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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...
Der schwere Terrorangriff auf die Vereinigten Staaten, auf New York, Washington, Pittsburgh, war eine Kriegserklärung an die westliche Welt, der einstweilige Höhepunkt des Krieges gegen den Kapitalismus, gegen Demokratie und Freiheit. Die hohe Zahl der Toten und die technischen, logistischen Umstände grenzen den Kreis der möglichen Täter ein. Die ersten Aufklärungen sprechen von vier verdächtigen Arabern aus dem Raum der Emirate am Golf, darunter mindestens ein erfahrener Pilot. Osama Bin Laden, der sich in Afghanistan aufhält, wurde als wahrscheinlicher Hintermann und Drahtzieher genannt. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf den islamischen Raum und hier in erster Linie auf sogenannte Islamisten.
Bisher haben sich sämtliche bekannten Terrorgruppen in Mittelost von dem Anschlag distanziert. Die anfangs angeblich die Tat bekennende DFLP, Demokratische Front zur Befreiung Palästinas, deren einstiger Führer und bekannter Terrorist aus den siebziger Jahren kürzlich von israelischen Spezialisten liquidiert wurde, hat später widerrufen. Hamas-Sheikh Yasin bestreitet jegliche Beteiligung an dem Attentat. Die Regierung in Kabul geht auf Distanz, auch Osama Bin Laden habe nichts damit zu tun.
Solche Dementis sind logisch; denn jeder der Verdächtigen hat schwere Vergeltung zu fürchten. Präsident Bush hat angekündigt, daß Amerika zwischen den Tätern und ihren Helfern, die ihnen Unterschlupf gewähren, nicht unterscheiden werde.
Aber ist dieser Kreis auch das richtige Ziel? Tatsächlich haben wir es mit einem großen Bündel von Motiven zu tun. Die Definition, daß es sich bei dem Angriff um eine Kriegserklärung gegen die zivilisierten Völker beziehungsweise gegen die abendländische Kultur handle, greift zu kurz.
Es gibt Motive christlicher, nationalistischer, anti-globalistischer Natur. Der Fundamentalismus hat viele Herkünfte und muß genauer betrachtet werden.
Israel, Serbien, Japan, Deutschland, sie alle hätten ein Motiv, mindestens eins. Israel ist daran interessiert, daß die USA endlich im Nahen Osten militärisch aktiv werden. Serbien denkt an "Rache für Belgrad", Japan an "Rache für Hiroshima"; "Rache für Dresden" ist ein schwelender Gedanke bei vielen Nazis in Deutschland. Und das alles ist miteinander verquickt, wobei es eine eminente Rolle spielt, den Tatverdacht auf jeweils andere zu lenken.
Der Islamismus hat wegen seiner antijüdischen und antiamerikanischen Tendenz rechtsextremistische Freunde in Deutschland. Sie lieben nicht den Islam, sondern seinen politischen Antisemitismus. Terroristische Kommunikationsstrukturen führen regelmäßig auch über Deutschland. Deutschland gilt als Standort und Rückzugsgebiet des Fundamentalismus. Präsident Bush hat gesagt, daß Amerika zwischen den Terroristen und jenen, die ihnen Unterschlupf gewähren, nicht unterscheiden werde. War damit auch Deutschland gemeint?
Globalisierungsgegner haben sich spätestens in Genua als beachtliche Kraft erwiesen. Da kommen Nationalismen und Kommunismus zusammen. Das allgemeine Gemisch macht die Suche nach den möglichen Tathintergründen nicht eben leichter.
Christliche Fundamentalisten in Amerika stürzen die Türme von Babel. Das moderne Amerika gilt nicht nur den islamischen, sondern ebensowohl den christlichen Fundamentalisten als das Reich des Bösen, des Satans, der die christliche Welt ins Verderben stürzt und also bekämpft und vernichtet werden muß. Das World Trade Center ist das Zentrum des modernen Babylon. Die christlichen Fundamentalisten sind auch rassistisch, antisemitisch und antiislamisch orientiert. Inneramerikanische Unterstützung des Terrorkriegs wäre von hier denkbar.
Der Überfall auf Pearl Harbor wird erinnert. Pearl Harbor veranlaßte die USA zum dringend erwarteten Kriegseintritt. Den gleichen Gedanken müssen die Israelis heute haben. Endlich wäre Amerika bereit - wenn nicht die Fixierung auf Osama Bin Laden in Afghanistan ein Ablenkungsmanöver darstellt, um die Nahost-Intervention gerade zu vermeiden.
Siehe auch:
Amerikanischer Fundamentalismus
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