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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...
2001-10-27
Der "Krieg der Kulturen" ist eine Redensart, die sich weder von alten Begriffen noch von der neuen Wirklichkeit ableiten läßt.
Die Welt hat sich dem westlichen Kultur- und Menschenbild unterworfen. Der amerikanische Lebensstil fasziniert die Menschen aller Kontinente. Das Fernsehen zeigt uns zu jeder Stunde, daß die "Kulturen" nicht mehr existieren.
Westliches Straßenbild begleitet uns durch jede Stadt in jedem Land. Die äußeren Unterschiede - ob in Architektur oder Kleidung - sind sozialer Natur, also ebenfalls überall gleich.
Japaner kleiden sich wie Engländer, Russen, Amerikaner, Franzosen, Deutsche... Wer noch nicht aus Dosen und Schachteln ißt, möchte endlich auch aus Dosen und Schachteln essen dürfen.
Woran wären die alten Besonderheiten noch festzumachen?
Wie im Binnenland zwischen Schlesiern, Sachsen und Bayern, so hat, was dennoch verblieb, auch unter den "Kulturen" sich in die Folklore der Wohnstuben und TV-Nachmittagsunterhaltung zurückgezogen.
Aber das Bild stimmt nicht ganz. Einiges an "Kultur" hat sich erhalten. Indien scheint noch weitgehend mit sich identisch zu sein. In Afrika lebt sporadisch alte Lebensart wieder auf. Übers Innenleben Chinas wissen wir viel zu wenig.
Die islamischen Länder schienen selbstvergessen zu vergehen, bis der sogenannte Fundamentalismus mit kämpferischer Entschiedenheit der westlichen Zivilisation den Krieg erklärte, wobei es zunächst darum ging, die eigene Geschichte zu reklamieren. Die islamische Revolution ist ein Prozeß der Selbstbesinnung.
Der Islam ist eine Ausnahme, weil er bereits verloren gegeben war. Indien hat die westlichen Demokratieformen sanft übernommen und integriert, ist aber Indien geblieben. Offenbar war der hinduistische Polytheismus flexibler, auch unpolitischer als der strenge monotheistische Islam. Der kann nur siegen oder abdanken, nicht sich fügen, ohne sein Wesen zu verzerren.
Die islamische Kampfansage ist nun freilich auch eine Kriegserklärung an den Hinduismus und den Buddhismus.
Wie Israel den Islam mobilisierte, so scheint jetzt der islamische Fundamentalismus die anderen Kulturresiduen zu politisieren. Neue Bündnisse zwischen ihnen und dem Westen beschreiben den Prozeß.
Der gewaltige Einfluß der westlichen "Kultur" beruht auf deren weitgehender Kulturlosigkeit, ihrer Indifferenz, ihrem "Pluralismus".
Was den Westen von anderen Zivilisationen unterscheidet, ist ein Freiheitsbegriff, der sich um Inhalte wenig zu kümmern scheint, ist der eine Wert der westlichen, sprich: amerikanischen Welt: die Kultur der Freiheit.
An dieser Freiheit, die ursprünglich so frei nicht war, weil christlich-puritanisch - im übrigen von vielen Vätern - gezeugt, scheint Amerika und mit ihm der Westen jetzt zugrunde zu gehen.
Die Herausforderung des erwachenden Islam zwingt den Westen, sein höchstes Gut aufzugeben. Er muß, um den Krieg zu bestehen, seine Grundrechte und Freiheiten abschaffen.
Die Freiheit aber war das Wertvollste am Westen. Ohne die Freiheit als obersten Wert ist der Westen wertlos und also nicht mehr wert, verteidigt zu werden. An "Kultur" haben die anderen mehr zu bieten.
Zum Wert der Freiheit gehört, daß sie wahrgenommen wird, daß die Bürger sich ihrer bedienen.
Besonderes sind die Presse- und die Meinungsfreiheit, was nicht von vornherein dasselbe ist. Die Presse kann frei sein, wenn die Meinungsfreiheit bereits geknebelt ist.
Die US-Regierung bat die Medien um Zurückhaltung bei der Berichterstattung über Afghanistan. Regierungsamtliche Zensur funktionierte im Golfkrieg. Damals wurde das CNN-Monopol geboren. Nur ausgesuchte Journalisten waren an Kampfplätzen zugelassen. Die Regierung wollte einem neuen Desaster vorbeugen, nachdem der Vietnam-Krieg - als Krieg der Medien - verloren gegangen war.
In Afghanistan läuft nun wieder vieles anders, als seit dem Golfkrieg gewohnt. Der arabische Fernsehsender Al-Jazeera hat CNN das Monopol streitig gemacht. Auch über israelische und kaukasische Agenturen erfahren wir jetzt mehr, als der offiziellen Medienpolitik recht sein kann.
Da gab es drei Meldungen:
1. In afghanischen Flüchtlingslagern ist das Ebola-Virus aufgetreten. Schon vor mehreren Wochen wurden über siebzig Tote registriert. Die Nachricht ging im allgemeinen Anthrax-Trubel unter. Ebola gehört aber wie Anthrax zu den sogenannten Bio-Waffen, ist nur um ein erhebliches gefährlicher als dieses.
2. Bei "präzisen" Bomben- oder Raketenangriffen wurden "irrtümlich" zwei Warenlager des Roten Kreuzes zerstört.
3. Zwei Krankenhäuser erlitten unter ähnlichen Umständen das gleiche Schicksal.
Besteht zwischen den Meldungen möglicherweise ein Zusammenhang?
Wußten die Rot-Kreuz-Leute, die Ärzte und Krankenschwestern mehr, als sie wissen durften?
Wurden mit ihnen Mitwisser aus der Welt geschafft?
Waren sie mittelbare Zeugen einer geheimen - und geheimzuhaltenden - Bio-Krieg-Führung gegen die Afghanen?
Funktionieren die High-Tech-Waffen doch präziser, als von Fall zu Fall - je nach Zweck - behauptet wird?
Wurden Spuren beseitigt?
Was ist mit den Patienten: dem lebenden oder inzwischen toten Beweis"material"?
Wenn das Interesse, die Freiheit, die Fähigkeiten, solche Ereignisse kritisch zu begleiten, zu bewerten, bekannt zu machen, nicht mehr intakt sind, schwindet allmählich der Unterschied zwischen uns Freien - in freier offener Gesellschaft - und jenen, denen diese Freiheit nicht wert, sondern verdächtig und gefährlich ist.
Was haben wir an eigener "Kultur" noch zu verteidigen?
Die Kultur der Freiheit: Es ist das Höchste, was den Westen attraktiv macht.
Dieser Freiheitsbegriff vertraut auf Gott und den Menschen; er fürchtet den Mißbrauch nicht, sondern weiß sich ihm gewachsen.
Der Vorzug der westlichen Zivilisation lag in ihrer unbesiegbaren Elastizität.
Solange der Westen seine Prinzipien nicht aufgab, konnte er Sieg um Sieg einfahren als reiche Ernten.
Der Westen lebte nie von seiner militärischen und wirtschaftlichen Macht.
Der Westen wird mit Freiheit assoziiert. Wem die Freiheit ein Wert ist, der gibt den Westen nicht auf.
Wenn der sich nicht aufgibt und damit uns alle.
Der Islam als eine Idee der Befreiung knüpft daran an. Nicht immer werden historische Lektionen sogleich auch begriffen.
Vor - auch angenehmen - Überraschungen sollten wir uns niemals sicher wähnen.
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