen Brüdern und fordert sie alle heraus.
1.Mose 16,12; 25,18

Die Charakterisierung des Erstgeborenen ist eine einzige Herausforderung. Dem Erstgeborenen gilt die volle Aufmerksamkeit, die uneingeschränkte Liebe und Achtung. Er ist der Große, auch wenn er noch klein - während die Nachgeborenen die Kleinen, die Jüngeren und Jüngsten bleiben, ohne Beziehung zum tatsächlichen Alter. Hier waltet eine merkwürdige Relation. Eine Relativitätstheorie des Erstgeborenen wird zum Mandat, hat er sich nur erst auf den Weg gemacht. Das Leben besteht aus Grenzziehungen. Die Selbstgewißheit des Ersten ist riskant und gefährlich - für jeden anderen und für ihn selbst. Aaron war der Erste, Mose der jüngere Bruder; drei Jahre lagen zwischen den beiden. Mose wird den Kindern Israel ausdrücklich als "Gott" bestimmt, dessen Prophet aber Aaron sein soll. So will es der Herr, der Gott Israels.

Mose, der Jüngere, ist also der "Gott", der geheimnisvolle Überbringer; Aaron hingegen, der Erste, ist zum Interpreten, Wortführer, Dolmetscher und Priesterkönig bestimmt. Die Einsetzung Moses umgeht den Erstgeborenen, kann auf ihn jedoch nicht verzichten. Mose bedarf des Sprechers und Übersetzers; er ist kein Redner, kein Erklärer.

Der Eine Gott vom Sinai und der Erste Lehrer Aaron markieren die Positionen Himmels und auf Erden. Zwischen ihnen wandelt Mose. Er bringt die Gesetzestafeln vom Berg, zerbricht sie sogar, als er erkennen muß, daß Aaron sich von den Umständen zum Rückfall verführen ließ.

Aaron war der autonome Erste, der aus eigenen Beweggründen entschied. Die Autonomie des Ersten wird von Gott als Rivalität erkannt, tendenziell verurteilt und bestraft. Doch bleibt Aaron ungeschoren wie einst Qain. Als Erstgeborener gehört er dem Herrn, steht er unter Gottes besonderem Schutz. Die ihm zugesprochenen Strafen werden an anderen zahllos exekutiert. Segen und Strafe gehen am Ersten vorbei auf Spätere über. Der Erste ist tabu.

Die psychosomatischen Notwendigkeiten und die Verpflichtung zur Wahrheit sind wesentliche Elemente ursprünglichen Denkens. Die kosmischen Bahnen zeichnen die Wiederkehr vor; bestimmen sie, erzwingen sie - unmerklich. Wiederkehr ist das universelle Grundgesetz. Unter gleichen Bedingungen entsteht eine gleiche Welt.

Die nahen Planeten kehren oft wieder, die fernen selten. Die Fixsterne verdanken ihren Namen der Begrenztheit menschlicher Sinne. Der Orion und die Plejaden werden in der Bibel als feste Konstellationen erwähnt. Sind sie unverrückbar fest oder in sich veränderlich? Wenn Gott sagt, daß sie nicht getrennt werden können, müssen wir davon ausgehen, daß die Bedingungen seit Jahrtausenden die selben sind. Es spricht nichts dafür, daß dies sich ändern könnte.

Die geringsten Wandlungen im Gesamtgefüge wirken auf unser Befinden ein. Die kleinste Wetterwende stürzt in Krankheit und Mißbehagen. Sonne und Mond sind die nächsten und deutlichsten Determinanten, selbst sie werden oft nicht bedacht.

Um den ontischen Grund zu finden, ist tiefer zu loten. Die Unterströmungen sind durch Heiligungen und Pseudoheiligungen versperrt. Heiligungen haben den Unglauben genährt, die Wahrheit ritualisiert und verharmlost. Wer die Glut nicht zu spüren bekommt, glaubt bald nicht mehr an ihre Existenz. Und wer den Ritus einführte, hatte die Wahrheit bereits verloren.

Täuscher und Getäuschte gingen eine Komplizenschaft ein. Ein unsichtbares Augenzwinkern festigt das Band des immanenten Heidentums. Das auferlegte Tabu hindert die kritische Unterscheidung. Die Ersten werden die Letzten sein, heißt auch, das Ursprüngliche wird wieder Geltung erlangen. Das Gesetz wird erkannt werden, und die Erkenntnis wird von Dank erfüllt sein. Die Freude an der Offenbarung wird die Feindschaft zwischen Kunst und Wissenschaft, Lieben und Denken ablösen. Die Vollkommenheit der Letzten wird die der Ersten sein und den Anfang gründen. Rettung des Heiligen und Absoluten ist die Erhaltung unserer Erkenntnisfähigkeit. Auch das Gebet hat seine Zeit.

Was man hinter sich gelassen, kann nicht mehr herangezogen werden. Ungleichzeitigkeiten spielen gewiß immer noch eine Rolle, als Muster können sie nicht dienen. Hinterlassenschaften sind nicht aus der Welt. Der alte Hut hängt nur noch im Schrank. Was hier Mode, ist dort ein geschichtliches Überlebtsein. Die Umstände des Ersten Weltkriegs brachten Lebensweisen hervor, die der Umstände halber auch wieder verschwanden.

Der Gott der Torah ist bis heute nicht ausgeschaltet worden, und man hat es wahrlich versucht. Allein mit Ignoranz ist dieser Gott zu widerlegen. Erstaunlich, wo doch alles gelingen will. Was die Moderne wider den Einen Gott tut, tut selbst sie mit schlechtem Gewissen. Auch der Antijudaismus hat eine seltsame Beimischung aus heimlicher Bewunderung, Furcht, Nachahmung...

Die Antisemiten betrachten "den Juden" imgrunde als den Erstgeborenen, dem sie Recht und Segen abluchsen möchten wie einst Jakob dem Esau. So lernen sie aus der Geschichte ihrer Haßobjekte. Die Feinde der Juden sind deren fleißigste Schüler, die eifrigsten Studenten jüdischer Geschichte. Sie erkennen sich in ihnen wieder. Beide sind Erbschleicher des Segens. Beide sind Spätere, deren Ehrgeiz das Erstgeburtsrecht...

Qain ist in China groß geworden, Ismael mit den arabischen Völkern. Cham hat Afrika belebt und greift über seine Küsten hinweg nach Amerika. Cham war Ägypten und Amaleq, war "mein Volk" und "das erste unter den Völkern". Gott hat seine Erstgeborenen gezüchtigt, aber nicht im Stich gelassen.

Gegen die Großen und Erstgeborenen hat er die Idee des kleinsten Volkes gesetzt.

Gott holt seine Schöpfung zurück, atmet wieder ein. Weltraumforschung und Makrophysik sprechen von Schwarzen Löchern, in denen sich das Einsteinsche Energiegesetz bestätigt sehen darf. Wenn es keine Projektion wissenschaftlicher Theorien, sondern eine reale Entdeckung ist, haben wir mit den Schwarzen Löchern die höchste Konzentration des Seins und des Seienden, der Materie, vor uns, das Nichts zugleich, weil aufgrund seiner Eigenheit nicht wahrnehmbar. Wenn Gott seine Schöpfung zurückholt, wenn uns der Himmel wieder näher kommt, bringt er diese Schöpfung auf den Punkt, zu höchster Verdichtung und denkbar Kleinstem. Gott sammelt die Energien ein. Indem er sie zurücknimmt, verwandelt er die "Dinge" wieder in Energie. Ein neuer Schöpfungsakt wird vorbereitet. Gott schuf also nicht aus dem "Nichts". Er schuf aus dem höchsten Konzentrat, der denkbar größten Dichte, die sich unseren Sinnen und selbst unserem Denken entzog, so daß wir glauben durften, es werde alles und sei alles geworden aus dem Nichts.

Das Ein- und Ausatmen ist wie der rhythmische Wechsel von Tag und Nacht auf sphärische Bewegungen zurückzuführen. Was wir als Zeit empfinden, beruht auf der beständigen Wiederkehr des Bekannten und Gleichen. In der Kreuzung und der Begegnung verschiedener Umlaufbahnen, in den Bewegungsrelationen der Gestirne zueinander, den daraus folgenden Lichtdifferenzen, glauben wir Brüche in der Harmonie, Störungen der Kreis- oder Ellipsenspuren wahrzunehmen. Was wir erleben, ist - jenseits aller Sinnestäuschung - der selbe Rhythmus aus dem Charakter der Zyklen und Sphären, der je individuell bewegten Vielfalt. Kein Planet gleicht dem anderen. In dieser Erkenntnis treffen Philosophie und moderne Weltraumforschung zusammen. Harmonie und Wiederkehr sichern den Bestand des Universums.

So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.

Die Einfachheit des Gedankens leuchtet auf, wenn die kosmischen Voraussetzungen verstanden werden. Sollen die Ersten die Letzten sein, so werden China (Qain) und Afrika (Cham), also auch Ägypten ("mein Volk"), die arabisch-islamische Welt (Ismael) und Amaleq ("das erste unter den Völkern") das Zeitalter beschließen. Ja, Amaleq wird sie alle überleben ("zuletzt umkommen"). Israel trägt die Botschaft als Hinterlassenschaft Gottes ("mein Erbe") bis ans Ende der Welt, bis zum Umbruch und zum Wechsel der Epoche, dem Beginnen eines neuen Zeitalters.

Die Letzten werden die Ersten sein. Die Jüngsten überbringen die Nachricht. Die Erben der Jüngsten aber sind die Europäer, die Deutschen und Russen, die in ihren Namen - RUS und DVD - eine besondere Botschaft tragen. Der Name RUS ist etymologisch identisch mit RAS, ROSch, RESch und bedeutet: Kopf, Haupt, Spitze, erster Rang, Ausgangspunkt, Anfang... DVD oder DVID weist die Deutschen als Davidische, als Lieblinge und Verwandte Gottes, als Volk der Bestimmung, des Gesetzes, des Bekenntnisses und des Dankes, schließlich als das Volk des ägyptischen Gottes TOT, TAUT aus, von dem Amaleq - nach meiner Entschlüsselung korrekt: AM AL AMAQ, Volk des unerforschlichen Gottes - seinen Namen hat. In der jüdischen Literatur werden nicht nur die Armenier (Aramäer, AR AM, was so viel wie Volk des Lichts, des Feuers und der Offenbarung bedeutet), sondern auch die Deutschen mit Amaleq beziehungsweise den Amaleqitern gleichgesetzt. Diese aber waren "das erste unter den Völkern" - und werden alle überleben, wenn man der Torah glauben darf.

Vermerk vom 17.Januar 1992: Die Zarenfamilie - Nikolaus II., Zarin Alexandra und die fünf Kinder - war deutsch und russisch. Ob das ein Wink für die Zukunft ist, weiß ich nicht. In der alten Vergangenheit waren die Deutschen/Preußen mit den Russen immer irgendwie politisch verknüpft. Eine Interessengemeinschaft und so etwas wie eine Seelenverwandtschaft ist unverkennbar. Wenn man der Familie, jedem einzelnen, in die Augen schaut, glaubt man, sie leiblich vor sich zu haben. Die Bilder aus der privaten Fotosammlung der Romanows haben auf mich einen starken Eindruck gemacht. Wie muß das erst auf Menschen wirken, die weit hinten in Rußland zum ersten Mal diesen Film sehen konnten. Sie müssen geweint haben, als sie das sahen, als sie erkannten, wie böse sie belogen und betrogen worden waren von denen, die bis vor kurzem die Geschicke des Landes leiteten. Ein weinendes Rußland ist ein heiliges Rußland, das keinen Dichter mehr braucht, um dies an sich selbst zu erfahren in jeder einzelnen Seele. Es ist der Strohhalm, an dem das ganze, einfache, geschundene, betrogene, ewig leidende Volk sich festhalten und hochziehen kann. Ein Rußland, das so in seine Seele einkehrt, ist zunächst keine Gefahr, sondern eine liebenswerte Erscheinung. Doch eines Tages werden die Russen daraus ihre neue Stärke geschöpft haben und darangehen wollen, die Welt an ihrem wunderbaren Erwachen teilhaben zu lassen. Damit ist dann natürlich der Kriegsfall gegeben. Kein Mensch in Westeuropa will sich auf diese Weise beglücken lassen. Hundert Millionen Russen haben den Film im vorigen Jahr gesehen. Es ist kein Spielfilm, sondern eine Dokumentation, ein Bericht, und das macht die Sache so stark. Man hat das Gefühl, daß die Russen soeben ihre Identität wiederentdeckt haben. Plötzlich, nicht allmählich, sondern wirklich in dem Augenblick, als sie die Familienbilder der Romanows sahen. Ob das in eine neue Monarchie führt, ist schwer zu sagen. Der russische Großfürst Wladimir hat seinen Enkelsohn gleichen Namens für eine künftige Thronbesteigung erziehen lassen und vorbereitet. Mir fiel auf, daß Fotografien, die den kleinen Wladimir zeigen, auffallende Ähnlichkeit mit dem ermordeten Zarewitsch Alexander aufweisen, selbst den kleinen Matrosenanzug trägt der Junge, so daß der Eindruck entstehen kann, eine Anähnelung sei hier absichtlich ins Bild gesetzt worden. Die Heiligsprechung der Zarenfamilie führt diese ganze Geschichte in die Religion ein. Was eben noch eine halbtote Kirchenorganisation war, die niemals eine Autonomie entwickeln konnte, wird auf einmal zu einer lebendigen Hüterin der heiligen Familie. Nikolaus ist für uns am Kreuz gestorben, der kleine Alexander wird auf Gemälden wie Christus am Kreuz gezeigt, das zeigt die Dimension auf, in der sich dieses Ereignis abspielt. Die Größe liegt hier in der Stille. Es ist ein Mysterium, in das die Seelen Rußlands getaucht sind, das sie heimgesucht hat, um sie zu erlösen. Die heilige Familie braucht die Monarchie nicht mehr. Die Monarchie würde sie profanisieren, wer weiß. Dennoch geht die Geschichte weiter, und was wahr ist, muß nicht die Politik bestimmen. Auch da lassen sich künftige Konflikte zwischen den Herrschenden und den Beherrschten denken. Das russische Volk hütet die heilige Familie, umsorgt die gemordeten Kinder im Herzen, während die große Politik eine neue Lügengeschichte ausbreiten muß, weil nicht alles, was wahr und heilig, auch zugleich brauchbar ist.

Das ist der Überlegung wert: Die Dreifaltigkeit im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes heilsgeschichtlich zu verstehen. Der Satz, tausend Fäden kommen in mir zusammen und bringen mich zum Leuchten, ist eine Theorie des Sohnes, des Späteren, am Ende eines geschichtlichen Abschnitts. Die Väter kamen im Sohn zusammen und brachten ihn zum Leuchten.

Heilsgeschichtlich haben wir zunächst die Religion der Väter, ihr folgt die Religion des Sohnes (nicht der Söhne!). Der Islam ist die Religion des Heiligen Geistes. Judentum, Christentum und Islam manifestieren das Mysterium der Dreifaltigkeit göttlicher Offenbarung.

Wie vom Urvater die "tausend" Fäden ausgehen - über "tausend" Väter -, so kommen sie im Sohn zusammen und bringen ihn zum "Leuchten". Die Erleuchtung des Sohnes ist der heilige Geist, sind die "tausend" Strahlenfäden, die er aussendet. Der heilige Geist ist die göttliche Entsprechung des väterlichen Samens, das Sprießen der Aussaat. Die Verallgemeinerung des Besonderen.

Der religionsgeschichtliche Ansatz führt zur klassenanalytischen Konsequenz. Sozialtheoretisch gehe ich auf Ismael zu, den Sohn der Magd, der aus diesem klassenspezifischen Grunde um sein Erstgeburtsrecht gebracht wurde.

Ismael ist aber auch einer der Urväter. Als erster Sohn Abrahams ist er einer jener geistigen Fäden, die in Jesus zusammenkommen. Als Erstgeborener ist er zugleich der Prototyp des Sohnes, wie schon Qain es war. Auch Qain wurde um sein Erstgeburtsrecht, darüber hinaus jedoch um seine Urvaterschaft betrogen.

Die Überlieferung behauptet, die Söhne und Töchter Qains seien bei der Flut umgekommen, obwohl sie später unauffällig wieder auftreten. "Dennoch wird Qain ausgetilgt werden", heißt es bei Bileam in 4.Mose 24,22, lange nach dem Auszug aus Ägypten. Das Ende Qains, seiner Kindeskinder, wird also in die Zukunft verlegt.

Die Söhne und Töchter Qains haben die Flut überlebt, weil sie sie voraussehen konnten. Als Kindeskinder Gottes hatten sie teil an seiner Weisheit. Noah sog aus derselben Quelle, muß darum, wie ich denke, aus derselben Linie stammen.

Der absolute Erstgeborene, von Menschen Gezeugte, war Qain, Sohn Adams und Evas. Eva war die erste Frau, eine derer, mit denen Gott gesprochen hatte. Nach ihr war es nur noch Hagar, die Mutter Ismaels, zu der Gott direkt sprach. Sonst wird nur noch Hanah, die Mutter des Sehers Samuel (!) erwähnt, die Kontakt zum Herrn hatte. Der Bericht, daß es Gott war, der sie erhörte, kommt aber von Eli, dem Priester. Eva und Hagar waren die einzigen Frauen in der Bibel, mit denen Gott gesprochen hatte. Hagar ist dabei die Bevorzugte, während Eva eigentlich gescholten wird.

Wenn es in der Torah eine von Gott auserwählte Frau gibt, so ist es die Ägypterin, die ägyptische Magd Hagar, Ismaels Mutter. Die auserwählte Frau als Mutter eines besonderen Sohnes kehrt erst in Maria, der Mutter Jesu, wieder. Sie tragen den heiligen Geist aus, den Samen Gottes, die Zwietracht. Der Legende nach ist Jesus, analog dem Qain, ein Erstgeborener Gottes, einer, bei dem, anders als bei Qain, auf den leiblichen Vater verzichtet wird. Aber auch Ismael mußte auf seinen Vater Abraham verzichten.
Hagars Flucht, Rückkehr und Vertreibung ist das Urbild der Geschichte Israels. Die Geschichte Israels - seine Legende - hat die Urgeschichte Hagars und ihres Sohnes Ismael (!) zur Vorlage. Der Name Israel soll den Namen Ismael zudecken, vergessen machen wie Amaleq und Qain. Es gelingt jedoch nicht. Der Name Ismael steht am Anfang und am Ende der Geschichte Israels. Der betrogene und vertriebene Erstgeborene Ismael kehrt als Königssohn Ismael wieder, tötet den letzten Statthalter Babylons in Israel, Gedalja, und beschließt damit die israelische Staatlichkeit in der Antike. Ismael ist das A&O Israels. Gott hat uns damit etwas sagen wollen.
Israel ist ein Plagiat. Der heilige Geist des Islam bringt es an den Tag. Die Christen stahlen später den Juden die Bibel mitsamt ihrem Heilsversprechen. Der Islam aber holte sich zurück, was ihm in Ismael gehörte.
Israel hatte ihm die Geschichte weggenommen.

Und jeder tat es um Gottes willen. Wer immer tötete, stahl, betrog und verleumdete, er tat es um Gottes willen, seine Gunst zu erwerben, den Gipfel zu erklimmen und geliebt zu werden. Die Rivalität steht am Anfang des Menschen, die Zwietracht, die Beschuldigung, das Unternehmen, sich vor Gott reinzuwaschen. Später gingen die Dinge einen anderen Weg. Eine lange Geschichte, in der sich die Lüge durchgesetzt hat. Das muß nun gewendet werden. Wie ein alter Mantel.

Ismael ist der Name eines Mannes und seiner Geschichte. Ismael ist ein Entwurf. In ihm ist die Wahrheit der göttlichen Offenbarung. Die Geschichte Israels diente der Bereitung Ismaels zum Schutz. Die drei großen und bedeutenden Religionen, die sich auf die Offenbarungen Gottes und seine Verheißungen seit Abraham stützen - das Judentum, das Christentum, der Islam -, gehen alle an dieser Wahrheit vorbei.

Die drei Religionen sind auch gemeinsam nicht das, was man eine Erkenntnissumme oder gar eine Multiplikation der Erleuchtung nennen könnte. Gerade weil die Späteren die Überlieferung der Frühern und Frühsten in wesentlichen Punkten nicht anzweifeln, bleiben ihre Botschaften - die Evangelien und der Quran - im Vagen.

Die präziseste der Schriften ist nach wie vor die Torah. Ohne sie weiß der Moslem nichts über die tragische Lebensgeschichte seines Urvaters Ismael und der Ägypterin Hagar. Isaak wird ihm womöglich als Sohn Ismaels übermittelt, nicht als der jüngere Halbbruder, der ihn - mit Unterstützung seines willensschwachen Vaters Abraham - ums Erstgeburtsrecht betrog. Hierin aber steckt der Zündstoff für die islamische Revolution!
Die hier belebte Idee "Ismael" ist älter als der Quran, älter als der Islam nach dem Propheten Mohammed. Ismael - das ist der Urislam nach den Berichten der Torah, als Abraham noch Avram hieß und unter dem Segen Gottes wandelte. Als der Aramäer Avram sich auf den Weg machte, brach er nicht mit seinem Vater Terech, dessen Name soviel wie "Weg" bedeutet. Er folgte seiner Bestimmung. Er versündigte sich nicht vor, sondern nach Sodom und Gomorrha - nunmehr als Abraham und beschnitten - an seinem erstgeborenen, noch vor der Katastrophe geborenen Sohn Ismael.

Unerkannt begleitet Ismael seither die jüdische und christliche Heilsgeschichte. Mohammed folgte einer weisen Eingebung und wahrhaftiger Intuition. Erkannt hat er den Urvater Ismael nicht, nicht in der spezifischen Bedeutung. Mohammed hätte eine Überlieferung kritisch in Frage stellen müssen, die er nur vom Hörensagen kannte. Darum scheiterte er letztlich in der Auseinandersetzung mit seinen alttestamentarischen Kritikern und Gegnern. Er wurde verspottet, weil er sich unter ihrer Argumentationsebene bewegte. Sie indessen hatten überhaupt nicht begriffen, welches Mandat diesem Propheten, Strategen und Staatsmann von Allah aufgegeben war.

Mohammed kam aus der Wüste, wohin Abraham seinen Erstgeborenen Ismael und dessen Mutter Hagar verjagt und dem Tode ausgeliefert hatte. Die Verjagten und Entrechteten allein, Ismael und seine Mutter Hagar, waren vor Gott annehmbar. Sie boten die reine Verleumdungs-, Flucht- und Vertreibungsgeschichte, eine Geschichte des Betrogen- und Entrechtetseins.

Alle späteren Vertreibungs- und Verfolgungsgeschichten zehren von dieser Urerzählung. Hagar und Ismael sollten um ihr Schicksal betrogen werden. Aber die Wahrheit hat sich nicht ausrotten lassen. Gott befahl den Verwaltern der Schriften, sie zu heiligen; so waren die Bücher in Sicherheit.

Wer weiß, daß die Judith der Torah keine Jüdin war, sondern eine Tochter Kanaans, eine Hetiterin, Esaus Frau? Judith war eine Schwägerin Jakobs, die zusammen mit der anderen Frau Esaus, Basemat, ihren Schwiegereltern Isaak und Rebekka "lauter Herzeleid" machte. Warum wohl? Weil Esau durch diese um sein Erstgeburtsrecht betrogen worden war! Auch Rebekka war keine "Jüdin", sondern die Tochter Betuels. Betuel war ein Sohn Nahors. Nahor war ein Bruder Abrahams. Nahors Frau war Milka. Diese kamen allerdings aus Chaldäa.

Babylon kann sich nur selbst zerstören und ist auf bestem Wege. Die Revolution findet die immanente Ergänzung. Der Islam ist eine Übergangs-Strategie. Hinter der islamischen Revolution wartet, was früher war. Die Welt wird umgewälzt. Weltgeschichte geht in Wälzgeschichte über.

Gibt es keine Geheimnisse mehr? In den USA reden Theoretiker vom "Ende der Geschichte", jetzt sei es endlich so weit. Mit der jüngsten Entwicklung unserer Zivilisation sei ein weiterer Fortschritt der Menschheit undenkbar geworden. Solche Gedanken stehen am Anfang vom Ende.
Wer ewig sein will, muß von der Hand in den Mund leben. Sie aber sprechen vom Ende ihrer Geschichte. Wissen entzaubert. Eine entzauberte Welt ist eine trostlose Welt. Wahrhaftig? Sind nicht hinter den Täuschungen und Illusionen erst die wahren Geheimnisse und Wunder zu entdecken? Der Zauber hinter dem Zauber... Der Kreuzzug des Westens gegen den Islam will der historischen Aussichtslosigkeit vorbeugen, aber das Beben läßt sich nicht aufhalten.

Die Religion ist ein Strohhalm, an dem sich Verzweifelte festhalten wollen. Der Halt, den sie bietet, ist eine Illusion, die sich nicht gern abschätzen läßt.

Als Zutat geordneten Lebens ist Religion ein erhebender Schmuck. Der Arme und Verzweifelte aber hat nur sich. Für ihn heißt Gott anrufen Selbstgespräche führen. Gott hat ihn im Stich gelassen, sonst wäre er nicht in dieser Lage.

Gott respektiert die anderen: die ihn im Stich lassen, die sich einen Dreck um ihn kümmern, die ihn so behandeln, wie er jene Verzweifelten behandelt. Willst du Gottes Aufmerksamkeit erlangen, mußt du ihn treten und verachten, ihn und jene Elenden, wenn du's nur später bereust und dich dreckig findest, dann ist alles gut.

Gott liebt nicht die Gerechten, sondern die Reumütigen, die Skrupellosen, Lumpen, Verbrecher, Verräter, Menschenschinder und Heuchler, wenn sie's nur einsehen, wenn sie nur bekennen, was für miserable Typen sie sind. Gott liebt alle, die in seiner Schuld stehen. Drum prüfe, wer sich ewig bindet!
Die unruhige Erde und der Messias aus Israel. Aus dem Stamme Davids soll er kommen. Soll die Menschheit denn nicht erlöst werden? Der Erlöser aus dem Stamme Davids ist wie die Wahrscheinlichkeit, daß morgen früh die Sonne im Westen aufgehen werde, oder daß sie heute abend zurückkommt. Es ist das Unwahrscheinliche, was Gott uns verheißt, woran niemand glauben soll: daß ein Wunder geschehen wird.

Das Wortspiel mit den davidischen Deutschen versagen wir uns... Der Sozialismus hat moralisch, psychologisch, atmosphärisch mehr Schaden angerichtet als der Faschismus. Gegen den Faschismus waren die Fronten klar. Das sozialistische Irrlicht hat alle weichgemachten Opfer des Feminismus angelockt, entsorgt und auf den Misthaufen gefahren. Der Sozialismus hatte für jeden eine Verwendung und eine Bleibe, der nur bereit war, auf sich zu verzichten. So wurde er denen erträglich, die sich ohnehin längst aufgegeben hatten.

Und der Herr sprach zu Mose: Schreibe dies zum Gedächtnis in ein Buch und präge es Josua ein; denn ich will Amaleq unter dem Himmel austilgen, daß man seiner nicht mehr gedenke. - Der Herr führt Krieg gegen Amaleq von Kind zu Kindeskind.
2.Mose 17,14.16

Für diesen Gottesfluch gibt es explizit keinen einleuchtenden Grund. Wollte Gott alle Menschen, Völker, Stämme ausrotten, die getan haben, was Amaleq tat (vgl. auch 5.Mose 25,17-19), würde es auf Erden kaum noch Menschen geben. Dennoch ist der Fluch nicht grundlos ausgesprochen worden. Der wahre Grund allerdings bleibt bis heute unausgesprochen.

Ich habe "Amaleq" als eine Verstümmelung des ursprünglichen Namens "Am Al Amaq" definiert. AM AL AMAQ ist DAS VOLK DES UNERFORSCHLICHEN GOTTES. Die Verstümmelung ist auf die zitierte Absicht zurückzuführen, seiner nicht mehr zu gedenken. Anders wäre uns der Name "Amaleq" nicht erhalten geblieben.

Der Gott Israels führt also gegen das Volk des unerforschlichen Gottes Krieg von Kind zu Kindeskind. Der unerforschliche Gott Israels führt einen Vernichtungskrieg gegen den unerforschlichen Gott Amaleqs (Am Al Amaqs), um dessen Platz einzunehmen. Denn Amaleq ist der Erstgeborene, das erste unter den Völkern, das alle anderen Völker überleben wird. Israels ewiger Erbkrieg gegen Amaleq ist der ewige Krieg ums Erstgeburtsrecht, um den Segen Gottes.

In der jüdischen Legende werden die Armenier als Nachkommen der Amaleqiter erwähnt. So haben wir einen möglichen Zusammenhang der Amaleqiter mit den Aramäern. AR AM läßt sich als "Volk des Lichts" deuten. Das Volk des Lichts wäre identisch mit dem Volk des unerforschlichen Gottes.
Auch Abrahams Verwandte werden in der Torah "Aramäer" geheißen. TOT, der "unerforschliche" Gott der Ägypter, ließ versehentlich sein Buch des Lebens und der Weisheit auf die Erde fallen. Eine Zigeunerin hob einige Blätter davon auf. TOT ist der Gott der Schrift; seine Mutter hatte sie erfunden.
Er ist der Gott des Wissens, der Hüter des Schicksals, der Vergangenheit und der Zukunft, Gott der Seelen, Gott des Mondes. Griechen und Römer verglichen ihn dem Hermes (Hermes Trismegistos) beziehungsweise dem Merkur. Hermes Trismegistos identifiziert Tot mit Chanokh, dem Erstgeborenen Qains. Als Ibis ist Tot ein Feind der Schlangen, als Pavian ein Vorbild für das Familien- und Stammesleben. Seine Attribute sind denen des biblischen Gottes - IHVH: Ich werde sein, der ich sein werde - mehr als ähnlich.
Auf der Bildsäule der Göttin Isis findet sich die Inschrift: "Ich bin, was da ist." Und an der Pyramide von Sais: "Ich bin alles, was ist, war und sein wird, meinen Schleier hat kein Sterblicher aufgehoben."
In der jüdischen Überlieferung erzählt man sich, daß Zigeuner, wo sie Händel mit Juden haben, gern vorbringen, diese, die Juden, würden ihnen noch etwas schulden, eine Dienstleistung oder den Zehnten. Sie seien aus Ägypten plötzlich ausgezogen, ohne ihre Schulden zu begleichen. Auch nahmen sie reichlich Diebesgut mit, wie die Schrift es belegt. Ein Zigeuner, ein Ägypter, ein Amaleqiter, hat gegen jeden Juden einen Rechtsanspruch, nicht zu vergessen Zins und Zinseszins. Eigentlich sind die heutigen Zigeuner die Steuereintreiber des alten Ägypten.
Wer einem Zigeuner ins Gesicht speit, heißt es weiter, erfährt die Antwort: Es regnet. Er wird mit Huren verglichen, die genauso reagieren. Natürlich ist es abfällig gemeint. Zigeuner und Huren seien gleichermaßen unverschämt. Doch was steckt dahinter?

Du kannst sie nicht beleidigen, sie wissen sich über jede Beleidigung erhaben. Sie sind unantastbar. Vielleicht besteht hier ein Zusammenhang mit der anderen Theorie, die Zigeuner seien "Unberührbare", die niederste indische (Paria-) Kaste.

Der Name "Paria" wird auch auf Trommeln, also Musikinstrumente zurückgeführt, was an Qain, Chanokh, Lamakh und dessen Kinder Javal und Juval erinnert. Ich sehe etymologisch keine Schwierigkeiten, "Paria" auf PHARAO, den ägyptischen Königsnamen, zurückzuführen. Die Zigeuner behaupten seit eh und je, Ägypter zu sein, Kinder von Cham, Noahs Erstgeborenem. Ein Indienaufenthalt spricht nicht dagegen, läßt auf beachtliche Flucht- und Wanderbewegungen schließen. Die Geschichte der biblischen Vertreibungen reicht in die Uranfänge zurück. Die Unantastbarkeit der Huren läßt sich mit babylonischen Tempelpriesterinnen in Verbindung bringen. Das für christliche Vorstellungen Verruchte und Niederste berührt sich mit dem Erhabenen und Höchsten. Als Gott des Mondes ist TOT auch der Herr über Tag und Nacht, Aufgang und Niedergang.

Namen, die die Zigeuner sich geben oder ihnen gegeben werden, weisen auf Ägypten zurück. Der Name "Zigan": ZI GAN bedeutet (hebr.) "Wüstengarten" (Oase). ZIGOI/ZIGOIM ist "Wüstenvolk/Wüstenvölker". Sie selbst bezeichnen sich als "Ägypter" (jüngere Stammesbezeichnungen wie "Roma" oder "Sinti", sollen, da heute ideologisch besetzt, hier nicht untersucht wurden); im Englischen werden sie "Gypsies" genannt (verballhornt auch "Gipsies"). Im Hebräischen ist das Wort für Zigeuner "Zoani", nach der altägyptischen Stadt Zoan (Tanis/Ramses).

Die Zigeuner bleiben auch mit der Schmiedekunst verknüpft, was wiederum auf Lamakh hinweist. Die magischen Künste, die ihnen zugeschrieben werden, hat man immer im Zusammenhang mit dem Kunst- und Schmiedehandwerk gesehen, was ursprünglich auch die Herstellung von Fetischen, Götzen und anderen Kultgegenständen einschloß. Der erste Sohn Qains - Chanokh - galt dem Namen nach als Geweihter und Eingeweihter, beherrschte somit die "geheimen" Künste. In der Linie des Erstgeborenen Qain ist das Wesentliche aufgehoben.

Die Linie Sets geht einen spezifisch anderen Weg, kann allerdings ihren Nachahmungstrieb nicht verbergen. Die Verderbtheit, die die Menschheit befiel und schließlich zur Strafe der Sintflut führte, war, so die Schrift, eine Folge der Verbindung von "Göttersöhnen" mit den Töchtern der Menschen. Ich denke, daß es sich um die Verbindung von Söhnen Qains und Töchtern Sets handelt.

Das im Sinne der Torah "Böse" steckt in der Vermischung der als einander feindlich verstandenen Geister oder Seelen. Der Geist Qains und der Geist Sets sollten nicht zusammenkommen. Nun ist freilich nach altägyptischer Auffassung und Überlieferung gerade Set der "Böse". Hier treffen offensichtlich die alten, auch politischen Rivalitäten aufeinander.

Nach der Ermordung des Statthalters Gedalja durch Ismael, den Sohn Netanjas, ziehen viele - aus Furcht vor den Chaldäern - nach Ägypten. Der Prophet Jeremia warnt vor der Auswanderung, vor dem Rückfall, der erneuten Verehrung der Himmelskönigin.

Die Klage richtet sich gegen die Frauen. Sie aber widersetzen sich: "Seit der Zeit.., da wir es unterlassen haben, der Himmelkönigin zu opfern und Trankopfer darzubringen, haben wir an allem Mangel gelitten und sind durch Schwert und Hunger umgekommen" (Jeremia 44,18). Zuvor aber "hatten wir auch Brot genug, und es ging uns gut, und wir sahen kein Unglück" (Jeremia 44,17). Das Schicksal der Zigeuner wird auch auf diese Ereignisse zurückgeführt.

Der Herr spricht: "Siehe, ich will mein Angesicht wider euch richten zum Unheil, und ganz Juda soll ausgerottet werden. Und ich will wegraffen, die übriggeblieben sind von Juda, die ihr Angesicht nach Ägyptenland gerichtet haben, um dorthin zu ziehen und dort zu wohnen; es soll ein Ende mit ihnen allen werden in Ägyptenland. Durchs Schwert sollen sie fallen, und durch Hunger sterben und sollen zur Verwünschung, zum Entsetzen, zum Fluch und zur Schmach werden" (44,11/12). "So werden denn alle, die übriggeblieben sind.., erkennen, wessen Wort wahr geworden ist, meines oder ihres" (44,28).

Die Geschichte entwickelt eine innere Dialektik, die wir nicht vorhersehen können. Der Prophet will dem vorbeugen. Auch: "Darum spricht der Herr Zebaoth (das ist der Herr der Heerscharen, des bewaffneten Kampfes, Gott auch des Krieges und also der Geschichte) über die Propheten: Siehe, ich will sie mit Wermut speisen und mit Gift tränken; denn von den Propheten Jerusalems geht das ruchlose Wesen aus ins ganze Land" (Jeremia 23,15).

Ist mein Wort nicht wie ein Feuer... und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt? (23,29).
Und meine Hand soll über die Propheten kommen, die Trug reden und Lügen wahrsagen. Sie sollen in der Gemeinschaft meines Volks nicht bleiben und in das Buch des Hauses Israel nicht eingeschrieben werden und ins Land Israels nicht kommen... Weil sie mein Volk verführen und sagen: Friede!, wo doch kein Friede ist, und weil sie, wenn das Volk sich eine Wand baut, sie mit Kalk übertünchen, so sprich zu den Tünchern, die mit Kalk tünchen: Die Wand wird einfallen! Denn es wird ein Platzregen kommen und Hagel wie Steine fallen und ein Wirbelwind losbrechen... Und ich will meinen ganzen Grimm an der Wand auslassen und an denen, die sie mit Kalk übertüncht haben, und will zu euch sagen: Hier ist weder Wand noch Tüncher - das sind die Propheten Israels, die Jerusalem wahrsagen und predigen Friede!, wo doch kein Friede ist...
Hesekiel 13,9-16

Hesekiel könnte an dieser Stelle auch als eine Kritik an Jeremia gelesen werden.

Propheten werden von der Geschichte bestätigt oder widerlegt, darin unterscheiden sich die richtigen von den falschen.

Üble Nachrede ist das treibende Element der Heilsgeschichte als göttlicher Aussaat, die wir im Sinne historischer Dialektik Saat der Gegensätze und des Widerspruchs, ja der Zwietracht nennen müssen.

"Geschichte" ist die permanente Überwindung dessen, was ist und gleich nur noch gewesen sein wird; sie schiebt das Gewesene immer weiter zurück an den Rand des Vergessens - und über ihn hinaus. Die Dialektik der Geschichte, ihre Saat der Zwietracht, richtet sich - konsequent zu Ende oder an den Anfang gedacht - gegen den Ersten, den Erstgeborenen, wenn nicht gegen den Schöpfergott und sein Gesamtkunstwerk selbst.

Die zyklische und sphärische Vollkommenheit des Universums, wie wir die Schöpfung Gottes umschreiben, macht die Wiederkehr zum Grundgesetz, zum offenen Geheimnis der Gene.

Jeder weiß es, sieht es, erlebt es täglich und will es doch nicht glauben. Die Erkenntnissperre sitzt in der verfehlten Selbsteinschätzung des Menschen, in der fehlenden Denkzuversicht. Sie ist die Bedingung der Vervollkommnung oder, wie Nietzsche meinte, der "Überwindung" des Menschen. Darin aber verwirklicht sich das principium individuationis.

Die Zerstörung des Individuums, ein Merkmal dieser Zeit und ihres obwaltenden Ungeistes, ist die Zerstörung der Erkenntnisfähigkeit. Der vollkommene ist der unteilbare Mensch. Die Annäherung an ihn ist die Annäherung an den Ersten und Einzigen, ans Ende mithin und den Wiederbeginn.

Die Erkenntnis der Schöpfung als einer innigen Unendlichkeit und ihrer einmaligen Bedingung führt denn auch zum Verständnis dessen:

So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.
Matthäus 20,16; 22,14

Die Saat fällt auf fruchtbaren und auf unfruchtbaren Boden. Lehren werden angenommen und werden verworfen. Jeder hat die Wahl und hat sie doch nicht. In jedermanns Natur ist dies und das vorgeprägt. Der Gleichheit vor Gott korrespondiert die individuelle Verschiedenheit. Das Unabänderliche ist ein Gesetz des Anfangs.

Die Grundbedingungen, die die Geschichte zum Ende hervorbringt oder herausstellt, bevorzugen diesen und benachteiligen jenen. Die Offenheit des historischen Würfelspiels leuchtet dem kismetischen Bewußtsein nicht ein, weil es in einer anderen Schicht, auf einer anderen Ebene, in einer anderen Dimension des Denkens es besser weiß. Wer am Ende unter den wenigen "Auserwählten" sein werde, wissen wir nicht.

Opfer der "üblen Nachrede" wurden Qain, Amaleq, Ismael, Esau, selbst Josef "der Ägypter", Zigeuner, aber auch Mongolen, Tataren, die sibirischen Nomadenvölker, sogar Eskimos und die sogenannten Indianer, deren Stämme den nach der Sintflut eingewanderten und gestrandeten Maya, von denen die Azteken herkommen, zuzuordnen sind. Maya, Chinesen, Japaner, Inuit ("Eskimos") sind direkte Verwandte und, so meine Hypothese, Nachkommen in der Linie Qains.

Die Chinesen belegen und demonstrieren allein mit ihrer Vielzahl ihr biblisches, ich sage: in vorflutliche Zeiten zurückreichendes Alter. Sie sind das Zentrum der aktuellen Welt Qains, sind die Erstgeborenen schlechthin, die aller Voraussicht nach selbst unter katastrophalsten Umständen auch die Letzten sein werden, und damit die Ersten der künftigen Welt, nach zyklischem Schluß.

"Üble Nachrede" verliert ihre Wirkung. Die Eskimos, die sich "Inuit" nennen, tragen in ihrem Namen eine alte Erinnerung, die der Annahme entgegenkommt, daß sie zu den ersten Menschen gehören. "Inuit" heißt "Menschen". Das etymologisch letztlich identische (hebr.) "Enosch" bedeutet: Mensch, geselliges Wesen, Menschen, Sterbliche.

Ich mache eine Einschränkung, weil "Enosch" in der Torah erst ziemlich spät auftaucht (5.Mose 32,26) , und im übrigen bereits von der Hinfälligkeit des Menschen kündet (bei Jesaia und Jeremia), während "Inuit" auch anders, etwa als "Quelle des Feuers" oder einfach "Auge des Mannes" interpretiert werden könnte.

Japan, Nippon, nennt sich NIHON, was so viel wie "Land der aufgehenden Sonne" oder "Sonnenursprungsland" bedeutet. Der Bezug auf die Sonne erinnert an die INKA, die ihr Land PERU nannten, was auf PHARAO, aber auch auf die nordische Göttin FREYA hinweist. INKA als eine Kehrform von KAIN zu lesen, liegt nah.

Die endlich aufgehende Sonne als Ursprung des Landes erlebt zu haben, läßt die erdgeschichtliche Vermutung zu, daß das Land - eine Inselwelt - sich der Sonne verdankt, die kräftig dazu beitrug, das Flutwasser zum Verdampfen zu bringen, so daß die Inseln eines Tages wieder oder - im Zusammenwirken mit epochalen Meeresbeben - erstmals aus dem Wasser hervortraten.

NIN ist hebr. ein Sprößling, ein Nachkomme. Ob NIHON einen etymologischen Vergleich mit ENUIT (HON NI) zuläßt, lasse ich offen. El Niño (span.) ist das Kind und der Name der entlang der Westküste Amerikas tobenden pazifischen Sturmfluten.

CHAM war der Erstgeborene Noahs, der bibelkundlich die Flut überlebt. CHAM ist wegen der Bedeutung dieses Namens aufschlußreich. CHAM (Chet-mem) ist: warm, heiß. Hitze des Südens. Südland, d.i. Ägypten. Wärme, Hitze, Glut. CHAMAH heißt: Hitze; Sonnenscheibe! Chemah ist: Hitze, Glut, Zorn, Grimm; Gift. Hieran läßt sich eine Entwicklung erkennen.

Die Sonne wird nicht mehr als hilfreich empfunden; man verbindet mit ihr bereits Zorn, Grimm und sogar Gift. Die Flutzeit liegt weit zurück, ist längst vergessen. Das Land ist nicht nur trocken gelegt, sondern ausgetrocknet und verödet. In der Torah wird die Zeit nach der Bebenkatastrophe von Sodom und Gomorrha so geschildert, daß der Sonnenkult bekämpft, Sonnensäulen zerstört werden sollen. Während Gott nach Ende der Flut mit Noah den ersten Bund schloß: unterm Sonnenzeichen des Regenbogens.

Cham ist der Vater Ägyptens, das der Herr der Torah "mein Volk" nennt. Von Ägypten her kommt Hagar, die dem Avram/Abraham vor Sodom und Gomorrha den ersten Sohn gebiert. Denn die Chaldäerin Sarai/Sarah ist unfruchtbar vor Sodom und Gomorrha; der ihr verheißene Sohn kommt erst danach zur Welt.

Der Streit ums Erstgeburtsrecht ist also auch eine Frage der Anerkennung beziehungsweise Nichtanerkennung dessen, was vorher war: vor der Zäsur. Das gilt sowohl für Sodom und Gomorrha als auch - vor Zeiten - für die Flut, und es gilt für Ägypten vor dem Exodus.

Die zugrunde gelegte These nimmt die genannten Einbrüche oder Einschnitte - kosmische Vorgänge mit Katastrophencharakter für das Leben auf der Erde, mit anderen Worten: Interventionen Gottes - wohl zur Kenntnis, macht jedoch vom überlieferten totalen Umfang ein paar wesentliche Abstriche.

Man sieht, daß Spätere solche Ereignisse als Strafe für die Früheren interpretieren und daraus das Recht für sich ableiten, jene Vorfahren aus dem Gedächtnis zu streichen, ihre Nachkommen zu ignorieren, ihren Platz einzunehmen, die Vergangenheit sich zu eigen machen und anzupassen. Alles Gewesene ist nur noch Vorspiel und Vorgeschichte der eigenen politischen und metaphysischen Existenz.

Ohne Hintersinn läßt sich aber auch sagen, daß nach Jahrhunderten jeder Versuch, den alten Zeiten einen auf die Gegenwart bezogenen Sinn zu geben oder abzulesen, legitim ist. So setzt sich die Menschennatur in ihr eingeborenes Recht. Nur so kommt sie zu ihrem Recht, ohne die Erinnerung aufgeben zu müssen.

Die Geschichtlichkeit des Menschen ist aber eine Frage der nachprüfbaren, also erkennbaren, sprich: lesbaren Hinterlassenschaft. Der historische Einfluß des jüdischen Volkes, seine beklagte und bewunderte Macht, die eigentümliche Bedeutung der Juden in der Geschichte - beruht allein auf der jüdischen Schriftgelehrsamkeit.

Diese Gelehrsamkeit hat gleichsam ihre Hand auf der kulturrelevanten Überlieferung. Nicht jeder Jude ist kundig; aber das Volk hat die Kunde über die Jahrtausende zu uns herübergebracht.

Vergleichbares haben wir in der chinesischen Zivilisation. Die chinesische Schrifttradition ist eine Kunst und ein Geheimnis für sich. Es ist nicht gewagt, sie mit dem ersten Geweihten der "geheimen Künste", mit Chanokh, dem Erstgeborenen Qains, in Verbindung zu sehen.

Ich vermute, daß sich der indische Kulturkreis aus "Qain" und "Cham" beziehungsweise "Babylon" gebildet hat. Sprache, Schrift und Ereignisberichte lassen eine solche - vorsichtige - Hypothese zu.

Die Religion Chams hatte Platz für viele Götter. In Ägypten, in Babylon, dem heutigen Indien, herrschten sie in großer Zahl. Ihre religiösen Ausläufer reichten nach Europa. Im Hinduismus ist die alte Göttervielfalt noch erhalten.

Dagegen setzt Israel die Erkenntnis des Einen Gottes.

Im alten China ist die Übereinstimmung mit dem Himmel die Grundidee. Eine denkwürdige Entsprechung finden wir bei den Chaldäern (Kasdim). Das Morgenland hatte sein Leben und sein Schicksal entdeckt: am Sternenhimmel festgemacht.

Ich denke, daß die "älteste", die "ursprüngliche" Lehre nicht der Monotheismus, nicht ein Polytheismus, sondern die Himmelskunde war.

Die Gesetze des Himmels waren erforschbar. Am Tage herrschte der eine Gott, nachts offenbarte sich die Schöpfung in ihrer großen Vielfalt, Gewißheit und Schönheit. Der Polytheismus mag aus der nächtlichen Wissenschaft hervorgegangen sein. Er ist eine Epik der Unterscheidungen und Klassifizierungen, so etwas wie die mündliche Überlieferung himmlischer Gesetzlichkeit.
Wenn die Voraussetzungen richtig gesehen werden, daß nämlich die Erkenntnis des (nächtlichen) Himmels (der Nacht, des tagsüber Verborgenen und Überblendeten) die "erste", ursprüngliche und wissenschaftliche Lehre ist, können wir weiter annehmen, daß jene Völker, Kulturen, welche in dieser Wissenschaft die größte Meisterschaft bewiesen, unsere All-Ersten sind: Die Babylonier, die Chinesen, die Maya; Inder und Ägypter noch angefügt. Die "Ersten" gliedern sich um die südlichen Meere, den pazifischen Ozean. Ägypten bildet hierbei keine Ausnahme. Die Sicht vom Indischen Ozean her klärt darüber auf, daß es dazugehört.
Die warmen Meere rund um den Globus verbanden alle Kontinente der südlichen Sphäre und mit ihnen die großen Kulturen der Alten Welt vor und nach der Großen Flut. Selbst das sagenhafte Atlantis wird man im pazifischen Becken suchen müssen. So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.
Die als älteste geltende ägyptische Pyramide ist die Stufenpyramide des Königs Djoser bei Sakkara, die nicht aus Großsteinblöcken, sondern mit kleinen Ziegelsteinen gemauert wurde. Es müßte auffallen, daß die "modernere" Bauweise älteren Datums ist. Sie ist charakteristisch für Babylon. Man könnte annehmen, daß die erste ägyptische Pyramide von Babylon inspiriert oder von Babyloniern gebaut wurde. Stufenpyramiden finden wir auch bei den Maya in Guatemala und Mexiko. Das nach der Flut in Stufen zurückgehende Wasser erhielt in jenen Pyramiden sein wiederholtes Denkmal.
Möglich ist, daß in Sakkara der Baukern mit Ziegeln in Stufen gemauert wurde und die eigentliche "Pyramiden"-Form dadurch entstand, daß die Stufen-Räume später mit Großblocksteinen ausgefüllt, ausgeglichen, verkleidet wurden beziehungsweise werden sollten. Die "Stufen" sind älteren Datums.

Die alte Himmelskunde ist verloren gegangen. Reste alter Weisheit werden von der Astrologie weitergegeben, die sich freilich nur einen Jahrmarkts- und Unterhaltungscharakter erhalten hat. Die Astronomie guckt und zählt, ohne vom alten Wissen auch nur etwas zu ahnen. Das konstellative und analogische Denken als Methode ist heute weithin unbekannt. Seine Abwehr hatte allerdings Methode.

Das Unwissen hatte sich tatsächlich mit Bravour durchsetzen müssen, wenn es bestehen wollte. Einem Vergleich mit der Alten Welt konnte es sich nicht aussetzen. Unsere Antik-Überlieferung ist ohnehin durchs "Mittelalter" gefiltert. Viel Ideologie hemmt und hindert bis heute die Weitergabe von Wissen und Kultur ans Abendland. Andererseits hat Europa viel neues und besonderes Wissen sich erobert und erarbeitet. Dies ist oft nur möglich, wenn das Alte unbekannt bleibt.

Verloren gegangen ist das große Zusammenhangwissen, die "alte" Weisheit. China, Babylon, Guatemala. Sind es nur Erinnerungen? Ist das, was in dem Babylon nach der Flut - also zu Zeiten des Erst-Erbauers Nimrod - an Spuren und an Wissen noch vorhanden war, schon damals nur noch Erinnerung gewesen, eben ein Wissen anhand dieser Spuren, ein "Lese"-Wissen?

Entstand aus diesem Grunde schließlich die Schrift, und zwar jene Art von Schrift, mit der auf ebenso einfache wie schnelle Weise das Viele aufgeschrieben werden konnte, das sonst verloren zu gehen drohte, weil die Umstände darauf angelegt waren, die Spuren zu tilgen, die Reste vom Alten zu vernichten, auch, weil die Wissenden auseinander liefen in jener Zeit "danach"?

Die Torah spricht von der Verwirrung der Sprachen. ER wollte den Menschen die Weltherrschaft, die Fähigkeit dazu nehmen, und das war schließlich jene Weisheit, das Zusammenhangwissen, das die Menschen dem Gotte in gewisser Weise "gleich" machte.

Das mag als eine hybride Auslegung sogleich zurückgewiesen werden. Verglichen mit dem heutigen Wissen, hatte die alte Weisheit göttlichen Rang.

Afrika, das große Afrika mit seinen großen schwarzen Völkern kommt in der Geschichte nicht vor. Wir wissen von Ägyptern, Libyern. Ägypten reicht ins Afrikanische weit hinein, ist ein Teil Afrikas. Der Norden Afrikas wird vom schwarzen Afrika durch die Sahara, ein Name für Wüste schlechthin, getrennt.
Wir kennen die Konturen des Kontinents, die Völker haben wir jedoch zu unterscheiden. Ob die frühesten Herrscher Ägyptens schwarze Afrikaner waren, könnte anhand einiger Steinreliefs vermutet werden. Die körperliche Schönheit und Grazie der abgebildeten Menschen spricht für ihre afrikanische, nubische oder äthiopische, Herkunft.

Doch schon damals läßt sich beobachten: Die "Schwarzen" werden - in der Torah - da und dort diskriminiert, abgewertet, so daß Gott eingreifen muß, um Aaron und Mirjam zurechtzuweisen, als sie Mose darum hinterreden, daß er Ziporah, das Vögelchen, eine Tochter des Priesters und Weisen aus der Wüste, eine "Schwarze", zur Frau genommen hatte.

Allerdings wird es so geschildert, als ob es ein Vorrecht des Gottesmannes Mose war; daß, mit anderen Worten, die Klage darüber sonst durchaus berechtigt gewesen wäre.

Der "Rassismus" der Bibel geht auf Noah zurück, der seinen Sohn Cham verfluchte, welcher Fluch aber erst an Kanaan vollzogen werden sollte, der damit zum Knecht der Knechte Israels erniedrigt wurde.

Söhne in der Folge Chams sind Kusch, also die Äthiopier und Nubier. Mizraim, was Ägypten ist, Kanaan, der Vater der Phönizier. Mit der Verfluchung Chams, des Erstgeborenen Noahs, versinkt Afrika, das schwarze, gleichsam im Vergessen. Die offizielle Bibelüberlieferung, die ja das abendländische Weltbild prägt, löscht die Zeiten Chams - seiner Kinder und Kindeskinder - aus dem Gedächtnis der neuen Welt.

Cham aber war - in Kusch und Mizraim und Kanaan und Nimrod - das Alte Reich der Ägypter, war das babylonische Weltreich, war die weltumfassende Seemacht der Kanaaniter oder Phönizier, der Tyrrhener, Trojaner, Karthager.

Die Kontakte mit den pazifischen See- und Landmächten waren längst hergestellt. Es gab keine "weißen", unbekannten Erdteile. Das Unwissen kommt später in die Welt, kommt über sie wie eine kosmische Nacht.

Historisch und geopolitisch läßt sich der systematische Kenntnis- und Erkenntnisverlust mit dem Heraustreten der Nordvölker beschreiben. Sie schlossen sich nicht an, setzten die Tradition nicht fort, sondern begannen buchstäblich bei Null. Mit ihnen fing die Welt noch einmal von vorne an, sie erfanden, was schon seit Jahrtausenden bekannt war: das Rad, die Elektrizität, die Druckerkunst, das Schießpulver, die Raketentechnik, die Seidenherstellung, die Zentralheizung.
Das Phänomen, daß die Letzten sich als die Ersten gerierten und alles, was lange vor ihnen war, vom Tisch der Erkenntnis wischten, ist auf seine Art einzig und hat - so oder so - die Welt verändert. Die Existenzprobleme unserer Zeit sind vielfach darauf zurückzuführen, daß die erdgeschichtlichen Grundlagen unseres individuellen und politischen Daseins gleichsam vergessen worden sind und also nicht mehr zu Rate gezogen werden können. Europa entstand aus der Unwissenheit und wird darein auch wieder verschwinden.

Die große Zahl der Menschen im heutigen Afrika spricht für ein hohes Alter. Moderne Theorien siedeln das "Paradies" in Afrika an. Die Urmutter aller Menschen sei eine Afrikanerin gewesen. Schon bei Jesaia wird die messianische Zeit der Erlösung als afrikanische Savanne beschrieben.

Seit der islamischen Zeit sind schwarze Afrikaner als Sklaven gehandelt worden. Die antiken Römer benutzten sie als Sklaven. Schwarze Sklaven haben eine sehr lange Geschichte. Die Versklavung der schwarzen Afrikaner ist ein Stützpfeiler der Vereinigten Staaten von Amerika.
Wie schon in der Torah, so gilt auch im Quran "schwarz" als niederes Merkmal. Die schwarzen Afrikaner wurden versklavt, und sie schienen sich dafür auch zu eignen. Sie nahmen es auf sich, als gehörte es zu ihrer Bestimmung auf Erden, versklavt zu werden.
"Indianer" starben in Gefangenschaft. Die Portugiesen und Spanier gaben es sehr schnell auf, die in der "Neuen Welt" entdeckten "Indios" zu versklaven. Diese "Indianer", Maya, ich meine: Qainiten, diese Ältesten der Alten eigneten sich nicht für die Gefangenschaft und für die Sklaverei.

Spricht dies für die Wahrscheinlichkeit, daß das "Paradies" in "Afrika" war? Die "Erkennenden", ihrer Umwelt "Überlegenen", wurden daraus "vertrieben". Waren sie aus dem ursprünglichen Schöpfungszusammenhang herausgefallen? Wer im Paradies zurückblieb, war also weniger wissend, war naiver, unschuldig.

Die Unschuldigen werden später von ihren schuldig gewordenen Brüdern heimgesucht, verfolgt und versklavt. Die Berichte sind voll davon, daß Menschen in großer Zahl, ein ganzes Volk, nämlich Israel, vertrieben, gefangengehalten, zu Arbeitssklaven erniedrigt wurden: in Ägypten, Babylon, Assyrien... Kein Wort von den versklavten Afrikanern.

Vielleicht ist eine uralte Rolle später nur umbesetzt worden. Hagar - die Ägypterin, also Cham-Tochter, also "Schwarze" - ist mit ihrem Sohn Ismael entrechtet, verjagt, in den Tod getrieben worden. Nur Gott konnte sie retten. Ihr Schicksal dient Späteren - nämlich Israel ebenso wie dem Nazarener Jesus und seiner Mutter Maria, aber auch Mohammed - als Grundmuster eigener Legenden.

Wir haben es immer wieder mit Verdrängungen und neuen Rollenbesetzungen zu tun. Nicht nur Städte und Länder werden besetzt, auch die schönen Geschichten, die sich die unterworfenen Völker erzählten, werden umgeschrieben, neu erzählt. Es ist das Schicksal der Unterworfenen, daß ihnen nichts mehr bleibt, nicht einmal die Erinnerung. Niemand weiß, was im Gedächtnis der heutigen Maya verblieben ist. Wenn sie schweigen, können sie vielleicht überleben.

Die "Vertreibung aus dem Paradies" war dann nichts als ein Auszug aus dem Dorf, um die Welt zu erobern. Die Erkenntnis des Menschen treibt ihn hinaus zu weiterer Erkenntnis. Vielleicht aber war der "Garten Eden" ein Palastgarten im Alten Reich, eine ganze Zahl von Palastgärten in den großen Reichen der Alten Welt, an die sich die Kinder der Fürsten, Könige und Pharaonen schwach erinnern konnten.

In der weiteren Erkenntnis verbirgt sich die Austreibungswahrheit. Die "Erkennenden" und "Erobernden" breiten sich aus. Jetzt kommt der Vertreibungsgedanke auf eine ganz andere, allerdings sehr realistische Weise zurück und ins Gespräch. Die "Erkennenden" breiten sich aus, "erobern" sich nicht nur Wissen, sondern die Welt, ein Land nach dem andern - zurück; verdrängen ein Paradiesvolk nach dem anderen. Sie erobern "Afrika", versklaven es, beuten es aus, verjagen seine Kinder, setzen sich an ihre Stelle: so werden aus den Eroberern und Vertreibern die Vertriebenen, ihrer ursprünglichen Heimat einst Beraubten.
Die Eroberer sind nur "heimgekehrt". In solcher Verkehrung der geschichtlichen Wahrheit verbirgt sich ein Stück kindlicher Seele, ein Rest Unschuld oder Unschuldsbedarf. Mit der verklärenden Notlüge fängt eine neue Geschichte an. Die "Geschichte" liegt uns nur als Geschichte vor, als Erzählung, Aufgeschriebenes. Und jeder, der die Sage und Schreibe weitergab, gab etwas von sich hinzu, so wird eins aufs andere "geschichtet", und das nennen wir "Geschichte". Die Sprache lügt nicht einmal.

Cham war ein gewaltiger Urvater, der gleich nach der Flut von seinen Brüdern Sem und Japhet verleumdet wurde. Diese Verleumdung ist der Ursprung für Noahs Fluch über ihn. Auch die Verjagung Kanaans ist auf diese Verleumdung zurückzuführen. Cham war der Erstgeborene, der erste Herrscher, in der Folge Städtebauer und Reichsgründer nach der Flut. Seine historische Begrenzung führte schließlich zu seiner Entmachtung und in die Sklaverei. Cham ist über die Zeiten erhöht und gedemütigt worden, er war der Erste und der Letzte auf Erden. Als Letzter aber und Sklave ist er über alle Kontinente verstreut worden.

Cham sitzt inzwischen im Zentrum der amerikanischen Weltmacht und greift nach den Sternen. Die Erniedrigung und Versklavung Chams - über Jahrtausende - war die Vorbereitung auf die historische Wiederkehr. Cham ist in Ismael wiedergekehrt. In ihm ist Kusch und Mizraim, Ephraim und Manasse, Aram, Amaleq. In ihm ist auch Israel mit seinen Schriften. Denn Israel hat uns die Botschaft überbracht.

Ohne Israel wüßten wir nichts von dieser Alten Welt. Die List der Geschichte kommt aus der weisen Voraussicht ihres Herrn, des Einen Gottes. Diese List ist eine Beigabe historischer Dialektik. So kommt es, daß der Geführte nicht weiß, wohin er geführt wird, nicht einmal, daß er geführt wird.

Man könnte sagen, Gott habe sie alle getäuscht, den Cham und den Ismael, den Israel wie den Amaleq. Über die Zeiten war es nicht anders möglich. Solange sie nicht wußten, was sie taten, waren sie seiner sicher und er sich ihrer. Ihre Unwissenheit erhielt den Schuldigen einen Funken Unschuld. Darauf gründet Gottes Fürsorge. Als Wissende aber wurden sie bestraft. Denn Gott ist ein eifernder Gott, der weder andere Götter noch menschliche Anmaßung neben sich duldet.

So ist er nun mal. Aber er muß mit dem Streit, mit der Rivalität leben. Es sind seine eigenen Geschöpfe, Krone, ja ein Urwald von Kronen seiner Schöpfung, die ihm den Rang streitig machen. Er hat es ihnen aufgegeben, genau so zu tun und zu fehlen. Wir werden sehen, was dabei herauskommt. Ohne Schuld ist er nicht.

Der Verlust der Naturunmittelbarkeit ist der Verlust Gottes. Die Entzauberung hat ihren Preis. Wenn der Flügelschlag eines Schmetterlings genügt, um den Geschicken der Welt eine andere Richtung zu geben, wird's "heilig". Ich denke an eine "Wiedererinnerung genetischen Wissens". Die Zivilisierung des Menschen hat den Zweck, ihm den direkten Zugang zu verwehren. Das Paradies ist gleich nebenan. Ein anderes Wissen.
Wenn Gottes Saat Zwietracht ist, ist das Klassen- und Kastenunrecht seine Saat, und dann ist es auch sein Same, dagegen aufzustehen, die Zwietracht auf die Spitze zu treiben.

Der revolutionäre Islam ist die Klassenkampforganisation unserer Tage. Ihr müßt die geschichtlichen Bewegungen beobachten, wenn ihr nicht fehlgehen wollt in der Identifizierung des Zentrums der Klassenkriege. Es ist Krieg. Es ist ein heiliger Krieg.

Die Wiedererinnerung des genetischen Wissens bringt den vollkommenen Menschen gegen das "vollendete Babylon" ins Denken zurück. Im "vollkommenen Menschen" ist vereint und wieder beisammen, was in "babylonischer" Differenzierung fragmentiert und verallgemeinert worden ist. Die "arbeitsteilige Gesellschaft" ist die Sozialisation des "eindimensionalen Menschen". Dieser ist der endlos Teilbare, der uneingeschränkt Verfügbare und Austauschbare. In "Babylon" ist das principium individuationis außer Kraft gesetzt. Der "vollkommene" Einzelne gilt in Babylon nichts.
In Babylon ist der Mensch erst "perfekt" in seiner gesellschaftlich zugerichteten Nutzbarkeit. Das Idealbild des Menschen in der modernen Gesellschaft ist der allseits Verwendbare, das sich selbst regulierende und assimilierende Nutztier. Die Überangepaßten bilden die Elite in dieser Welt.
Babylon und der unteilbare, vollkommene Mensch sind Erbfeinde. Babylon muß ihn fürchten, wie er Babylon fürchten muß. Die Rettung, nein, die Wiedergeburt des vollkommenen Menschen ist aus der Ruinierung und Zertrümmerung Babylons. Der vollkommene Mensch ist vor- und nachbabylonisch. So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.

Macht und Ohnmacht bestimmen die Klassenstruktur einer Gesellschaft. Ein auf die moderne Gesellschaft angewandtes schöpferisches Denken kommt an der grundlegenden Klassenfrage nicht vorbei.

Der revolutionäre Islam ist der historische Zug, dessen aktuelle Daten nicht versäumt werden dürfen. Wenn Islam und Demokratie zusammenstimmen, verliert der Laizismus seine Bedeutung.

Den beiden "Fundamentalisten" Papst Johannes Paul II. und Ayatollah Khomeini verdanken wir gewaltige Befreiungsakte. Beide haben ihren gewichtigen Anteil an dem Zusammenbruch der sozialistischen Tyrannei. Der Atheismus hatte gegen sie keine Chance.

Dieser Grundzug der Revolution einer fundamentalen Aufklarung der Geschichte, die einer breiten Offenbarung schon sehr nahe kommt, setzt sich auch in Afrika fort und wird, so Gott will, Amerika heimsuchen. Der revolutionäre Islam ist in der Tat das Schwert gegen ökofaschistischen Betrug und Völkermord, ist die Waffe der unterdrückten und entrechteten Klassen, ist Kraft und Lehre, die die Hülsen der Freiheit wieder mit Sinn erfüllt. Die vereinten, vielschichtigen konterrevolutionären Anstrengungen gegen den "Islamischen Fundamentalismus", d.h. gegen die islamische Revolution - die islamische Wiedergeburt! -, sind weltweit unübersehbar. Der revolutionäre Islam ist die aktuelle Kraft der Geschichte als einer Geschichte von Klassenkämpfen.

Biblisches Denken läßt zwei Versionen zu. Alle Macht geht von Gott aus. Wer sich der irdischen Ordnung widersetzt, handelt wider Gott. Das ist die eine Auffassung. Die zweite Auffassung: Gott will die Widersetzlichkeit in seinem Namen.

Das ist seine Ordnung. Restauration als ihre Wiederaufrichtung begreifen - griech. stauroun: "einen Pfahl errichten, einschlagen", zu stauros "Pfahl". Wenn ich sagte: "Ohne biblische Unterweisung ist die Religion Mohammeds eine halbe Sache, ist die Lehre des Propheten ein Zelt ohne Pfahl" (projekt YISHMAEL), so impliziert dieser Satz die "Restauration des Islam", und das heißt (a.a.O.): "Die Revolutionierung des Islam ist seine Autorisierung, ist eine Revolutionierung der Lehre. Eine Alttestamentarische Linke stellt die Klassenfrage im Haus Abraham. YISHMAEL - das ist Torah Left."

Philosophie und Demokratie sind hybride Errungenschaften der griechischen Antike. Die Verhöhnung der Götter mit der Vergottung des Menschen ist griechisch. Der Mensch ist das Maß aller Dinge, so lautet die Parole zum Generalangriff auf Gottes Gesetz.

Nicht zufällig entzündete sich der Islam an der griechischen Kirche, wie schon die Makkabäer gegen die Hellenen ihre besten Kräfte mobilisierten. Die christlichen Armenier unterstützten die heidnischen Mongolen Dschingis Khans gegen die islamische Welt. Vielleicht war dies die "Ursünde" der Armenier, deretwegen die Moslem ihnen ewige Rache schworen, von der sich die Gleichsetzung mit den Amaleqitern bei den Juden und auch die Namensnähe zu Ahriman, dem bösen Geist der Perser, herleiten.
Die Mongolen hatten nach ihrem Selbstverständnis den himmlischen Auftrag, die Welt wieder in Ordnung zu bringen. Später konvertierten sie zum Islam und machten islamische Baugeschichte.
Woher hatten die ("heidnischen", "schamanischen") Mongolen die Gewißheit, für eine göttliche Weltordnung ihre Kriege zu führen? Ist der "Mongolenfleck" ein Qainszeichen, ein Hinweis auf die Fürsorgepflicht Gottes? Die Idee des vollkommenen Menschen führt ins Paradies zurück und impliziert nach der Vertreibung die Zerstörung Babylons sowie sämtlicher Stadtkulturen. Im "vollkommenen Menschen" verwirklicht sich das principium individuationis.

Hat die Wahrheit eine Chance? Nicht von sich aus, nicht von vornherein. Setzen wir die Lüge dagegen, die als stark, expansiv und unüberwindbar gedacht werden muß. Eine Zivilisation, die so groß und stark geworden ist, tritt nicht einfach ab. Sie fordert Unterwerfung. Jeder kommt dieser Forderung freiwillig nach, solange es mit rechten Dingen zugeht. Solange ihre Überlegenheit als geschichtliche Wahrheit und Notwendigkeit anerkannt wird, gibt es keinen Widerstand, der ernstgenommen werden müßte.

Setzt sich der Verdacht und schließlich die Erkenntnis durch, daß es nicht Recht und nicht Wahrheit ist, was sich etabliert hat, daß Lüge, Betrug und hinterhältiger Mord als Politik das Regiment bestimmen, dann ist es an der Zeit, gründlich umzudenken und Krieg ins Auge zu fassen, denselben nämlich, der bereits - ebenso unheimlich wie unerkannt - stattfindet. Als Revolution hat die Wahrheit wieder eine Chance.

Wie die Dinge ohne unser Zutun ablaufen und dennoch erscheinen, als hätten wir sie bewirkt und gesteuert... Seiner Zeit immer ein paar Schritte voraus sein: das ist die angewandte Erkenntnis der kosmischen Gesetze.

Ohne Gottes heilige Sprache sind wir hilflos und schnell am Ende unserer Weisheit. Gott will, daß sie verdrängt werde, will, daß an ihr vorbei die Menschen in die Irre gehen. Der Haß auf die Juden ist ein Mittel zu diesem Zweck. Weil alle Welt die Juden als Hüter der hebräischen Sprache weiß, trifft der Antisemitismus wie nebenbei auch die Sprache. Die heilige Sprache aber ist der Grund für den Antisemitismus. Der Antisemitismus schützt die Sprache und damit das Tor zur Wahrheit und zur Erkenntnis Gottes im historischen Teil seiner Schöpfung.
Wie Gott der Herr die Sprache verwirrte zu Babylon, um den Menschen die Ursprungswahrheit zu entziehen, so hat er die Geister verwirrt, um sie von der heiligen Sprache fernzuhalten. Sie mögen sich ihre Wahrheiten selbst erschaffen, relativieren und komplizieren. Sie sollen blind sein für das Naheliegende und taub vor der Sprache Gottes. Gott traut ihnen nicht.
Der Antisemitismus ist ein Beweis für die wache Gegenwart Gottes. Der sogenannte Antisemitismus, die Verdrängung der hebräischen Sprache und ihrer Geschichte, ist der fortwährende Ausdruck der von Gott eingesetzten babylonischen Verwirrung.
Gott teilte die Sprache in viele, einander fremde und fremder werdende Sprachen und nahm damit den Menschen das Zepter aus der Hand. Die seither andauernde Verwirrung der Geister und Sprachen ist ein Hauptbeweis, ist der Beweis für die ununterbrochene Herrschaft Gottes. Das große Durcheinander ist durch Gott gestiftet zum Heile der Welt. Die von Gott gesäte Zwietracht dient unserm Heil. Die Zerstörung der Wahrheit, ihre Teilung und Zerstückelung in viele Wahrheiten, die Relativierung des Leids und des Elends auf Erden, ist im Sinne Gottes. Eintracht wäre das Ende der Realität.
Die Dinge existieren durch innere und äußere Gegensätzlichkeit. Was wir Harmonie oder Einklang nennen, ist balance of power. Das Weltall besteht unter dieser Bedingung. Konstellationen sind unsere vornehmsten Erkenntnismodelle.

Das deutsche enzyklopädische Unwissen ist systematisch und gewollt. Es beruht auf der Ausgrenzung des Hebräischen und der Erfindung einer "indo-germanischen Sprachfamilie" durch die deutsche Romantik.

Mittlerweile ist ein "indo-germanisches Urvolk" erdichtet und aufgedeckt worden. Insofern handeln die Kulturdeutschen im Sinne Gottes.

August Strindberg schreibt 1910: "Man braucht nicht viel Hebräisch zu verstehen, um in einem biblischen Wörterbuch das Echo einer Sprache zu finden, die wahrscheinlich überall die gleiche gewesen ist. Aber man muß sich alle Lehren von romanischen und germanischen, semitischen und ural-altaischen Sprachstämmen aus dem Sinn schlagen. Und man braucht nicht von einer Lautähnlichkeit zwischen einem hebräischen und einem germanischen Wort zurückzuschrecken, weil der griechische oder lateinische Übergang fehlt..."
Arnold Wadler schreibt dazu 1935 in Paris: "Wenn die Sprachforschung des 19.Jahrhunderts die Urverwandtschaft der Sprachen nicht sah oder nicht sehen wollte, so lag dies nach Meinung Strindbergs daran, daß sie heidnisch geworden, dem Christentum feind."
Strindberg: "Darum haßte man das Hebräische. Zwischen den indogermanischen und semitischen Sprachen wurde eine Mauer errichtet. Wenn man die Verwandtschaft zwischen einem hebräischen und einem indogermanischen Worte infolge einer auffälligen Ähnlichkeit suchte, wurde man mit der Erklärung geschlagen, gerade die Lautähnlichkeit deute in diesem Falle an, daß die Verwandtschaft fehle. Wir glaubten natürlich die Lüge... Nachdem die hebräische Sprache von den Heiden unterschlagen ist, hat man das Gefühl, als habe man den Boden unter den Füßen verloren, die Verbindung mit den Ahnen abgebrochen, als sei man aus der Gemeinde ausgestoßen, Barbar geworden."* Doch, wie gesagt, Gott will es offenbar so.

*Vgl. Arnold Wadler, Der Turm von Babel. Urgemeinschaft der Sprachen. 2. Auflage, Wiesbaden 1988.

Von der heiligen Katze wird gesagt, sie besitze "den Kopf von Ra, die Augen von Uräus, die Nase von Toth, die Ohren von Neb-er-tcher, den Mund von Tem, die Hände der Götter, den Leib von Osiris, die Schenkel von Mentu, die Beine von Khensu, die Füße von Amun-Horus, die Hüften von Horus, die Fußsohlen von Ra und die Eingeweide von Meh-urit" (Budge).

Den Ägyptern war das gesprochene Wort eine mächtige Waffe, die von den Toten ebenso machtvoll geführt werden konnte wie von den Lebenden. Budge berichtet, daß "die Kau oder Ebenbilder der Toten, die gelernt hatten, Worte richtig zu sprechen und den genauen Tonfall zu treffen, in der Lage waren, zu gehen, wohin sie wollten, und zu tun, was ihnen gefiel, denn jeder Gott, jeder Geist, jeder Teufel und jedes unbelebte Objekt mußte ihren Befehlen gehorchen". In Kapitel CXXV des Totenbuches macht der Verstorbene in seiner Bitte an die Götter der Unterwelt seine Kenntnis eines Zauberwortes geltend: "...denn ich habe das mächtige Wort vernommen, das die geistigen Wesen ('sahu')* zu der Katze sprachen in dem Haus des Hapt-re." Wie das mystische Wort lautet, erfahren wir nicht. Aber es steht geschrieben, daß die Götter den Menschen bisweilen aus eigenem Entschluß ihre Geheimnamen offenbarten, durch deren Kenntnis sie sie heraufbeschwören konnten.

*Budge zufolge lautet die übliche Lesart: "Denn ich habe das Wort vernommen, das der Esel zu der Katze sprach." Diese erhellt die Bedeutung, denn der Esel war eine Glyphe des Sonnengottes Ra. Nach M.Oldfield Howey, Die Katze in Magie, Mythologie und Religion. Wiesbaden 1991.

Die Verpflichtung zur Wahrheit läßt kein Auge trocken.

Der Wahrheit verpflichtet sein, heißt, die Personen nicht ansehn. Wahrheitspflicht ist in der Tat ein selbstgewählter oder eingeborener Gottesbund, eine innige Verschwörung gegen die Welt der Realitäten. Der Satz, "wer schreibt, ist der Wahrheit verpflichtet", folgt aus der Erkenntnis, daß "das Wort - Gottes" sei und nicht der Gaukler; daß die Sprache von Gott ist, also heilig.

Ob nicht die Gaukler selbst vom Himmel gefallen, einst Freunde der Götter gewesen...? Unter ihren Requisiten ist auch Weisheit versteckt. Manches Wahre und Wunderbare ist auf diesem Wege und auf diese Weise gerettet worden. Der Zirkus war stets mehr als ein Spiel, war eine Botschaft aus einer anderen Welt. Zirkusleute kamen als bunte Engel, die einem etwas zu sagen hatten, auch wenn sie nicht Worte, sondern Augen machten. Die Verzauberung hat uns die Welt und das Leben verschönt. Hellas und Jerusalem liegen miteinander im Streit wegen dieser Frage.
Das bunte Treiben kam aber aus dem fernen Asien, aus China und aus Indien. Die chinesische Welt war nicht die reine Gaukelei. Die Gaukler, die Künstler, Schauspieler, Sänger, Akrobaten sorgten für die Dekoration. Die große Zwangsgesellschaft mußte angemalt und eingekleidet werden. Der Zirkus ist kein übrig gebliebenes Datum aus einer kindlich verspielten farbigen Vorwelt reiner Freude, sondern Selbstverhüllung einer unerträglich gewordenen Hochkultur. Die Gaukelei ist insofern eine Täuschung, als sie nicht ein schönes Geheimnis verbirgt, sondern die nackte Wahrheit, um die eben das Volk an der Nase herumgeführt werden soll.

Das Signum "Jerusalem" verscheucht den Zauber als Schwindel und spricht von einer Wahrheit hinter jenen Wahrheiten, die als nackt und kalt und einzig wirklich erscheinen. Jerusalem räumt die Dekoration aus, wischt die Tünche ab und sagt: Fürchtet euch nicht! An dieser Wirklichkeit scheint Gottes Schöpfungswerk auf, ihr müßt nur wieder sehen lernen, was euch abhanden kam.

Deshalb fürchten die Herren dieser Welt nicht die Gaukler, sondern die Wahrheit Gottes, der aber ihr Beschützer ist. Gaukler und Zauberer stehen vor dieser Wahrheit als Betrüger da. Doch nur vor dieser. In den Grenzen der Zivilisation haben sie ihren Platz, wo sie auch Trost und Freuden austeilen. Vor Gott ist die ganze "Zivilisation" eine satanische Verführung, als Versuchung freilich auch ein göttliches Experiment, vorübergehend gewährt, also zugelassen. Sie ist sein Werk.

Gaukler, Akrobaten - überschreiten unsere natürlichen Grenzen, sie heben die Naturgesetze auf, was gilt, das gilt auf einmal nicht mehr. Hohe Leistung ist damit verbunden. Da wir unsere Grenzen nicht kennen, glauben wir, jene hätten sie bereits überschritten. Waren wir Zeugen qainitischer Kunstfertigkeit? In unserer Beengtheit lassen wir uns schnell verzaubern. In der Beschränkung sind wir auch mit weniger Können und Mühe zu täuschen. So mögen wir bisweilen die Vollkommenheit der qainitischen Kunst inmitten des Scheins unserer Medienmärkte nicht wahrnehmen, nicht unterscheiden, nicht erkennen.

Die Grundidee kommt nicht aus Jerusalem, sondern aus den Schriften, den toranischen Berichten. Jerusalem wird in der Bibel, in den Chroniken, bei den Propheten, sogar als eine Fehlleistung geschildert, eine historische Veranstaltung, die abgebrochen werden mußte. Der Mensch legt ein merkwürdiges Bestreben an den Tag, um sich herum eine eigene Welt aufzurichten, eine Menschenwelt neben oder gegenüber der Schöpfungswelt Gottes. Er richtet eine Gegenwelt auf. Der Mensch etabliert sich gegen Gott, seinen Schöpfer und Richter. Die Fähigkeit, Werke zu schaffen, die ihn überdauern, gibt dem Menschen das Bewußtsein, auf seine besondere Art und Weise eben doch unsterblich und im Hinblick darauf auch göttlicher Natur zu sein. Gottes edelstes Geschenk an ihn, die Schrift, ist dazu angetan, die menschliche Seele und den menschlichen Geist ewig zu machen. Gottes Anteil an der menschlichen Hybris ist also unübersehbar. Gäbe es ihn nicht, der Mensch müßte sich ihn erfinden, und in der Gestalt, wie uns der Götterhimmel und der Eine Gott selbst, dieses Götter- oder Gottesgesamt dargestellt wird, ist der Mensch als Werkmeister gar nicht wegzudenken.

Seinen Anteil an Gottes Schöpfungswerk erfährt der Mensch nun als eine Teilnahme am Wirken Gottes, als sei des Menschen Tun und Lassen, sein Schaffen, Kulturieren und Zivilisieren so etwas wie eine Fortsetzung göttlichen Schaffens im und aus dem Universum.

Hat nicht ein jeder den Himmel verstanden? Zigeuner schweigen. Läßt uns die Wiedererinnerung genetischen Wissens am Ende verstummen? Muß, was wir a priori wissen, noch ausgelegt werden? Lernen, lernen, nur um zu vergessen? Was habe ich jemals dazugelernt, das ich nicht schon wußte? Sie mußten erblinden, ehe sie weise wurden. Nun konnten sie nicht mehr lesen und nicht mehr schreiben. Es hat sie blind gemacht.
Zum andern: Was bist du arm dran im Paradies, wenn dir die Worte fehlen, es zu beschreiben, es zu besingen. Sprachlos die Wunder der Erde und des Himmels bestaunen: Du hast uns reich gemacht. Es bedarf der Worte nicht. Wer versteht, versteht ohne sie. Jedes Wort ist zuviel. Das verzauberte Wort ist das Zauberwort, das dir entfiel.

Ich erinnere mich: barfuß laufen. Es ist schon sehr lange her. Es war ein Ziel: "barfuß laufen lernen", es wieder erlernen. Eine Traumlandschaft zog an mir vorbei, eine, die ich sehr ernst nahm. Die Weisheit des Blinden geht an der sichtbaren Wahrheit der Schöpfung vorüber. Dies Höre! macht blind und weise, mag sein, aber nicht glücklich, nicht gottgefällig. Die Freude geht aus der Welt mit dem sehenden Auge. Der "blinde Seher" ist der vom Schicksal geführte, am Ende fehlgeleitete "blinde Geher". Seine Weisheit liegt in der endlichen Erkenntnis des Irrtums.

Der "blinde Seher" ist nicht nur an der Sprachoberfläche ein Widerspruch in sich. Der vielzitierte "sechste" Sinn braucht alle fünf Sinne, deren "Harmonie" er ist, intakt. Eine hypothetische Behauptung, gewiß, die jetzt außer acht gelassen hat, daß der optisch Blinde nicht nur gehen, sondern auch "sehen" lernen muß, verstehen und erkennen auf seine Weise, ein Wunder vollbringen aus dieser Not. Die Strafe Blindheit reift erst zur Prüfung.

Die "babylonischen" Zustände tragen dieses Merkmal: Die Bürger der Metropolen wissen nicht mehr den "Unterschied", nämlich den zwischen wahr und unwahr, richtig und falsch, gut und böse. Das Unvermögen der Bürger von Ninive ist aber für Gott den Herrn Grund genug, sie, die er doch vernichten wollte, zu verschonen. Er sagt, sie wissen nicht, sind also unschuldig. Ich weiß nicht, ob Gott dem Propheten Jona, der ihn beim Wort nehmen wollte, zuletzt die richtige Weisung gab. "Jona" ist wie eine Verlegenheitslösung.
Ein zahnloser Gott konnte nur noch seinen armen Propheten züchtigen und belehren. Die übrigen Geschöpfe waren ihm entglitten. Es erinnert an den Athener Verkehrspolizisten, der seine Zeichen und Pfiffe den Bewegungen der Straßenpassanten anpaßte, die gar nicht mehr auf ihn achteten; nur um wenigstens den Anschein zu wahren, alles richte sich nach seiner Pfeife. Die Metropoliten haben ihm den Rang abgelaufen.
Ein zahnloser Gott ist allerdings eine Zumutung. Gott ist nur als ein gefährliches Raubtier respektabel, ein wilder Panther, eine heilige Katze mit göttlichen Händen, die zu kosen, zu trösten, tödlich zu schlagen und zu reißen wissen. Allein mit diesen Attributen ist Gott der Richter und Lenker der Welt. Ein Gott, der seinen Feinden nicht die Zähne zeigt, sondern ganzer Armeen von Interpreten und "Theologen" bedarf, um seinen Ruf als "Herr der Schöpfung" zu retten, der hat wohl schon abgedankt.
Die Raubkatze aber, die die Ratten nicht heiligt, sondern verjagt oder totbeißt, hätte einen anderen Charakter. Wo die Ratten herrschen, soll mir keiner von "Gott" reden, von "Geschichte" und "verborgener Gerechtigkeit". Gegen Ratten hilft nur ihre Heiligung oder die Katze.

In Indien setzte sich ein resignatives Element durch, es war ein Element der Schwäche gegen die Übermacht herrschender Zustände, deren Religion jede Änderung den Himmelsmächten überließ und damit praktisch ausschloß. Die Herrschenden herrschten eben in ihrem Luxus, und die Sklaven in ihrem Elend blieben Sklaven. Um sie zu beschwichtigen, kam man auf die Idee, sie heilig zu sprechen. Auf einmal waren die Ärmsten der Armen und nicht die Privilegierten "Gottes Kinder".

Diese "Wende" in der Wertung des Menschen war ein Betrug, der allenfalls durchschimmern ließ, daß die Herrschenden sich ihrer selbst nicht mehr sicher waren. Ihre Zähne hatten sie keineswegs verloren. Die Heiligung der Ratten und die Heiligung der Parias sind zwei Seiten desselben Betrugs. Aber es verbindet sich damit auch ein Wetterleuchten.

Der hinduistische Versuch, die sozialen Mißverhältnisse zu verklären, hat den Islam im Blick, die Zuchtrute Gottes. Ihre Gerechtigkeit wäre und wird sein die nach dem Gesetz des Herrn. Der wilde Leopard ist ein Ordnungsfaktor und hat seine Zeit als gefährliches Raubtier. Nimrod zieht die Krallen wieder ein, steckt seine Pfeile in den Köcher. Der göttliche Kater schnurrt, wenn ihm danach zumute ist. Seine Behaglichkeit ist die Sorge der Propheten.

Der Optimismus ist in der landschaftlichen Bedingung: daß der gefährlichste Leopard nur unter paradiesischen Umständen oder, anders ausgedrückt und das Vergangene bedenkend, in einer messianischen Zeit zurückkehren kann. Sonst müßte die Katze sterben.
Das ist ein Aspekt, der nicht so deutlich hervortritt, daß nämlich für die Anwesenheit oder die Wiederkehr Gottes Bedingungen erfüllt sein müssen.
Der Begriff "Messias" ist eher abstrakt, fast zu abstrakt, um die Qualität der Bedingungen näher zu beschreiben. Beim großen Propheten Jesaia sind diese Bedingungen geschildert. Die Savanne - Jesaia beschreibt nichts anderes als sie - ist die ursprüngliche und nach der Prophezeiung die künftige Welt; es ist die himmlische Landschaft auf Erden. Der Leopard ergänzt das Bild der Savanne, das wir bei Jesaia gefunden haben.

Der Leopard (hebr. NMR) ist der Jäger - Nimrod (NMRD), Ismael -, der den Fehler "Babylon" nicht wiederholen will. Gott hat Ismael erhört, wie es der Name bestimmt.

Die Namenlosen aber sollen der Savanne die Kronen einstreuen, ein ungenanntes Blütenreich, eine Spiegelung des Sternenfrühlings.

Katzen dienen nicht, sie lassen sich nicht versklaven. Sieben oder gar neun Leben hat eine Katze. Du kannst sie nicht töten, ohne dich selbst zu töten. Geh einem Puma aus dem Weg und heilige seine Jagdgründe. Kommt er aber zu dir, so fürchte ihn nicht. Fürchte dich nicht. Was nicht dasselbe ist.

Für die Wiederkehr des Leoparden die Savanne bereiten...

Freiheit und Demokratie haben offenbar nur kurze Zeit die ethische Spannung ausgehalten, die aus ihrer religiösen und philosophischen Vorgeschichte herrührte. Der Atheismus ist der Geist der Philosophie, die sich an die Stelle von Religion und Unterweisung, den Menschen aber auf den Platz der Götter gesetzt hat, ja ihn an die Stelle des einen Schöpfergottes rückte.

Daß dieser Atheismus dem Menschen freilich nicht göttliche Würde gab, sondern ihm die von Gott verliehene menschliche Würde unversehens genommen hat, liegt im Wesen einer Selbstaufklärung, die sich ihrer inneren Widersprüchlichkeit nicht bewußt werden konnte. Das freischwebende Denken verkümmert wie eine Blume, die nicht beides bekommt: Wasser und Sonnenlicht. Der hohe Begriff der menschlichen Freiheit verkam zum zweckbeliebigen "Alles ist erlaubt".

Das hebräische Wort EMUNAH läßt keinen Zweifel offen: Die Festigkeit, Stabilität und Treue, die Wahrhaftigkeit ist das subjektive Moment der Wahrheit. Es ist nicht ein "Glauben" an irgendetwas. Es ist die Selbstgewißheit als individuelles Grundelement des Menschen in der Schöpfungsgewißheit Gottes.

Konfuzius sagt: Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken: Das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen: Das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung: Das ist der bitterste.

Alles schon einmal dagewesen, das heißt, es kommt wieder. Wer versteht diesen Gedanken: Nie wieder unter Dächern schlafen. Wer weiß, wann das war: als die Urkinder aus dem Paradies vertrieben wurden, als Gott seinen und Adams Erstgeborenen Qain verfluchte und verschonte, als Noahs Söhne getrennt wurden, als Avram sich von seinem Vater Terech lossagte, als Abraham seinen Erstgeborenen Ismael verstieß und ihn der Obhut seines Gottes überließ... Als die Kinder Israel am Roten Meer sich von ihren ägyptischen Brüdern und Vettern trennten. Wer weiß es?

Was weder in der biblischen noch in der germanischen Geschichte ausdrücklich gesagt wird, was sich aber womöglich in der geschichtsaktuellen "deutsch-jüdischen" Erbfeindschaft ausdrückt, das hat vielleicht bis wahrscheinlich in den überlieferten Nebenbemerkungen seinen Ursprungsbericht. Die Linien der geistigen, seelischen, namentlichen Herkünfte sind zu ihren Anfängen zurückzuverfolgen. Als ihre Wege sich trennten...

Den Deutschen wird vorgeworfen, an den Juden getan zu haben, was ein jeder Jude dem Amaleq und dessen Kindern und Kindeskindern bis zum letzten Amaleqiter antun soll. Das Stigma der Initiation, des Eintritts in die Geschichte, ist die Beschneidung. Ein Name spricht Bände dem, der zu lesen versteht. Doch ohne die Sprache der Torah bleibt alles unlesbar und somit ungelesen.
Bomben fallen auf Gerechte und Ungerechte. Der psychologische Krieg gegen die Deutschen ist ein bißchen gerecht. Selbstverrat und Lakaientum gehören inzwischen zum deutschen Nationalcharakter. Die Beschmutzung ist also, anders als gedacht, "irgendwie" zugemessen. Das Volk aber, wir wissen zu unterscheiden, hat sich den Krieg zu verbitten.
Als ob dieses Volk soeben eine Prüfung durchmacht. Von all seinen "Eliten" allein gelassen. Doch Gott der Herr der Geschichte hat es mit den Deutschen immer wieder gut gemeint. Er hat ihnen Kraft und den langen Atem gegeben. Er hat sie errettet aus größter Not und Erniedrigung. Ja, der Herr hat es gut mit ihnen gemeint und ihre Feinde getäuscht.
Ganz im Sinne der Torah läßt sich sagen, daß dieser Gott, der einst alleinige Gott Israels, den Deutschen wider alle Niedertracht ein gewiß strenger, aber letztlich guter und gerechter Gott gewesen und geblieben ist. Wie einst David von König Saul, so sind die Davidischen, Daudischen, Doitschen, Deutschen gejagt, beschimpft und verleumdet worden. Man bestimmte sie für die Rolle des Schurken im Stück, doch Gott hat es nicht gewollt.

Mythen sind stark, oft stärker als die konkrete Geschichte, sie materialisieren sich gleichsam, inkarnieren sich in dieser und jener Gestalt. Individuelle Mythen umgeben und krönen den Menschen. Sie verwandeln ihn schon zu Lebzeiten. Alles erscheint in einem besonderen, eigentlich unbeschreiblichen Licht. Es wird jedesmal schwer, sich an Entmythisierungen - und Entmythologisierungen - zu gewöhnen. Die Gewichtungen ordnen sich neu. Ein Heiligenschein verschwindet plötzlich oder vergeht allmählich. Der Verfall einer Aura, wie die Erosion einer Fotoplatte, kündet gleichwohl weniger vom Sterben und Vergehen als von einer Entsegnung. Die Engel sind davongeflogen.

Goldene Mischungen spiegeln wider: den Sternenhimmel in Silber, die strahlende Sommerbläue des Tags. Auf ihnen ist der Segen Allahs. Was wir einen Mythos nennen, ist die im Schöpfungszusammenhang verstandene Geschichte. Im Mythos ist das Erdengeschehen wieder mit dem Götterhimmel verbunden. Das Rätsel des Menschen löst sich auf als im Willen des Herrn.

Eine europäische Einigung im Glauben würde Glaubenskrieg bedeuten, es geschähe denn ein Wunder. Dieser Krieg hat als anti-islamischer Krieg bereits seinen Anfang genommen. Der "fundamentalistische Terror" ist eine verzweifelte Defensive der Ohnmacht. Die anti-islamischen Operationen in aller Welt sind psychologisch ("wissenschaftlich") wohlüberlegt inszeniert worden.

Wissenschaftlichkeit und technologische Überlegenheit der westlichen, eigentlich nördlichen Welt haben allerdings einen wesentlichen und darum entscheidenden Defekt: Der "Perfektion" des Nordens liegt eine ganz und gar "imperfekte", unzulängliche Gesellschaft zugrunde. Diese Insuffizienz ist aber die Formel, der Schlüssel zum Verständnis und zur Einschätzung der Möglichkeiten, Fähigkeiten und Grenzen einer Zivilisation.

Geschichte als Depravationsgeschichte muß ihren tiefsten Punkt erreichen. Alles Werden war ein Verflüchtigen, eine Illusion des Vergehens.

Zigeuner schweigen nomadisch, sie denken und schreiben... Die Seßhaften haben ihren Todestrieb zum Mörderinstinkt gewendet. Ja, es ist Krieg.

Zuletzt wird Gott über Sieg und Niederlage befinden. Die Maya schweigen und warten.

Im Stillstand der Ruhenden aber ist das Sterben am Werk. Und die Wiederkehr.

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