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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...

2001-12-08

Avram Kokhaviv

Hat die Heuchelei auch mal ein Ende?

Wir werden's erleben

Daß das Wort wieder gilt, daß es gilt, was es sagt... Daß wir nicht Sprachanalysen anstellen müssen, um herauszufinden, was es diesmal zu bedeuten habe.

Der Afghanistan-Krieg hat die Welt verändert. Amerika ist nicht mehr der Hort der Freiheit und der Demokratie, nicht mehr der Schutzherr der Unterdrückten. Amerika ist ein politisches und militärisches Ungeheuer geworden, eine gefährliche Bestie, die jeden bedroht, der ihr in den Weg tritt.

Dieser Krieg - eine verzweifelte Jagd auf das Phantom Osama Bin Laden, das man wahrscheinlich gar nicht haschen will - wird aufgeführt als ein Stück Aufstand des tapferen Goliath gegen den Riesen David, als ein legitimer Verteidigungsakt der Guten gegen die Bösen, zu vergleichen etwa mit dem Zweiten Weltkrieg: Dieser Krieg gegen ein neuartiges Nazi-Terrorregime...

Doch wo ist das Regime?

Der Vergleich ist ja nicht ganz abwegig. Wer sich richtig erinnert, erlebt noch einmal nach, wie der Hitler-Staat den Ländern Europas seinen Willen aufzwang.

Hitler drohte jedem mit Gewalt und Krieg, der sich ihm nicht beugte. Seine Politik der vollendeten Tatsachen war sprichwörtlich, und die Staaten - kraftlos, mutlos, aber auch verblendet, wie sie waren - fügten sich alle. Selbst England.

Wer den Berliner Reichstag - zum Auftakt - in Flammen hochgehen ließ, ist - bis heute - nicht geklärt: Wie die Hintergründe des WTC-Attentats und der Anthrax-Streuung in Amerika.

Einst waren es die jüdisch-bolschewistischen Banditen und Untermenschen, die rücksichtslos bekämpft, nein, mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden mußten.

Für dieses Schlächteramt war die Waffen-SS mit - bekannten wie berüchtigten - speziellen Einsatzgruppen zuständig.

Ihre moralische und gerichtliche Verfolgung bleibt aktuell. Die Wehrmachtsausstellung ist nur eine Ergänzung, damit nichts und niemand fehle.

Mit der heutigen Terrorismus-Bekämpfung erleben wir eine bemerkenswerte Wiedergeburt, erstaunlich ist daran nur, daß es bisher niemandem öffentlich auffällt.

Das Unvergleichlichkeits-Dogma hat Wahrheit und Leid unendlich relativiert, hat den Umgang mit der Wahrheit und mit den Leiden der Menschen oft bis ins Unkenntliche verdreht und verzogen. Was bei den einen das böse Verbrechen, ist bei den andern die gute Pfadfindertat.

Gegen den internationalen Terrorismus findet der alte Sprachgebrauch neue Verwendung: es wird wieder ausgerottet, es werden Banditen bekämpft, ihre Höhlen ausgeräuchert; was damals die SS-Einsatzgruppen, das sind heute die US-Spezialeinheiten... Sie alle kämpften und kämpfen gegen das leibhaftige Böse.

Es gibt den gerechten Krieg. Der Krieg gegen den Islam ist - wie der Krieg gegen die Juden - kein gerechter.

Bundeskanzler Schröder, das Danaergeschenk der Politik an die Deutschen, hat gesagt, daß wir diesmal auf der richtigen Seite stünden. Er hätte nur hinzufügen müssen: wieder, daß wir wieder auf der richtigen Seite stehen werden, denn diese richtige Seite ist wie damals wieder die falsche, doch das werden die Blauäugigen erst merken, wenn es vorbei ist. Irgendwann wird es das sein. Denn jede Tyrannei, auch die albernste, hat ihre Grenzen.

Der Krieg zeigt sein Puppengesicht, bis er verloren ist. Das lachende Fronttheater mit hübschen Sängerinnen führten die Deutschen damals auf wie die Amerikaner heute.

Am Ende war Deutschland entblößt, völlig zerschlagen, hilflos, ohnmächtig, gedemütigt, aber doch frei, das war jedenfalls meine Überzeugung.

Ein paar Jahre später wurden die Deutschen wieder gebraucht. In Ost und West entstanden deutsche Armeen von immenser Schlagkraft, allerdings unter strenger Kontrolle. Die Bundeswehr war für Jahrzehnte die stärkste europäische Armee in der NATO. Die Nationale Volksarmee der DDR hatte einen ähnlichen Rang im Warschauer Pakt.

Inzwischen ist Deutschland wieder vereinigt. Man einigte sich auf eine begrenzte militärische Stärke, die dann systematisch abgebaut wurde.

Die Streichung der Mittel für die neue, nun gesamtdeutsche Bundeswehr innerhalb der NATO war der sicherste Pfad zur Entwaffnung der neuen Bundesrepublik.

Deutschland spielt sich indessen regierungsamtlich auf, als hätte es als neue Art Großmacht jetzt zunehmend auch internationale militärische Aufgaben zu übernehmen.

Nun möchte man vielleicht meinen, daß mit einer quasi nicht-existenten Bundeswehr sowieso nichts auszurichten sei. Doch die Dinge liegen anders. Für das, was Deutschland machen soll, sind die Mittel vorhanden.

Deutsche Propeller-Flugzeuge transportieren Wolldecken für Afghanistan. Deutsche Sondereinheiten räumen Minen aus der afghanischen Landschaft. Die Deutschen sind, wie sie's bei den Grünen gelernt haben, für die Müllbeseitigung, fürs Schießpulver-Büchsen-Einsammeln und für die Schrottsortierung eingeteilt.

Was früher tägliche Übung der Strafkompanien, erledigt heute die Bundeswehr.

Minenräumen wird bundeswehrlich zum privilegierten Himmelfahrtskommando.

Dafür gibt es modernes Gerät, das - per Fernsteuerung - diesen Job zum Freizeitvergnügen macht.

Die deutschen Hiwis haben dieses Gerät nicht. Sie arbeiten mit Schnüffelhunden und einfachem Handwerkzeug, denn Handwerk hat goldenen Boden.

Vielleicht dürfen die deutschen Schrottsammler - für ein angemessenes Bakschisch - auch mal den Wüstenverkehr regeln, den wieder aufgelebten Drogen-Transfer ein bißchen ordnen, bevor sie in die Luft fliegen.

Die Deutschen proben in Afghanistan den Suicid-Bomberismus als wieder vereinigte Form der Selbstterrorisierung. Verdient ist verdient.

Das von den Amerikanern angeblich bewunderte deutsche Krisensonderkommando (KSK) besteht ähnlich wie die GSG 9 vielleicht aus hundert Mann*. Von einem Einsatz ist noch nichts verlautet.

*Ich habe mir sagen lassen, daß es tausend (nicht hundert) Mann sind und "KSK" (nicht Krisensonderkommando, sondern:) "Kommando Spezial-Kräfte" bedeutet, was auch besser den alten Sprachregelungen entspricht.

Dieser Sorte Spezialisten haben die Briten und Franzosen an jedem Finger zehn, selbst die Polen und Tschechen und Dänen und Holländer sind den Deutschen heute haushoch überlegen.

Die deutsche Armee ist eine Hilfswilligen-Truppe, die für andere als ordinärste Aufräum-Einsätze niemand haben will. Die Bundeswehr ist nicht nur bedingt einsatzfähig, sie ist zu nichts Ordentlichem mehr zu gebrauchen. Sie könnte heute nicht das Oderbruch entwässern.

Wirklich schlimm aber ist, daß Deutschland sich im Ernstfall nicht verteidigen kann.

Eigentlich sind die Nachbarn dumm, wenn sie den akuten Schwächezustand der Deutschen nicht in Bälde nutzen.

Die Polen könnten ohne Mühe zur Elbe vordringen und ihr altes Kulturland re-okkupieren und annektieren. Auch die Schweden dürften ihren alten Appetit dann bald wieder entdecken. Der Beispiele sind genug.

Mit deutschem militärischen Widerstand wäre nicht zu rechnen, dafür haben Scharping und seine rotgrünen Mannen und Weiben schon gesorgt. Diese Leute denken eben an die Zukunft.

Oder gibt's - wie bei uns an anderer Stelle gemutmaßt - noch eine zweite - verborgene - deutsche Armee?

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