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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...

2001-12-04

Avram Kokhaviv

Die Essentials

Hände weg von Israel und Islam!

Wie paßt das zusammen? Darüber muß Klarheit gewonnen werden.

Die Ausgangslage enthält den Grundgedanken: Ohne den Staat Israel wäre der Islam nicht wieder zu sich gekommen.

Das biblische Prä-Israel impliziert den Konflikt, indem es Abrahams Sohn Ismael um sein Erstgeburtsrecht bringt, ihn mit seiner Mutter Hagar - der einzigen Frau, zu der Gott direkt gesprochen hat - in die Wüste und damit in den wahrscheinlichen Tod treibt.

Israels Urmutter Sarah verursacht den Konflikt, indem sie Abraham zu der Vertreibung animiert.

Ein unverzeihlicher Frevel, auch wenn Gott die Entscheidung nicht nur stützt, sondern Hagar und ihren Sohn Ismael - den Urvater der Araber und des Islam - unter seinen besonderen Schutz nimmt, sie vor dem Tode errettet und ihnen eine große Zukunft voraussagt.

Die Vertreibung der Sklavin Hagar und ihres Sohnes Ismael, des Erstgeborenen Abrahams, ist das Urbild von Flucht und Vertreibung in die Wüste unter die Fittiche Gottes.

In der Aussetzung Josephs durch seine Brüder, der Exodus-Geschichte Israels, der Hidschra Mohammeds und den Jesus-Berichten wird die Urszene nur umbesetzt und nacherzählt.

Auch die Schlacht-Opferung Ismaels, wie sie - statt der biblischen Opferung Isaaks - in der islamischen Überlieferung geschildert wird, ist geschichtlich plausibel.

Tatsächlich opferte Abraham seinen Sohn Ismael. Er war bereit, ihn - so oder so - zu Tode zu bringen. Nur Gott verhinderte das Unheil.

An Ismael - nicht an Isaak oder Israel - erfüllte sich die Verheißung, daß die Kinder Abrahams - das sind die Kinder Hagars! - wie die Sandkörner der Wüste nicht zu zählen sein werden. Die Geschichte Israels kann damit nicht verglichen werden.

Israel ist allerdings der Träger der Überlieferung. Ohne die Berichte der Torah kennten wir die Einzelheiten dieser Familiengeschichte nicht.

Der Quran - der gewiß dem Gott vom Sinai treu geblieben ist, und dessen historische Spiegelung und Leistung keiner Bestätigung bedarf - verhüllt die Feinheiten der Torah.

Die Torah - und zwar in derselben überlieferten Gestalt, die vom gelehrten Islam nicht als authentisch anerkannt wird - beschreibt jene familiären Hintergründe und Zusammenhänge, die zu wissen in der aktuellen Auseinandersetzung zwischen Judentum und Islam äußerst wichtig, für die islamische Selbsterkenntnis unabdingbar, für die Lehre lebensnotwendig geworden ist.

Der Islam kann auf Israel nicht verzichten, und zwar nicht nur dieser Überlieferung wegen, denn die könnte notfalls ja in den Bibliotheken nachgelesen werden. Der Staat Israel - seine zionistische Selbstdarstellung inmitten der islamischen Welt - ist nicht nur Zankapfel und Provokation zur politischen Mobilisierung des Islam, sondern zugleich - und viel ergreifender und substantieller als alles andere - eine unverzichtbare geistige Herausforderung.

In der jüdischen Überlieferung stecken die Geheimnisse, die den Islam - unter den Bedingungen des Zweiten, Dritten und Sechsten Jahrtausends der drei geläufigen Zeitrechungen - zu sich führen werden und führen können.

Israel ist nichts, das man beseitigen, ins Meer treiben oder in Wohlgefallen auflösen könnte.

Israel kann nur und wird sich selbst überwinden, nämlich in dem historischen Moment, da es als Stätte religiöser Gelehrsamkeit, als staatlich organisierte Souveränität nicht mehr nötig ist; wenn es sich - wie ein guter Lehrer für seine Schüler - sozusagen überflüssig gemacht hat.

Der Lehrer wird seinen Schülern ähnlich oder gleich. Der historische Dozent und Jude kann getrost sich als Moslem verstehen oder zum Islam übertreten. Er bleibt mit sich identisch.

Ich bleibe dabei, daß - nach toranischem Verständnis - nicht das Christentum, sondern der Islam die authentische, von Gott autorisierte, geschichtliche Wiedergeburt oder Fortsetzung Israels ist.

Und der Staat Israel eine - im transzendenten Sinne - vorübergehende Erscheinung, um dies sichtbar zu machen.

In Anlehnung an die buddhistischen Begriffe wende ich den Kleinen Wagen auf Israel an. Der Islam ist der Große Wagen in der Geschichte Abrahams, seiner Frauen und Kinder.

Wenn dem Islam im Westen vorgehalten wird, die Frauen zu unterdrücken, zu erniedrigen und zu verachten, so ist der feministischen Ignoranz entgegenzuhalten, daß Hagar - die leibliche und geistige Urmutter der islamischen Völker - die besondere, von Gott bevorzugte Frau der Bibel war und geblieben ist.

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