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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...

2001-11-01

Avram Kokhaviv

Der Krieg der Paläste gegen die Hütten und Zelte Afghanistans

Spuren einer globalen klassen- und kastenpolitischen Interessen-Koalition

Die Stationen des zwiefachen Terrors gegen die Freiheit als unsere Sicherheit

Alles sieht inzwischen nach einem - eher hausgemachten - politischen Coup aus. Die Fakten stützen diese Hypothese mehr als jede andere.

Kein Afghane war unter den Flugzeugattentätern. Aber bombardiert wird Afghanistan.

Der Name Osama Bin Laden bezeichnet einen Mann, dessen Gesicht mittlerweile alle Welt kennt. Seine Familie hat ihren Sitz in Saudi-Arabien. Er habe sich von ihr getrennt. Im übrigen lesen wir seine Legende: "reicher Geschäftsmann", "Topterrorist" und "Führer der Terrororganisation Al-Qaida".

Von Al-Qaida kennen wir nur die Legende. Über ihre Existenz gibt es Behauptungen und Erzählungen, Aufgeblähtes. Keine Beweise. Eine Organisation des Namens hat sich bisher - außer in einem unbestätigten Al-Jazeera-Statement - nirgendwo authentisch zu Wort gemeldet oder irgendwie zu erkennen gegeben.

Was wir "wissen", ist ein Szenario des vielfachen Verbrechens. Das Attentatsverbrechen von Manhattan und Washington hat eine unendliche Welle der Vergeltung ausgelöst, die zwar nicht ins Leere geht, aber ihr angegebenes Ziel auch nicht erreicht. Das Verbrechen von New York hat ein größeres Verbrechen hervorgerufen.

Während der britische Premier Blair die saudische Königsfamilie in Riad besucht und ihr ausdrücklich bescheinigt, daß sie nicht etwa den Terrorismus unterstütze, sondern natürlich ein Mitglied der neuen Anti-Terror-Koalition sei, wird das ärmste Land Afghanistan stündlich bombardiert.

Die sogenannte Anti-Terror-Koalition entpuppt sich mehr und mehr als eine Koalition der Reichen gegen die Armen, und wenn man das erst begriffen hat, wird einem auch klar, warum der reiche Saudi Osama Bin Laden nicht erwischt wird. Statt den Saudi-Fürsten die Ehre zu erweisen, müßte Blair seine Kampfjets nach Riad schicken, um Rache zu üben für das Verbrechen von New York. Aber wie die reichen Ölscheichs den Terror finanzieren, so werden sie auch den Gegen-Terror finanzieren. Terror ist nun mal ihr Geschäft.

Womöglich ist London nicht ganz schuldlos auch dabei; wird es doch den Amerikanern die - versteckte bis offene - Unterstützung des IRA-Terrors niemals verzeihen.

Zeitgleich bereist der deutsche Bundeskanzler, begleitet von hochrangigen Wirtschaftsbossen aus Deutschland, das Reich der Mitte und Indien, wo er die konsequente Fortsetzung des Bombenterrors gegen Afghanistan predigt und die Söhne und Töchter der herrschenden Kasten als High-Tech-Experten per Green Card nach Deutschland einlädt, wo hochqualifizierte Kräfte zu Tausenden gerade ihren Job verlieren.

Dem sozialistischen China beschert die sozialdemokratisch angeführte deutsche Wirtschaftshilfe jetzt endlich die Fähigkeit, die teuersten Automodelle herzustellen: für die herrschende Neue Mittelklasse im alten Reich der Mitte, eine Schickeria-Kaste, die auch bald auf den teuren Transrapid wird umsteigen können, während das chinesische Volk darbt wie eh und je.

Das "Anti-Terror"-Bündnis der Reichen gegen die Armen ist der Krieg der Paläste - Babylons, Chinas, Indiens und Arabiens - gegen die Hütten - nicht nur - Afghanistans. Der im kuckuck aufgezeigte Zusammenhang von Islam und Klassenkrieg ist blutige Realität, aus der, wie es im Moment aussieht, nur Gott heraushelfen kann.

Wer die Strategische (B-52) Bomberflotte nach Afghanistan schickt, ist ein Kriegsverbrecher und Staatsterrorist. Die Bomben, die dort abgeladen werden - "Mutterbomben", die in der Luft zerplatzen und Hunderte von "Kinderbomben" verstreuen, welche über dem Boden explodieren und sich in Zehntausende - Menschenleiber zerfetzende - Splitter auflösen -, sind Massenmordmittel. Wer sie einsetzt, ist ein Kriegsverbrecher und Verbrecher gegen die Menschlichkeit.

Wenn in deutschen Medien von "angeblichen" Opfern unter den Zivilisten gesprochen wird, so ist das nach Maßgabe eines vorauszusetzenden waffentechnischen Allgemeinwissens der Ausdruck von geistiger Komplizenschaft und heuchlerischer Verharmlosung des Verbrechens.

Der Völkermord entpuppt sich - man möchte sagen: endlich - als das, was er immer war, nämlich nicht Mord an Ethnien, sondern Massenmord der Reichen und Herrschenden an den Armen und Beherrschten, quer durch alle "Ethnien".

Die Anthrax-Attentate in Amerika sind nicht von gleicher, aber von ähnlicher Qualität. Anthrax gilt als Biowaffe, genauso wie Ebola und andere Bakterien oder Viren. Das Ebola-Virus ist in Flüchtlingslagern an der pakistanisch-afghanischen Grenze aufgetreten und hat Todesopfer in wahrscheinlich dreistelliger Höhe gefordert.

Während die Informationen zu Ebola spärlich sind, falls man überhaupt noch etwas erfährt, die Toten wurden bereits vor Wochen mit über siebzig beziffert, sind die Nachrichten über Anthrax-Fälle die tägliche Frühstücksbeigabe, obwohl Anthrax, verglichen etwa mit Ebola, das zur gleichen Zeit auftritt, relativ harmlos ist; nicht harmlos, aber relativ harmlos. Die Zahl der Anthrax-Toten hat fünf bisher nicht erreicht. Das ist alles zuviel, aber auf den Straßen sterben täglich weitaus mehr Menschen als an Anthrax, Anthrax aber ist zur nationalen Katastrophe hochgespielt worden.

Es ist in der Tat hochgespielt worden. Es richtet zwar nur äußerst geringen Schaden an, eignet sich aber wunderbar zur Erregung der Menschen, und das geschieht über die Medien in amtlichen Verlautbarungen, die, je ungenauer sie sind, um so mehr Panik verursachen.

CIA, FBI, Heimatschutz und die zuständigen Minister haben vereinbart, ihre Erkenntnissse mit der Bevölkerung zu teilen, d.h. Informationen an die Öffentlichkeit weiterzugeben. Nun bekommen wir ständig zu hören, was sie wissen, und das ist die Erkenntnis: daß sie nichts wissen. Jedenfalls nichts zu wissen vorgeben.

In der Anthrax-Geschichte könnten sie schon viel weiter sein. Es sind viele Spuren hinterlassen worden: Beschriftung der mit Anthrax-Sporen versandten Briefumschläge, Aufgabepostämter, die biochemische Synthese der verschickten Anthrax-Substanz, die, wie es hieß, in allen Sendungen gleich aus einem Züchtungslabor stammen soll, das an militärischen Versuchen zum Einsatz von bzw. zum Schutz vor Anthrax-Kulturen arbeite. Die Sache ist so heiß, daß es heißer nicht geht.

Jetzt hat das Pentagon in Zeitungsanzeigen öffentlich dazu aufgefordert, Vorschläge zur Bekämpfung des Terrors einzureichen. Bis zum 23. Dezember 2001, damit Amerika und die christliche Welt den Heiligen Weihnachtsvorabend in Frieden begehen können. Das ist ein Hilferuf, der verstanden werden muß.

Mit anderen Worten: Es liegen so viele Erkenntnisse vor, die schon längst zu konkreten Fahndungsergebnissen hätten führen müssen, so daß die Annahme berechtigt ist, daß die Regierung bzw. die zuständigen Regierungsbehörden wahrscheinlich nicht sagen, was sie wissen, sondern die Menschen hinhalten, bis neue Ereignisse eintreten und alles Bisherige erklären oder hinfällig machen. Die Regierung ist in einer Zwickmühle. Sie ist handlungsunfähig, weil unter Druck.

Die Andeutungen, die undurchsichtigen Warnungen verstärken die Panik in der Bevölkerung und vervielfältigen die polizeilichen Sicherheitsmaßnahmen. Hätte man die Anthrax-Geschichte nicht hochgespielt, sondern sachlich und ihrer Bedeutung angemessen behandelt, würden wir in der Zeitung vielleicht dann und wann eine kleine Meldung lesen, aber die Menschen blieben ruhig.

Die allgemeine Angst vor der Ungewißheit des Terrors hat mittlerweile das Vertrauen zu Regierung und Staat untergraben. Das demokratische Volk der Amerikaner und die demokratisch gewählten Institutionen streben auseinander. Die Bürger sollten die Hilflosigkeit der Regierung erkennen, richtig deuten und einen Ausweg suchen. Die ausgelöste Panik hat zwei Gesichter, weil verschiedene Interessen dahinter agieren. Die einen sind selbst in Panik gefangen, während die andern durch Panik das Land unregierbar machen wollen. Es fehlt, wenn man von den Belobigungen für den New Yorker law and order-Bürgermeister Giuliani absieht, bisher "der Ruf nach dem starken Mann"; aber auf ähnlichem Wege wurden im vorigen Jahrhundert die europäischen Demokratien destabilisiert und zum großen Teil abgeschafft. Die "unfähigen" und "korrupten" demokratischen Politiker waren desavouiert und konnten ohne viel Mühe abgelöst werden.

Der US-Vizepräsident Cheney ist jetzt schon wiederholt "an einem unbekannten Ort in Sicherheit gebracht" worden. Was hat das zu bedeuten? Cheney wurde in der Presse gern als "der eigentliche" Präsident der Vereinigten Staaten vorgestellt, obwohl der kranke Mann eher schutzbedürftig erscheint, was seine Evakuierung erklären könnte. Aber vielleicht ist er ein Strohmann. Oder eine Geisel.

Und was hat es zu bedeuten, daß beim Ford-Konzern nach langer Zeit plötzlich wieder ein Familienmitglied die Führung übernimmt? Die ersten Fernsehbilder zeigen einen arroganten jungen blonden Mann, vor dem die höchsten Manager einknicken wie die Satrapen eines absoluten Herrschers, der sie wie Luft behandelt.

Die Erinnerung an den Antisemiten Henry Ford läßt Schlimmes befürchten. Der Firmengründer, Isolationist und Kriegsgegner ("Was für Ford gut ist, ist für Amerika gut") spekulierte und "sympathisierte" politisch mit bestimmten islamischen Mächten.

Neuer Vorstandschef, konzernpolitisch noch unerfahren, ist der 44-jährige William Clay Ford jr., dem - als rechte Hand und für das operative Geschäft Verantwortlicher - der Engländer und studierte Germanist Nick Scheele - von der Queen für seine Verdienste um das Jaguar-Modell zum Sir Nicholas geadelt - dient.

Präsident Bush vermutet "amerikanische Extremisten" hinter den Anthrax-Anschlägen, durch die bereits der Betrieb von Ministerien, Bundesbehörden, Postämtern und Krankenhäusern lahmgelegt wurde. Anthrax gelangte in mittelbare Postnähe des US-Präsidenten. Der bei uns, aber auch in israelischen Geheimdienstkreisen geäußerte Verdacht, daß es sich um Rechtsextremisten - ich sage: zumindest! - hinter den Anthrax-Anschlägen handle, würde das Bild vervollständigen und gleichzeitig erklären, warum immer nur Andeutungen gemacht werden und nichts Genaues gesagt wird. Es sieht nach der Einleitung eines Staatsstreiches aus, nach den Etappen eines von langer Hand geplanten Anschlags auf die amerikanische Demokratie.

Die amerikanische Anthrax-Komponente zur Manhattan-Babel-Strategie will der Strafexpedition in Afghanistan scheinbar Einhalt gebieten, tatsächlich die legitime US-Regierung dort festnageln und daheim paralysieren, die arabischen gegen die nichtarabischen Muslime ausspielen, einen zerstrittenen Islam sich selbst überlassen und seine amerikanischen Gläubigen - zusammen mit anderen Semiten und nichtweißen Rassen - aus Amerika vertreiben. In der Praxis richtet sich der Krieg gegen die Armen und Ärmsten, gegen die niederen Klassen der gemeinten Rassen und ihr weißes Äquivalent.

Der amerikanische Rechtsextremismus ist ein extrem-"arischer" Rassismus und wünscht die Vereinigten Staaten - zur antisemitisch-nationalistischen, "nicht-imperialistischen", insel-kontinentalen, "weißen" Diktatur - "ethnisch gesäubert" und somit "erneuert". Daß er Teile der staatlichen Institutionen bereits besetzt hält, ist Teil dieser Hypothese. Weitere Facetten sind denkbar.

"Osama Bin Laden" und "Al-Qaida" sind die noch zu entschlüsselnden Codes einer ebenso raffinierten wie rabiaten weltpolitischen Operation. Metaphysische Überlegungen lasse ich dabei außer acht.

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