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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...

2001-09-28

Avram Kokhaviv

Eine Empfehlung

Kenneth Johnson: Die Weisheit des Jaguars. Praxis und Anwendung des MAYA-Kalenders. Die Originalausgabe erschien unter dem Titel Jaguar Wisdom, Mayan Calendar Magic bei Llewllyn Publications, St. Paul, USA. © Kenneth Johnson 1997. Aus dem Amerikanischen von Elisabeth Liebl. Heinrich Hugendubel Verlag (Kailash), Kreuzlingen/München 2001

Die Betonung der magischen Seite des mayanischen Kalender-Wissens mag auf den Markt geschielt sein. Esoterische Werke haben eine gewisse Konjunktur, wenn nicht wirklich Weltbewegendes geschieht. Die Flugzeugattentate gegen Amerika lenken das so geleitete Interesse entschieden ab.

Die historische Bedeutung der hohen Maya-Zivilisation ist ungebrochen. Die amerikanischen Vorgänge tragen dazu bei, das Schicksal der alten Stadt-Kulturen und Imperien neu zu bedenken.

Auch die Maya bauten hoch hinaus. Wahrscheinlich mit dem Unterschied, daß heute nicht mehr an die Kräfte gedacht wird, die dafür immer zuständig waren. In Amerika hat die Religion allerdings noch ein Zuhause.

Ein spontaner Gedanke war, daß hinter den Anschlägen christliche Fundamentalisten steckten. Die Lehre enthält viel vergleichbaren Stoff.

Die Verwirrung der Sprachen blieb ein göttlicher Eingriff in die imperial-hybride Politik der babylonischen Herrscher. Seltsam, daß die Bibel von der physischen Vernichtung Babylons nichts sagt.

Die Sprachen kamen auf und gingen auseinander.

Maya-Städte wurden eines Tages verlassen, und man möchte hinter dem merkwürdigen Verhalten einen Wink des Himmels vermuten: Verlaßt eure Städte, es reicht!

Die Weisheit des Jaguars ist keine Magie, ist ein Wissen, das sich aus dem Universum nährt. Es sind die Konstellationen, die das Kopfzerbrechen bereiten, uns bewegen und nachdenklich machen.

Eine materielle Grundlage des Wissens meldet sich zurück, was seltsam anmuten mag, aber den, der sich kundig macht, kaum noch überrascht.

Das Popol Vuh erzählt, wie das Zwillingspaar Einsjäger und Siebenjäger von den Herren des Todes in die Unterwelt zitiert wird. Die beiden mächtigsten Herrscher des unterirdischen Reiches, zwei recht gelenkige Knochenmänner mit einer Vorliebe für Zigarren, trugen die Namen Einstod und Siebentod. Diese setzen die heroischen Brüder zahlreichen Prüfungen und initiatorischen Erfahrungen aus. Sie spielen das rituelle Ballspiel mit den Herren des Todes, die sie um den Sieg im Spiel und damit um ihr Leben betrügen. Die Zwillinge opfern sich selbst durch einen Sprung in einen Feuerofen, aber nach dem fünften Tag erstehen sie wieder als ein Paar von Fischen auf, die aus dem Unterweltsfluss tauchen.
Dieses Schauspiel, in dem die Herren der Unterwelt sowohl die Rolle der Betrüger als auch die der Initianten spielen, zeigt uns, dass das Tageszeichen Tod mehr mit Transformation als mit dem leiblichen Tod zu tun hat. Wenn die Nacht der Ort ist, an dem diese Transformation geschieht, so ist der Tod der Vorgang der Transformation selbst. Darum gelten Tage, die unter der Herrschaft des Zeichens Tod stehen, als sehr günstige Geburtstage.
Im alten Mexiko legte ein ausgefeiltes System von magischen Entsprechungen die Bedeutungen eines jeden Tageszeichens fest. Eine der Entsprechungen, die man dem Zeichen Tod zuschrieb, war die Himmelsrichtung Norden. Damals war Norden die Richtung, die für die Ahnen stand; Richtung des Todes hieß sie nur in der Bedeutung, dass die Ahnen die physische Ebene verlassen haben. Trotzdem führen sie uns mit ihrer Weisheit. Und diese Weisheit zu suchen, war das wesentliche Anliegen aller Ritualpraktiken, die die Maya ausführten. Das Tageszeichen Tod verbindet uns mit denen, die uns vorangegangen sind; wir erlangen Anteil an ihrer Weisheit. Im menschlichen Körper entspricht das Zeichen Tod dem Scheitelchakra, also dem Chakra, durch das die Sonnenkräfte der Erleuchtung und die Weisheit unserer Ahnen am besten in unser Bewusstsein eintreten und sich mit ihm verbinden. Dieses Tageszeichen verleiht uns also die Weisheit unserer Ahnen, die uns durch all unsere Transformationsprozesse geleitet.
Einen anderen Schlüssel zu dem Prozess der Umwandlung, der in diesem Tageszeichen beschrieben wird, finden wir im Mondgott, der im Entsprechungssystem der Azteken über diesen Tag herrscht. Er wird als alter Mann dargestellt, der das spiralig gewundene Haus der Meeresschnecke auf seinem Rücken trägt. Diese Muschel ist ein Sinnbild für den Mond, der über dem Meer aufgeht und die dunklen Wasser der Seele mit seinem klaren weißen Licht erhellt. Der Mond selbst durchläuft allmonatlich den Zyklus von Geburt und Tod mit seinen verschiedenen Phasen. Der Mondgott ist ein Ältester, ein weiser alter Mann, und das Haus der Meeresschnecke auf seinem Rücken ist mit seiner Spiralform ein Symbol für den ewigen Kreislauf von Geburt und Tod, also ein weiteres Bild für den Prozess der Transformation. Manchmal hat dieser weise alte Gott auch Schmetterlingsflügel, um uns daran zu erinnern, dass der Schmetterling einmal eine Raupe war, bevor er sich in seinen Kokon eingesponnen und verwandelt hat. Es sei auch daran erinnert, dass die Maya in Schmetterlingen die Seelen der Toten sahen.
Azteken und Maya verwenden als Glyphe für dieses Tageszeichen einen Schädel, der zum einen den Todesgott symbolisiert, zum anderen aber auch die Lage des Scheitelchakras angibt, das diesem Tageszeichen zugeordnet ist. In jüngerer Zeit haben Archäologen mehrere Kristallschädel entdeckt, die vermutlich den Todesgott darstellen. Es ist nicht sicher, ob diese Schädel von den Azteken, Mixteken oder Maya angefertigt wurden. Einige Sensitive glauben, dass diese Schädel wahrsagerische Fähigkeiten haben, und behaupten, dass sie hervorragend dafür geeignet sind, Trancezustände einzuleiten. Hier gibt es Parallelen zum europäischen Kulturkreis, in dem man dem Kopf eines toten Heroen ebenfalls die Gabe der Weissagung zuschrieb: dem Kopf Mimirs in der nordischen Mythologie, dem von Bran dem Gesegneten in der keltischen Überlieferung oder dem des Orpheus in der griechischen Mythologie.
Das Tageszeichen Tod steht also für den Prozess der Transformation, für den inneren Tod, der uns zu Weisheit und der Gabe der Weissagung führt.
(97 ff.)

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