|
Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...
2001-09-28
An Vashthi ging eine Ynah verloren, nicht wiederzufinden.
Der wohlverstandene Agagiter erntete die Vorurteile Abhrams, und sie waren gerecht.
Abhram bekämpfte sie, verurteilte und entlarvte sie, und er hegte sie noch und noch, und ein gewichtiges richtete sich gegen den Amaleqiter und seine Geliebte.
Ob Mardechai, ob Achashverosh, von der Liebe wußte er nichts. Abhram sträubte sich, der Sache auf den Grund zu gehen, solange Ynah lebte.
Die Abschirmung und Verteidigung der Familie war dem Chaldäer die von Gott gegebene Herzenspflicht. Er dachte nicht daran, Ynah in den engeren Kreis aufzunehmen, zu schweigen von dem Agagiter.
Es war ungerecht, notwendig, naheliegend, plausibel. Und schließlich gerecht. Amaleq gab sich zu erkennen, als es beinahe zu spät war. Er trug seinen Namen Haman seit denklichen Zeiten und wurde übersehen wie Vashthi, seine Liebe und gebrochene Königin.
Sie war die Angst in Person. Und sie hätte sich eher die Zunge abgebissen, als dieser Diagnose zuzustimmen.
Und sie tat Dinge, die ihre Angst versenkten und vertieften. Als ob es ihr eingeschrieben war, sich Schändliches anzutun.
Ich weiß nicht, wie weit wir zurückschauen müssen, um auf die Ursachen zu kommen.
Ein Erlebnis aus der Kindheit ist zu erwähnen.
Sie war mit ihrer älteren Schwester unterwegs. Die Mädchen wollten Nachbarskinder besuchen. Da wurde die Tür aufgerissen, und Vashthi jagte Debhorah und Ynah die Treppe hinunter. Mit diesen Judengören sollten ihre Kinder nicht mehr spielen.
Jagd war angesagt, und die kleine Ynah wußte nicht, wie und was ihr geschah. Sie weinte und fragte immerfort, was sie denn Böses getan, glaubte, daß sie schuld daran sei.
Von diesem Augenblick an war der Geist Vashthis in ihr. Gejagte sein wollte sie nie wieder. An diesem Tag trennten sich die Wege der Töchter Abhrams.
Und die Geschichte geht weiter.
Ynah lebte als gestürzte Königin Vashthi auf großem Fuß und hinterließ ein Erbe wie ein schwarzes Loch. Sie begab sich auf Reisen, nahm an Kreuzfahrten wie an Kreuzzügen teil, ließ die Geschichte vom verlorenen Schloß verbreiten und dem Adel ihrer Herkunft, die Lombarden gaben ihr ihren Credit.
Denen gehörte das Stammhaus zur einen, zur andern Hälfte ihrem namenlosen Sohn. Über die Jahrhunderte war der Hochmut geschrumpft, welkte in der Gefahr, in Stapeln aufzufliegen nun noch in zwei Generationen. Es hatte sich mit den Ahnen erschöpft.
Schon waren ihre Angelegenheiten ein paar Nummern zu groß. Hochmut kommt vor dem Pfahl, und Vashthis Rache hatte in Ynah eine Bleibe gefunden.
So blieb sie die Gejagte, nur wußte sie nichts mehr davon. Gejagt von Terminen und unerledigten Sachen.
Mit wedelnden Geldscheinen wischte sie an der Würde Vashthis und reizte den Dämon.
Sie war von der Vashthi besessen und gequält bis zum letzten Atemschub. Augen- und Ohrenzeugen berichten in Brocken und schweigen.
Der arabische Arzt sagt, er habe so etwas noch nicht erlebt.
Ynah hat geschrieen. Sie wachte aus tiefem Koma auf und brüllte aus sich heraus die bösesten Worte der Vashthi. Ich will nicht sterben! Ich bin noch jung. Andere leben. Ich habe noch so viel vor.
Sie bäumte sich auf, das ist klar, doch wie sie es tat, schreckte die Zeugen, sie möchten nicht darüber sprechen, nur das Bild vergessen, dieses Gesicht. Und sie können es nicht.
Die Gebete verschlugen nichts. Ynah gehörte und gehorchte dem Geist der abtrünnigen Königin. Was Vashthis Seele ihr angetan, ist wie eine Strafe Gottes.
Der Gott vom Sinai bittet die Dämonen nicht, er hat sie an der Leine, er feilscht nicht mit seinem Widersacher, sondern bringt ihn zur Ruhe, löscht ihn aus. So ist es geschehen.
Ynah hatte keine Chance, weil ihr böser Gebieter, ihre böse Gebieterin, sie nicht aus den Fängen ließ.
Ynah war verloren nicht von Anfang an. Vashthis Auszehrung der Kinderseele leerte Ynahs Blick. Es gibt Bilder aus frühester Zeit, da Ynah noch lebte.
Aus der sterbenden Ynah sprach und schrie und fluchte die fremde Stimme der Vashthi, ein Organ des Bösen und Häßlichen. Ynah war nicht mehr zu erkennen.
Aus Ynahs Koma stieg die alte Vashthi noch einmal auf.
Der Gedanke läßt sich kaum noch verdrängen, daß sie es war, daß sie es doch war, daß diese böse Stimme aus der Dunkelheit des Todes die eigentliche war. Mit Ynah ging ein tobender Dämon.
Ihr Sohn berichtet unterm Siegel der Verschwiegenheit, daß er, um sie zu beruhigen, zu ihr ins Sterbebett sich legte. Der Dämon nahm Zuflucht zu ihm.
Vashthis Sohn schwor auf die Zauberin, die ihn von einer Leibrose befreit hatte. Ynah und Vashthi sind wie Tochter und Mutter, die in ihrem Schlößchen nur noch mit den Toten verkehren.
Keine Kinder leben in der Gruft, nur Kranke und Sterbende, Gezeichnete und Schneckenmütter über dem Moor. Aus diesem Moor steigt der Dunst des Todes.
Gott liebt diese Gegend nicht. Debhorah glaubt darum, daß er sich den Gebeten der peruanischen Frauen verweigerte, wie er auch verschlossen blieb, als sie, Debhorah, ihn anflehte, das Leiden der Ynah zu verkürzen.
Die letzte Nachricht, daß Ynah auf dem Sterbebett die peruanische Hochzeit beredete, wurde zurückgehalten.
Die peruanischen Frauen, die für sie beteten und Lichter anmachten, soll der Frevel nicht treffen. Esther und Sarah bleiben davon unberührt.
Abhrams Sprachlosigkeit kommt aus dem endlichen Wissen, daß Gottes unendliche Gerechtigkeit eine Strafe war, wenn Ynah als Vashthi denn wußte, was sie tat.
kokhaviv publications > NewCatch > online exclusive
© Copyright 2001 kokhaviv publications